Der französische Einzelhandelskonzern leidet unter den schwachen Währungen in Südamerika und Asien
Carrefour-Aktie hat kaum noch Potenzial

Als der weltweit zweitgrößte Einzelhändler Carrefour Ende August seine Halbjahreszahlen vorlegte, zeigten sich die Experten überrascht. Umsatz und Gewinn fielen besser aus als erwartet, der Vorstand hob seine Erwartungen für das Gesamtjahr leicht an. Der Aktienkurs der Kaufhauskette mit fast 10 000 Filialen reagierte prompt und kletterte in die Nähe des 52-Wochen-Hochs.

Auch die Konkurrenz legte wider Erwarten gute Zahlen vor. Doch mittlerweile scheint die Begeisterung verflogen: Konjunkturdaten verheißen noch keinen anhaltenden Aufschwung, Währungsschwankungen vermiesen weiterhin die eigentlich gute Entwicklung in Schwellenländern in Südamerika und Asien. Die Folge: Viele Analysten erwarten zurzeit keine weiteren Kurssprünge von der Aktie und stufen den Wert mit „neutral“ oder „marketperform“ ein.

Ralph Breßler vom Bankhaus Lampe sieht vor allem den Verfall einzelner Währungen problematisch: „Auf Basis konstanter Wechselkurse ist der Umsatz in Lateinamerika im Vergleich zum ersten Halbjahr 2002 um 11,4 % gestiegen, die Wechselkurseinflüsse führten dagegen zu einem Einbruch von 27 %.“ Im Vergleich zur Konkurrenz wie Metro erweise sich die „Internationalität“ derzeit auf Grund des starken Euros und der Währungsunsicherheiten als Nachteil. Christian Schindler von der Landesbank Rheinland- Pfalz (LRP) sieht das trotz Rückschläge als Chance: „In aufstrebenden Märkten ist Carrefour präsent.“

In Asien und Amerika erwirtschaftet Carrefour bislang 15 % seines Umsatzes. Auf dem Heimatmarkt Frankreich steigerte der europäische Marktführer den Halbjahresumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 %, im restlichen Europa um 8,6 %.

Um auch auf dem Heimatmarkt den Umsatz weiter zu steigern, startete Carrefour Ende Mai in Frankreich das Bonusprogramm „Ticket Cash“. LRP-Experte Schindler hält große Stücke auf die Rabattaktion: Bereits nach wenigen Monaten zeichne sich „eine deutliche Umsatzsteigerung ab.“ Wenn die Gewinnmargen nicht eklatant leiden, entwickele sich die Idee zum Erfolg. Er nennt „Ticket Cash“ als Beispiel für einen Strategiewechsel: Der nach Wal-Mart zweitgrößte Einzelhändler versuche „verstärkt mit einer aggressiven Preispolitik seinen Umsatz zu verbessern“, sagt Schindler. Etwa die Hälfte der Erlöse entfallen auf Frankreich, ein weiteres Drittel auf das übrige Europa.

Der Umsatz im ersten Halbjahr 2003 betrug 37,45 Mrd. Euro – ein währungsbereinigtes Plus von 1,3 %. Der Gewinn ohne außergewöhnliche Einnahmen und nach Abschreibungen belief sich auf 472 Mill. Euro – 72 Mill. Euro mehr als im Vorjahr.

Breßler und Schindler stufen den Wert als „Marktperformer“ mit dem Kursziel 47 Euro ein. Lampe-Analyst Breßler sieht Carrefour von der Konjunkturkrise nicht so stark betroffen wie andere Einzelhändler: Die Lebensmittelsparte, in der Carrefour die größten Umsätze erzielt, werde von der Konjunkturflaute nicht so kräftig wie andere Einzelhandelsbranchen belastet.

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