Debatte um Kernenergie
Solar- und Windkraftaktien schießen nach oben

Die Politik war für Solaraktien in den letzten Jahren ein großer Störfaktor. In der Diskussion um Atomkraft könnte sich das jetzt ändern. Die Branche hofft auf neue Impulse - und die Anleger stürzen sich auf den Sektor.
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DüsseldorfDie in Folge der Reaktorkatastrophe in Japan neu aufgeflammte Diskussion über Kernkraft lässt die Werte der Solar- und Windenergiebranche in die Höhe schnellen. Die Aktien konnten sich heute vor Zuwächsen kaum retten. Während die Papiere von Conergy zeitweise um knapp 32 Prozent auf 0,409 Euro zulegten, kletterte Nordex um 20 Prozent auf 6,966 Euro. Auch die Werte von Q-Cells, Solarworld, Phoenix Solar und Roth & Rau zogen klar an und sorgten dafür, dass auch der deutsche Technologieindex TecDax am Nachmittag gegen den Trend rund 0,5 Prozent zulegte. 

Euphorie ist bei Analysten bislang aber nicht zu spüren. Ihre Bewertungen sind durchwachsen. "Wir halten an unseren Bewertungen fest, denn eine Änderung der Rahmenbedingungen ist nicht zu erkennen. Außerdem wird die Debatte um nuklear primär in Deutschland geführt", sagt West-LB-Analystin Katharina Cholewa. Sie belässt die Aktien von Centrotherm und Phoenix Solar auf "neutral". Während Goldman Sachs Aktien von Roth & Rau mit „Buy“ bewertet, empfiehlt die Commerzbank „Sell“. Auch bei Solarworld, Q-Cells und Nordex halten sich Kauf- und Verkaufsurteile der Analysten bestenfalls die Waage. Eindeutig negativ ist dagegen weiter das Urteil zum heutigen Top-Wert Conergy: Das Unternehmen, das mit einer Umschuldung gegen die bedrohliche Krise kämpft, wird von den Experten mit „Verkaufen“ bewertet.

Das Bild für den gesamten Sektor könnte sich längerfristig allerdings aufhellen. Branchenexperten der Großbank Unicredit sehen in der drohenden Nuklearkatastrophe in Japan Chancen für die Solarindustrie. In der Politik könnte es zu einem Umdenken bei der Nutzung von Kernenergie kommen, so dass die Solarenergie stärker in den Mittelpunkt rücke, hieß es. Doch neben den politischen Chancen gibt es auch Risiken aus der gleichen Richtung: Die mittelfristigen Aussichten für Solarwerte hängen von der politischen und gesellschaftlichen Bereitschaft ab, erheblich höhere Stromkosten in Kauf zu nehmen, um am Energiemix etwas zu verändern.

So wage die längerfristigen Aussichten sind, kurzfristig hat die Solarbranche - zumindest an der Börse - das Jammertal verlassen. Nach dem miserablen Jahr 2010 - die Titel des Sektors verloren auf Jahressicht zwischen 25 Prozent (Conergy) und 73 Prozent (Q-Cells) - geht es für die meisten Titel seit Anfang Januar aufwärts: Centrotherm-Aktien stiegen um 24 Prozent, Q-Cells-Papiere erholten sich um 22,4 Prozent und auch für den Windkraftanbieter Nordex ging es um 21 Prozent aufwärts.

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