Demonstrationen
Allianz-Umbau verunsichert

Die weit reichenden Umbaupläne von Allianz-Chef Michael Diekmann lassen die wohl geordnete Welt des Versicherers aus den Fugen geraten. Am Dienstag demonstrierten im Rahmen eines Warnstreiks 850 Beschäftigte der Allianz in Leipzig für den Erhalt ihres Standortes und gegen mögliche Stellenstreichungen.

MÜNCHEN. Der Protest in Sachsen reiht sich ein in eine ganze Welle von Demonstrationen der Beschäftigten, die vor allem eins zeigen: wachsende Nervosität.

Konzernchef Diekmann hatte im September eine historisch einmalige Neuorganisation des Konzerns verkündet. Die Holding Allianz AG wird nach der völligen Übernahme der italienischen Tochter RAS künftig in eine Gesellschaft nach europäischem Recht (SE) umgewandelt. Zudem bündelt der Konzern sein deutsches Geschäft in einer neuen Allianz Deutschland AG. Schließlich werden die Vertriebe der drei großen deutschen Versicherungstöchter – Leben, Schaden- und Krankengeschäft – in einer Vertriebsgesellschaft zusammengefasst, die Tochter der neuen Holding wird.

Seit Bekanntwerden der Pläne wird immer wieder über den Abbau von bis zu 8 000 Stellen spekuliert. Für den Konzern sind in Deutschland gut 10 000 Vertreter und knapp 39 000 Innendienst-Mitarbeiter tätig. Inzwischen verzichtet die Allianz darauf, überhaupt Zahlen zu nennen, die mit dem Umbau in Zusammenhang stehen könnten. Fest steht bislang nur, dass die bisher sieben regionalen Zentralniederlassungen in vier neue Vertriebs- und Dienstleistungsgebiete aufgeteilt werden. Das aber steigert die Verunsicherung. So wächst in der Zentralniederlassung Leipzig, wo 1 400 Menschen für die Allianz arbeiten, die Angst, dass der dortige Innendienst nicht mehr sicher ist.

Um der wachsenden Unruhe entgegen zu wirken, hat sich Konzernchef Diekmann am Nikolaustag in einem Brief an alle Beschäftigten gewandt und bekräftigt, der Geschäftsleitung und ihm persönlich gehe es um nichts anderes „als die Allianz auch für die nächste Generation zu dem erfolgreichsten Arbeitgeber der Versicherungsindustrie in Deutschland zu machen“. Diekmann bekräftigte, dass der Konzern den Ausschließlichkeitsvertrieb nicht schwächen werde. Außerdem halte man am Tarifvertrag fest. Diekmann weiter: „Hier wird nichts am grünen Tisch entschieden. Wir geben unser Bestes, um in so kurzer Zeit wie möglich einen zuverlässigen Plan zu entwickeln, wie wir uns für den Wettbewerb der Zukunft rüsten können.“

„Sollte der Brief zur Beruhigung beitragen, dann hat er die Wirkung verfehlt“, sagt Frank Lehmhagen, Gewerkschaftssekretär von Verdi und in mehreren Aufsichtsräten der Allianz vertreten. Seit Wochen hingen die Arbeitnehmer „völlig in der Luft“, dies sorge für zunehmende Verärgerung. Aus dem Konzern heißt es dagegen weiterhin, die Teams unter den Vorständen der künftigen Deutschland AG arbeiteten intensiv an der Umsetzung der Pläne. Noch seien diese aber nicht so weit, dass man Details kommunizieren könne. So stehe noch überhaupt nicht fest, ob es zu Standortschließungen komme. Details zur Neuordnung seien frühestens Ende Januar zu erwarten.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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