Der Börse fehlt derzeit eine kurstreibende Dynamik
Dax-Ausblick: Ölpreis bremst die Märkte

Die USA stehen noch voll unter dem Schock, ausgelöst durch den Hurrikan "Katrina". Der in Folge weiter angestiegene Ölpreis wird Investoren auch in der kommenden Woche von größeren Engagements am Aktienmarkt abhalten. Davon jedenfalls gehen viele Börsenexperten aus.

HB FRANKFURT. Insbesondere für die nächsten Tage rechnen Marktteilnehmer mit der Fortsetzung einer Konsolidierung am deutschen Aktienmarkt. "Der Dax wird wohl in der kommenden Woche nicht über 5000 Punkte steigen. Dazu braucht man schon einen größeren Impuls", sagt Steffen Neumann, Aktienstratege bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. "Im Moment ist etwas schwer abzusehen, was den Markt nach oben treiben könnte. Ein Rückgang des Ölpreises könnte das sein, aber damit rechnen wir nicht", fügt er hinzu.

In der abgelaufenen Woche hat der Deutsche Aktienindex trotz der angespannten Lage am Ölmarkt gut ein Prozent an Wert auf rund 4850 Punkte gewonnen. Der Preis für ein Barrel (rund 159 Liter) US-Leichtöl war am Dienstag auf ein Rekordhoch bei 70,85 Dollar geklettert. Die Angst vor dem Ausmaß der Schäden durch den Hurrikan "Katrina" in der Ölindustrie im Golf von Mexiko hatte den Ölpreis nach oben getrieben. Der Wirtschaftsberater von US-Präsident George W. Bush, Ben Bernanke, beziffert die Sachschäden durch "Katrina" auf 25 Milliarden Dollar "oder mehr".

Börsenexperten sehen noch weitere Risiken: Es habe sich zwar in den vergangenen Handelstagen gezeigt, dass es bei stärkeren Rückschlägen wieder steigende Kaufbereitschaft gebe, andererseits fehlten aber nach oben hin die Anschlusskäufe. Vor dem Hintergrund der bestehenden Unsicherheitsfaktoren sei dies allerdings kaum verwunderlich. "Angesichts der Zerstörungen, die der Hurrikan angerichtet hat, zeichnet sich keine rasche Beruhigung an den Öl- und Benzinmärkten ab", stellen die Experten der Bankgesellschaft Berlin fest. Zusammen mit dem hohen Ölpreis und dem wieder schwächeren Dollar bestehe Raum für erneute Spekulationen über eine nachlassende Ertragsdynamik.

Konjunkturelle Risiken

Die jüngsten US-Konjunkturdaten hätten erste Warnsignale geliefert, merken Händler in diesem Zusammenhang an, wobei die überraschend schwachen Daten zum Einkaufsmanagerindex der Region Chicago aber wohl nicht repräsentativ gewesen seien. So hätten der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe und die Arbeitsmarktdaten für August kein derart düsteres Bild gezeichnet.

Trotzdem sei Vorsicht angebracht. Marktstratege Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg geht davon aus, dass es sich "bei der jüngsten Dax- Erholung nur um ein Strohfeuer handelt“; er glaubt, dass die Risiken überwiegen. "Mit jedem Dollar, den der Preis für ein Fass Öl klettert, steigt die Ölrechnung der wichtigsten Länder der Eurozone wie Deutschland, Frankreich oder Italien um rund 0,05 Prozentpunkte des Bruttoinlandsprodukts", so Schallenberger.

Hoffnung auf Zinssenkung gesunken

Hinzu kämen die jüngsten Aussagen der EZB, fügen die Analysten der Bankgesellschaft Berlin hinzu. Mit den Hinweisen auf die Aufwärtsrisiken bei den Preisen und der Anhebung der Inflationsprognose sei jeglichen Zinssenkungshoffnungen endgültig eine Absage erteilt worden. Auch die Saisonalität mahnt zur Vorsicht. Der September als traditionell schwacher Börsenmonat bedingt bei vielen Marktteilnehmern eine gewisse Zurückhaltung, zumal die technische Lage keine Einladung zum Einstieg darstellt.

