Der Aktie des russischen Gasgiganten werden gute Chancen eingeräumt
Gazprom öffnet sich für alle Investoren

Der weltgrößte Gaskonzern, die Moskauer OAO Gazprom, ist inzwischen wieder Russlands wertvollster Konzern. Gazprom-Aktien sind die wichtigsten im Lande. Was so selbstverständlich klingt, war es die vergangenen Jahre nicht – da dominierte der Ölkonzern Yukos.

mbr MOSKAU. Doch inzwischen hat der Erdgasmonopolist mit einer Marktkapitalisierung von 50 Mrd. $ den seit der Verhaftung des damaligen Konzernchefs Michail Chodorkowskij im vorigen Oktober massiv unter Druck stehenden Ölförderer Yukos mit einem Wert von knapp 38 Mrd. $ hinter sich gelassen.

Auch für Ausländer werden Gazprom-Aktien immer interessanter: Russlands Präsident Wladimir Putin hat zugesagt, bis zum Jahresende die Beschränkungen für Ausländer aufzuheben. Er hat zudem einer möglichen Zerschlagung des Gasmonopolisten in Förderer, Netz und Vertrieb eine Absage erteilt. Im laufenden Jahr rechnet der Konzern mit Rekord-Ausfuhrerlösen von 16,5 Mrd. $.

Schon 2003 konnte Gazprom seine Exporte auf den lukrativen westeuropäischen Markt von 133 auf 140 Mrd. Kubikmeter Erdgas steigern, dieses Jahr sollen es 153 Mrd. Kubikmeter werden. Das spült immer mehr Geld in Gazproms Kassen, denn 80% der Erlöse werden im Export erzielt, weil der Heimatmarkt mit regulierten Binnengaspreisen noch immer ein Zuschussgeschäft ist. Doch auch an dieser Front soll Entlastung kommen: Andrej Illarionow, Wirtschaftsberater von Präsident Putin, will im Inland etappenweise zu Marktpreisen für Erdgas kommen.

Ausländer dürfen bisher nur die im Westen gehandelten American Deposit Receipts (ADR)-Anteilsscheine kaufen. Doch das soll sich bis Jahresende ändern, wenn auch die lokalen Gazprom-Aktien gekauft werden dürfen. „Das wäre ein gewaltiges Ereignis“, meint Roland Nash, Stratege der Moskauer Investmentbank Renaissance Capital, die die Aktien des Erdgasriesen als „Kauf“ einstuft. „Damit würde Gazprom die zweitliquideste Aktie aller Emerging Markets.“ Bisher werden durchschnittlich nur für 115 Mill. $ Gazprom-Aktien und -ADRs täglich umgesetzt. Nur 3 % des Gazprom- Kapitals werden in Form von ADRs gehandelt – und das sehr teuer: In Frankfurt stiegen Gazprom-ADRs seit Jahresbeginn um 44 % auf gut 29 Euro. Ein ADR entspricht zehn Aktien – die in Moskau aber umgerechnet nur 1,74 Euro pro Stück kosten, was seit Jahresbeginn einem Kursanstieg um zwei Drittel entspricht.

Per Gesetz dürfen Ausländer aber bisher nur ein Fünftel des Gazprom-Kapitals halten, allein 6,5 % besitzt die Essener Eon-Tochter Ruhrgas. „Um alle Begrenzungen aufzuheben, muss bewiesen sein, dass der Konzern nicht von anderen übernommen werden kann“, meint Christopher Granville, Chefstratege der UFG-Investmentbank, die die lokalen Aktien auf „outperform“ (überdurchschnittlich) einstuft und die teureren ADRs lediglich auf „marketperform“ (durchschnittlich).

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