Der Aktienkurs der spanischen Fluggesellschaft sinkt kräftig
Iberia fehlt die Wachstumsstory

In den vergangenen drei Monaten hat die Aktie der größten spanischen Fluggesellschaft, Iberia, deutlich verloren. Eine Besserung ist für viele Analysten kurzfristig nicht abzusehen. Der Kurs sank seit August von 2,60 auf 2,10 Euro, durchaus keine branchentypische Entwicklung.

HB MADRID. Iberia gehört eindeutig zu den Verlierern auf dem Madrider Parkett. Zum Vergleich die Lufthansa-Aktie: Sie gewann in den vergangenen drei Monaten deutlich hinzu. Auch Air France-KLM konnte in diesem Zeitraum leicht zulegen. Die schwierige Marktsituation aufgrund des hohen Ölpreises sowie der zunehmenden Konkurrenz der Billigflieger in Spanien macht der Iberia-Aktie in diesem Jahr enorm zu schaffen.

Der Kurs verlor seit Jahresbeginn bereits rund sechs Prozent, obwohl die allgemeine Börsenstimmung in Spanien sehr gut ist: Der Standardaktienindex Ibex-35 gewann in diesem Jahr bereits rund 17 Prozent.

„Es gibt einfach keine wirklich guten Nachrichten bei Iberia“, findet der US-Broker JP Morgan Securities, der zum Halten der Aktie rät. Eine Umfrage des spanischen Finanzinformationsdienstes Invertia bei Analysten ergab, dass das ebenfalls die Auffassung der meisten von ihnen befragten Analysten ist.

Seit Monaten wird in der spanischen Presse darüber spekuliert, ob Iberia mit einer Billig-Airline an den Start geht. Das Unternehmen hält sich aber bedeckt. Zudem scheiterten Versuche, mit British Airways zu fusionieren.

Und schließlich haben sich die Spanier gerade endgültig aus der Versteigerung von Anteilen an staatlichen mexikanischen Airlines zurückgezogen. „Das wäre jedoch ein wichtiger Markt für Iberia gewesen,“ schreibt die spanische Wirtschaftszeitung „Cinco Dias“. Die Spanier sind bereits Marktführer auf den Strecken von Europa nach Lateinamerika. Mit einem Einstieg in Mexiko hätten sie den Vorsprung weiter ausbauen können, schätzt José Francisco Ruiz vom Broker Keplers Equities, der sogar zum Verkauf der Aktie rät. Er erwartet nicht mehr, dass der Iberia-Kurs sich in diesem Jahr überhaupt noch verbessern wird.

Das an der Börse mit knapp zwei Mrd. Euro bewertete Flugunternehmen hat bereits ein sehr schwieriges Jahr hinter sich, was auch das gerade vorgestellte Neun-Monats-Ergebnis deutlich machte. Demnach konnte Iberia zwar den Gewinn um 171 Prozent auf 402 Mill. Euro steigern, jedoch nur durch den Verkauf seiner Beteiligung am Reisereservierungssystem Amadeus, der insgesamt 600 Millionen Euro einbrachte. Die Aktie gab deswegen nach. Die Kosten stiegen um 3,5 Prozent, und der Betriebsgewinn fiel um 23,5 Prozent auf 109 Mill. Euro. Der Umsatz wuchs in den ersten neun Monaten lediglich um knapp zwei Prozent auf 3,67 Mrd. Euro. Negativ zu Buche schlug wie bei allen Airlines auf der Kostenseite ein Ölpreisanstieg um 31 Prozent. Auf das gesamte Jahr bezogen, rechnet Iberia mit Kosten von rund 400 Mill. Euro.

Die spanischen Analysten sehen Iberia jedoch durchweg positiver. Sie begründen ihr Urteil vor allem damit, dass die Fluggesellschaft im September ihre Passagierzahl um 100 000 auf 2,5 Millionen verbessern konnte. Ebenso schätzen sie die Bemühungen des Firmenpräsidenten Fernando Conthe, in den kommenden drei Jahren die Eigenkapitalrendite auf rund zehn Prozent anzuheben. Der Betriebsgewinn soll bis zum Ende des Jahres 120 Mill. Euro betragen.

Antonio José Castell vom Madrider Broker Ibersecurities stuft die Aktie deswegen als Kauf ein: „Das Kursziel sehe ich bei 2,80 Euro.“ Positiv stimmt ihn ebenfalls, dass Conte trotz des Widerstands der Gewerkschaften in den kommenden drei Jahren neun Prozent der Stellen abbauen will; das Unternehmen hätte dann 2 164 Mitarbeiter weniger. „Damit wird das Unternehmen schlanker und kann die Kosten besser in den Griff bekommen“, sagt Castell. Iberia hat bereits in den vergangenen Jahren stark gespart. Darunter fiel die Streichung von 3 500 Jobs.

„Aber Sparen ist nicht alles, irgendwann muss auch der Umsatz wieder richtig anziehen“, sagt José Mario Álvarez de Novales, Dozent an der spanischen Wirtschaftshochschule Instituto de Empresa. Frühestens dann wird seiner Meinung nach auch die Aktie wieder durchstarten.

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