Depfa Bank bringt Kurs des Immobilienfinanzierers in Turbulenzen
Aareal-Bank begeistert Analysten

Sie stieg und stieg, die MDax-Aktie der Aareal-Bank. Zwischen ihrem Jahrestief Mitte März und dem Hoch Ende Oktober legte sie um rund 190 Prozent auf 26,30 Euro zu. Gestern gab der Kurs zeitweise auf deutlich weniger als 25 Euro nach. Offensichtlich misstrauen einige Börsianer der Versicherung der Depfa Holding Verwaltungsgesellschaft, sie werde an ihrer Aareal-Bank-Beteiligung festhalten.

DÜSSELDORF.Die Holding kündigte gestern nämlich an, ihre Anteile an der Depfa Bank, der Schwester der Aareal, komplett verkaufen zu wollen. „Die Befürchtungen am Markt sind übertrieben. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Holding ihr Aareal-Paket kurzfristig verkauft“, kommentiert Alexander Plenk, Analyst der Bankgesellschaft Berlin. Peter Barkow, der den Gewerbeimmobilienfinanzierer für HSBC Trinkaus & Burkhard beobachtet, geht davon aus, dass die Depfa Holding höhere Kurse sehen will, bevor sie sich von ihrem rund 40 Prozent großen Aareal-Paket trennt.

Die aktuelle Kursturbulenz ändert nichts am durchweg positiven Urteil der Analysten vor der Bekanntgabe der Ergebnisse des dritten Quartals am 12. November. Die Experten sind nahezu ausschließlich der Meinung, die Aktie sei ein Kauf. Aus Sicht von M.M.-Warburg-Analyst Jörn Kissenkötter rechtfertigen eine bessere Risikostreuung, gestiegene Wettbewerbsfähigkeit und höhere Chancen, sich von Problemkrediten und -immobilien zu trennen, ein höheres Kursziel von nunmehr 32 Euro. Auch für WGZ-Bank-Experte Wulf Weiler sind Kurse um 30 Euro „vorstellbar“. Etwas zurückhaltender fällt der Ausblick von Metehan Sen aus. Es bedürfe eines positiven Ausblicks, um weitere Kursphantasie zu entfachen, meint der Analyst des Bankhauses Sal. Oppenheim.

Sen wie auch andere sind davon überzeugt, dass Aareal ein gutes Ergebnis für das dritte Quartals präsentieren wird. Sen erwartet eine Ausweitung der Zinsmarge, und dass die Aareal „die Bücher geöffnet haben wird“. Im Halbjahresbericht 2003 waren gegenüber der gleichen Vorjahresperiode deutlich gesunkene Neuzusagen (minus 22 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro) aufgefallen. Aareal begründet den Einbruch mit der Zurückhaltung im ersten Quartal wegen möglicher Konjunkturrisiken als Folge des Irak-Krieges. Man werde die Neuzusagen des gesamten Vorjahres nicht ganz erreichen, aber weiter aufholen, sagt Jürgen Junginger, Leiter Investor Relations der Bank. Das Quartalsergebnis werde die Gewinnprognose für das Gesamtjahr bestätigen. Das Institut hatte einen Konzerngewinn von mehr als 90 Mill. Euro für 2003 angekündigt.

Kurs profitiert vom Vertrauensvorsprung

Der Aareal-Kurs gewann jedoch nicht allein von positiven Ausblicken. „Der Kurs hat auch vom Vertrauensvorsprung profitiert, der Banken ganz allgemein wieder gewährt wird, sagt WGZ-Analyst Weiler. Außerdem haben Analysten den Eindruck, dass der Kursanstieg zum Teil durch Käufe institutioneller Investoren ausgelöst wurde. So meldete der US-Vermögensverwalter Capital Group Companies kürzlich, nun über fünf Prozent der Aareal- Aktien zu besitzen. Aareal-Mann Junginger bestätigt das gestiegene Interesse der Institutionellen. Und Fabian Brunner von der Landesbank Baden-Württemberg kommentiert: „Der Einstieg institutioneller Investoren spricht für die Aktie.“ Privatanlegern empfiehlt er, bei einem so engen Titel konsequent Stopp-loss- Aufträge zu erteilen.

Aareal-Konkurrent Hypo Real Estate (HRE) verfügt mit knapp zwei Mrd. Euro über eine rund doppelt so hohe Marktkapitalisierung und einen höheren Streubesitzanteil, weswegen der Markt weniger eng ist. Doch vor die Wahl gestellt, Aareal oder HRE zu kaufen, zieht Kissenkötter von M.M. Warburg Aareal wegen des Vorsprungs auf den renditeträchtigeren ausländischen Immobilienmärkten vor. Kollege Weiler von der WGZ-Bank billigt HRE zwar mehr Turn-Around-Phantasie zu, deutet aber an, dass sich Käufer einer Aareal-Aktie in ruhigerem Fahrwasser bewegen. Demgegenüber zieht Oppenheim-Analyst Sen HRE vor, aber nur aus „bewertungstechnischen Gründen“.

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