Dentalspezialist Sirona wird für 730 Millionen Euro zum dritten Mal an einen Finanzinvestor verkauft
Beteiligungsbranche dreht sich im Kreis

Der deutsche Beteiligungsmarkt läuft heiß. Erstmals in der Geschichte wird ein Großunternehmen zum dritten Mal an einen Finanzinvestor weiterverkauft. Wie aus Verhandlungskreisen verlautete, reicht die Beteiligungsgesellschaft EQT im Rahmen eines Drittgeschäfts (Tertiary) den Dentalspezialisten Sirona an einen amerikanischen Finanzinvestor weiter.

HB FRANKFURT/M. Nach Handelsblatt-Informationen soll einer der beiden Bieter heute den Zuschlag bekommen. Die Private-Equity-Gesellschaften Blackstone und Madison Dearborn liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Sirona. Als Kaufpreis werden rund 730 Mill. Euro genannt.

Sirona stellt Ausrüstungen für die Zahnbehandlung her und war 1997 als Dentalsparte der Siemens AG aus dem Münchener Konzern herausgelöst und an die Beteiligungsgesellschaft Permira veräußert worden. Im Geschäftsjahr 2003/2004 erzielte die Sirona-Gruppe mit über 1 600 Mitarbeitern einen Umsatz von 320 Mill. Euro. Im November 2003 kauften die Beteiligungsfonds von EQT, hinter denen die schwedische Wallenberg-Gruppe steht, Sirona aus dem Portfolio von Permira für knapp 420 Mill. Euro. Mit dem Verkauf an einen der beiden amerikanischen Finanzinvestoren erzielt EQT jetzt eine Rendite von knapp 75 Prozent innerhalb von 18 Monaten. EQT soll mit dem Verkaufspreis „sehr zufrieden sein“, hieß es in Verhandlungskreisen.

Branchenbeobachter sehen die Deals unter den Finanzinvestoren durchaus kritisch. So zeige Sirona Dental, dass die Private-Equity-Häuser sich nicht mehr an ihre eigenen Vorgaben hielten, ein Unternehmen über vier bis sieben Jahre weiterzuentwickeln. Die Grenzen zwischen den mittel- bis langfristig orientierten Beteiligungsmanagern und den vielfach auf schnelle Gewinne ausgerichteten Hedge-Fonds verwischten damit zusehends.

Private-Equity-Gesellschaften bekommen von institutionellen Investoren Eigenkapital, das sie für Unternehmenskäufe einsetzen. Nach Umstrukturierungen werden die Firmen dann zu einem höheren Preis weiterverkauft. Pensionskassen, Stiftungen oder Versicherungen als Geldgeber dürfen auf eine zweistellige Rendite hoffen, die über den Erträgen liegt, die Aktien im Schnitt abwerfen.

Während die Finanzierung im Fall Sirona offenbar kein Problem darstellt, weisen Banker auf wachsende Unsicherheit unter den Kreditinstituten bei anderen Deals hin. Die jüngsten Konjunkturzahlen hätten große Besorgnis über eine Eintrübung des Wirtschaftsklimas ausgelöst. „Die Nervosität steigt“, urteilt ein Investmentbanker. Bei ihren Transaktionen steuern die Finanzinvestoren beim Kauf der Unternehmen rund 30 Prozent Eigenkapital bei, den Rest geben die Banken über Kredite, Anleihen und andere Kapitalmarktprodukte. Bei einigen Häusern seien die Fremdfinanzierungen so aggressiv, dass hier die Gefahr bestehe, dass potenziell das Investment später in Gefahr gerate, warnt ein Top-Manager der Kreditbranche.

Angesichts der neuen Situation hat offenbar auch der Kabelnetzbetreiber Iesy die Emission einer Hochzinsanleihe über 525 Mill. Euro verschoben. Mit der Transaktion vertraute Banker sprachen von „schwierigen Marktbedingungen“. Das Unternehmen, hinter dem die Beteiligungsgesellschaften Apollo Management und Golden Tree stehen, hatte mit dem Geld die Übernahme des Konkurrenten Ish finanzieren wollen. „In den hohen Bewertungen der in den vergangenen zwölf Monaten gekauften Unternehmen sehe ich ein Problem“, sagt ein Finanzinvestor. Die Preise würden nicht von den Private-Equity-Häusern getrieben, sondern von aggressiven Finanzierungen der Banken.

Heiße Debatte

Angriff: SPD-Chef Franz Müntefering hat die Finanzinvestoren jüngst mit Heuschrecken verglichen, die nur hinter der Rendite her seien. Die Beteiligungsmanager zeigten keine soziale Verantwortung, so sein Vorwurf.

Verteidigung: Die Private-Equity-Häuser verstehen angesichts der Attacke die Welt nicht mehr. Seit Jahren schafft die Mehrheit der in Deutschland aktiven Finanzinvestoren Arbeitsplätze.

Gefahr: Die massive Kapitalismuskritik wird in den Zentralen der Beteiligungsgesellschaften im Ausland aufmerksam verfolgt. Nachdem Deutschland erst in den vergangenen Jahren von der Branche entdeckt worden ist, besteht jetzt die Gefahr eines schnellen Rückzugs.

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