Der Chefwechsel treibt zwar den Kurs, doch Experten bleiben skeptisch
T-Aktie fehlt die Phantasie

Für Anleger ist es ein trauriges Jubiläum: Heute wird die Aktie der Deutschen Telekom zehn Jahre alt. Reich hat das Papier bisher kaum jemanden gemacht. Und auch für die nahe Zukunft sind Analysten skeptisch. Zumindest solange, wie auch der neue Chef René Obermann kein Patentrezept findet, um Preisverfall und Kundenschwund aufzuhalten. Einzig technische Analysten machen Anlegern Mut.

DÜSSELDORF. Das einst als Volksaktie angepriesene Papier erlebte zwar zu den Zeiten des Internetbooms 1999 einen Höhenrausch, der es bis auf 103 Euro katapultierte. Doch seit dem Platzen der Dotcom-Blase dümpelt die T-Aktie nahe ihrem Ausgabekurs von gut 14 Euro. Seit dem Rücktritt von Vorstandschef Kai-Uwe Ricke am vergangenen Montag stieg der Kurs zwar um knapp sechs Prozent. Doch Experten überzeugt der Führungswechsel nicht: Kein Analyst hat die Telekom anschließend auf „Kaufen“ hochgestuft. Unter denen, die ihre Empfehlungen änderten, hielten sich die „Halten“ und „Verkaufen“-Vorschläge die Waage. Solch eine schlechte Relation ist selten, da üblicherweise die Kaufempfehlungen überwiegen.

Ein Grund für die Skepsis der Experten: Analysten schätzen den Handlungsspielraum vom neuen Chef als sehr beschränkt ein. „Das Sanierungsprogramm, das Ricke erarbeitet hatte, ging in die richtige Richtung“, sagt Frank Rothauge von der Privatbank Sal. Oppenheim. „Es wird Obermann schwer fallen, da noch etwas drauf zu setzen.“

Vor allem beim größten Problem sind Obermann die Hände gebunden: Die Telekom hat zu viel Personal. Experten gehen davon aus, dass der Konzern auch mit der Hälfte ihrer 170 000 Mitarbeiter im Inland auskommen könnte. Ebenso wie Ricke kann aber auch Obermann nicht in großem Stil Mitarbeiter entlassen, weil der einstige Staatskonzern noch zahlreiche Beamte beschäftigt.

So düster die fundamentalen Aussichten bleiben, so dramatisch hellte sich in den vergangenen Wochen die technische Situation der T-Aktie auf. Denn bereits seit August läuft der Kurs rasant nach oben. „Inzwischen ist die Aktie sowohl aus dem kurzfristigen als auch längerfristigen Abwärtstrend nach oben ausgebrochen“, sagt Jörg Scherer von HSBC Trinkaus.

Technische Analysten lassen den fundamentalen Blickwinkel außen vor und konzentrieren sich auf den Kursverlauf. Die Idee: Kursmuster wiederholen sich, und viele Investoren orientieren sich an ihnen. Bei der Telekom lässt sich das in den letzten Wochen gut ablesen: Als der Kurs im August den Abwärtstrend noch einmal beschleunigte, zogen die Umsätze deutlich an. Zeitweise entfiel die Hälfte des gesamten Dax-Handels auf die T-Aktie. Anschließend stieg der Kurs deutlich. Charttechniker sprechen dabei von einem klassischen „Ausverkauf“, dem eine Erholung folgt.

Auffällig ist, dass sich die T-Aktie seit nunmehr drei Monaten unter hohen Umsätzen besser als der Dax entwickelt. Auch das lockt zusätzliche Käufer, die auf der Welle der Erfolgreichen mitreiten. „Kurzfristig läuft die Aktie in Richtung 14,55 Euro – dem alten Hoch vom Mai“, sagt Analyst Scherer.

Zu alten Höhen aus dem Jahr 2000 bleibt es aber immer noch ein weiter Weg. Konkret: 608 Prozent.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%