DB Börsengang
Bahn will billig an die Börse

Der Bund bezahlt für den Börsengang des staatlichen Unternehmens Deutsche Bahn einen Discountpreis. Nach Informationen des Handelsblatts aus Finanzkreisen muss der Bund nur rund 75 Millionen Euro für die Aktienemission ausgeben. Das entspricht einer Provision von 1,5 Prozent bei einem erwarteten Volumen des Börsengangs von rund fünf Milliarden Euro. In der Bankenbranche sorgen diese niedrigen Gebühren für Aufsehen.

FRANKFURT. "Eine derart niedrige Gebühr hat es in Deutschland noch nie gegeben, auch nicht bei einer Privatisierung, wo die Banken erfahrungsgemäß weniger verdienen", betont ein Investmentbanker. Die Konsortialbanken hatten mit 25 Mill. Euro mehr gerechnet.

Die Deutsche Bahn bringt voraussichtlich am 5. November dieses Jahres 24,9 Prozent ihrer Tochter DB Mobility & Logistics AG an die Börse, unter deren Dach die Transport- und Logistik-Aktivitäten des Verkehrskonzerns gebündelt sind. Bislang plant Bahnchef Hartmut Mehdorn, Anfang Oktober mit der Vorvermarktung der Milliardenemission bei den Investoren zu beginnen und etwa ab Mitte Oktober die Preisfindung zu starten. Bei ruhigen Märkten werde der Preis im Bookbuilding-Verfahren ermittelt, berichten Insider. Hier wird eine Spanne des Ausgabekurses vorgegeben, innerhalb der der Anleger über den Preise entscheidet.

In der Bankenbranche sorgen die niedrigen Gebühren für Aufsehen. Beim Börsengang der Deutschen Telekom im Jahr 1996 betrug die Provision noch 2,5 Prozent. Seitdem sind die Preise zwar gesunken. Aber beim im Vergleich zur Großemission Bahn einfachen Börsengang des Hamburger Hafens seien im vergangenen Jahr noch 1,75 Prozent des Emissionsvolumens an die Finanzinstitute geflossen, berichten Banker. Experten begründen die "Minigebühr" mit der großen Konkurrenz um das "wohl attraktivste Mandat für einen Börsengang in Europa im Jahr 2008." Rund dreißig Banken hätten sich für dieses Prestigeprojekt beworben, bei dem die Institute dabei sein müssen, um bei den sogenannten Initial Public Offerings (IPOs) in Europa ganz vorne zu stehen.

So hätten alle großen Banken ihre Beziehungen spielen lassen. Die Citigroup schickte den ehemaligen KfW-Chef Hans Reich für sich ins Rennen. Credit Suisse versuchte mit Klaus-Dieter Scheurle, dem Ex-Präsidenten der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, zu punkten. Merrill Lynch wollte mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten aus Baden-Württemberg, Lothar Späth, ein Mandat gewinnen. Die Entscheidung fiel dann für die Deutsche Bank, Goldman Sachs, Morgan Stanley und UBS als globale Koordinatoren. Erfahrungsgemäß gehen nach der Beobachtung von Bankern etwa 80 Prozent der Gebühreneinnahmen angesichts der Platzierungsbreite an diese Gruppe.

Doch nicht nur die intensiv beobachteten Ranglisten spielten für die Banken eine Rolle, sich gegenseitig zu unterbieten. Sie alle hoffen auf einen Startvorteil bei weiteren Geschäften mit der öffentlichen Hand. Gleichzeitig zählt in der jetzigen Flaute im Investment-Banking jeder Euro an Einnahmen, um die teuren Investmentbanken am Laufen zu halten.

Der Blick der Banker geht auch ins restliche Europa. So hoffen sie auf eine Privatisierung der Österreichischen Bundesbahnen in den nächsten zwei bis drei Jahren und setzen auf weitere Projekte in Spanien, Polen und Italien. Dort wollen sie mit ihren durch die Bahnemission erworbenen Erfahrungen auftrumpfen. Das Wichtigste ist aber die erwartete Privatisierung der Autobahnen in Deutschland. Nach der Einschätzung von Experten dauert das zwar noch Jahre. "Hier geht es aber um ein Volumen von 100 Mrd. Euro und mehr", sagt ein Banker euphorisch.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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