Auch technische Analysten sind zurückhaltend. Nach wie vor ist es dem Dax nicht gelungen, die Nackenlinie der Schulter-Kopf- Schulter-Formation im Bereich von 4840/50 Punkten dauerhaft zurückzuerobern. "Damit gilt weiterhin das Mindestkursziel der Formation bei 4680 Punkten", betonen die Analysten der DZ-Bank. Entscheidend für die weitere Entwicklung sei aber wie immer die Lage der US-Indizes. Solange dem S&P-500 nicht der Sprung über den Widerstandsbereich bei 1229 bis 1232 Punkten gelinge, befinde er sich in einer Konsolidierungs-Range, die mit 1214 Punkten nach unten hin abgerundet werde, stellt der technische Analyst Marcel Mußler fest.

"Die 5000 Punkte werden geknackt"

Dennoch erwarten viele Aktienexperten beim Dax eine Fortsetzung des langfristigen Aufwärtstrends. Von der Agentur Reuters befragte Analysten rechnen zum Jahresende mit einem Stand von gut 5000 Punkten. So ist zum Beispiel Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Fondsgesellschaft Dit, grundsätzlich positiv gestimmt: "Die 5000 Punkte werden geknackt, die Frage ist nur wann." Die Verfassung des Marktes sei sehr gut: "Er hat den Anstieg des Ölpreises hervorragend verkraftet", urteilt Dit-Experte Naumer. Er beobachte die weitere Entwicklung des Ölpreises aber genau. "Man muss sehen, dass hinter dem hohen Ölpreis auch die gute Entwicklung der Konjunktur steht", sagt er. "Die Frage ist jetzt: wird sich die Belebung der Konjunktur fortsetzen oder macht uns der Ölpreis einen Strich durch die Rechnung?"

Optimistisch zeigen sich auch die Experten der Commerzbank. "Die Tatsache, dass die Börsen auch auf sehr negative Ereignisse und Meldungen derzeit gelassen reagieren, spricht für deren solide Grundverfassung und macht Hoffnung für die Zukunft", schreiben sie in einer Studie.

Index-Kandidaten in den Startlöchern

Auf der Unternehmensseite könnte am kommenden Donnerstag der Quartals-Zwischenbericht des US-Chipkonzerns Intel im Blickpunkt stehen. "Das Mid-Quarter-Update von Intel könnte vor allem im Technologiesektor die Stimmung vorgeben", sagt Steffen Neumann, Aktienstratege bei der Landesbank Rheinland-Pfalz.. Für Impulse bei den Halbleiterwerten dürfte auch National Semiconductor mit der Vorlage der Quartalszahlen am Mittwoch sorgen.

Von den Ergebnissen europäischer Unternehmen wie etwa Air Liquide und Axa, die am Mittwoch Halbjahreszahlen vorlegen, wird eine nur sehr begrenzte Wirkung auf den deutschen Markt erwartet.

Am Montag trifft sich der Arbeitskreis Aktienindizes, um über die Zusammensetzung der Börsenindizes und somit über die Auf- und Absteiger in Dax, MDax und TecDax zu entscheiden. Für den Dax werden keine Änderungen erwartet. Experten gehen aber davon aus, dass der Triebwerkshersteller und Börsenneuling MTU den Autozulieferer Beru im Nebenwerteindex MDax ersetzen wird. Gute Chancen auf einen Aufstieg in den Technologieindex TecDax geben Analysten dem Hersteller digitaler Landkarten Tele Atlas.

Am Dienstag steht darüber hinaus der ISM-Index für das nichtverarbeitende Gewerbe in den USA auf dem Programm, gefolgt vom "Beige Book" der US-Notenbank am Mittwoch.

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