Der größte Börsengang seit vier Jahren in London ähnelt einer Pokerpartie Online-Spielanbieter Partygaming verführt Investoren zum Spekulieren

Es lädt zum Kalauern ein: Der Börsengang des britischen Online-Spieleanbieters Partygaming hat sich selbst zu einer Poker-Partie entwickelt. Am 27. Juni soll die Firma mit Hilfe von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) in London an die Börse gehen. Doch um Preis und Risiken sind heftige Diskussionen entbrannt.
  • Felix Schönauer (Handelsblatt)

LONDON. Das größte IPO seit vier Jahren könnte die Firma mit bis zu fünf Milliarden Pfund (rd. 7,2 Mrd. Euro) bewerten. Damit würde der Poker-Anbieter sofort in den FTSE-100 aufrücken. Wenn Partygaming zu diesem Preis an den Markt geht, sind seine Gründer Ruth Parasol und Anurag Dikshit, die mit anderen Alteigentümern nach dem Börsengang noch drei Viertel der Aktien halten, auf einen Schlag Milliardäre. Das Investment birgt jedoch hohe Risiken. Experten bezweifeln, dass das Wachstum so rasant weiter geht wie bisher. Zudem könnte Partygaming in seinem wichtigsten Markt die Lizenz zum Spielen verlieren.

Partygaming bietet Bingo und Kasino im Internet an, die Haupteinnahmequelle ist aber das Pokerspiel. Die vor vier Jahren aufgebaute Seite Partypoker.com rufen 60 Prozent aller Spielwilligen im Netz auf. Zu den besten Zeiten mischt die Firma für mehr als 70 000 Spieler gleichzeitig. Starteinsätze unter einem Euro haben den Gewinn in den vergangenen drei Jahren raketenhaft ansteigen lassen: Nahm Partygaming vor drei Jahren knapp 5,8 Mill. Dollar (4,8 Mill. Euro) vor Steuern ein, waren es 2004 mehr als 370 Millionen. Für das nächste Jahr prognostiziert DrKW einen Gewinn von mehr als 500 Mill. Dollar.

Der gesamte Markt boomt. Bis 2009, schwärmt DrKW, könne das Volumen auf fast 23 Mrd. Dollar wachsen. Die Banker schöpfen ihren Optimismus aus der Euphorie der Verbraucher für Online-Spiele, neuen Distributionskanälen durch 3 G-Mobiltelephone sowie mehr Wachstum in Europa und Asien. Allzu optimistische Schätzungen ernten jedoch schnell Widerspruch. So stammen bislang die meisten Kunden von Partygaming aus den USA. Dort sagte das US-Justizministerium kürzlich, dass Online-Spiele Bundesrecht verletzen – und dass die Behörden Gesetzesübertreter zur Rechenschaft zieht. Zahlsysteme wie Visa und PayPal halten sich aus Angst vor juristischen Schritten von Glücksspiel-Seiten fern, die Suchmaschine Yahoo nimmt erst gar keine Werbung an.

Sollte sich die USA zum Durchgreifen entschließen, schreibt sogar die Dresdner im Börsenkatalog, „hätte das sehr ernsthafte Konsequenzen für die Gruppe und könnte zum Totalverlust bei den Investoren führen“. Amerikanische Rechts-Experten halten dagegen. Die juristische Lage sei ungeklärt. Dass der lange Arm des Gesetzes Partygaming erreicht, hält der Wirtschaftsrecht-Professor Joseph Kelly von der Universität Buffalo für „ebenso wahrscheinlich, wie vom Blitz getroffen zu werden“. Damit enthebt er potenzielle Investoren nur einer Sorge: Die Liste der Risiken im Prospekt umfasst auch ohne den regulatorischen Teil 17 Seiten. Sie reicht von der Konkurrenz bis zur kurzen Historie – die Gesellschaft begann 1997 mit dem Kasinogeschäft.

Zudem muss Partygaming stets neue Generationen von Poker-Spielern heranziehen. Und das scheint zuletzt nicht leicht gewesen zu sein. Von den im April 2004 neugewonnenen und zahlenden Kunden waren ein Jahr später mehr als zwei Drittel wieder abgesprungen. Auch haben sich die Einnahmen eines aktiven Spielers pro Tag merklich gesenkt.

Seitdem solche Nachrichten kursieren, drängen Fondsmanager nahezu täglich auf ein Absenken der Preisspanne. Dennoch hält es sie nicht davon ab, das Papier zu zeichnen. Das IPO ist nach Auskunft der Dresdner überzeichnet. Damit erübrigen sich die seit Wochen laufenden Gerüchte, Partygaming könne den Preis von 1,11 bis 1,27 Pfund je Aktie noch senken.

Dabei ist das Institut nicht der erste Anwärter auf die Börse: Beim börsennotierten Wettanbieter Sportingbet kommt das meiste Geschäft ebenfalls aus den USA, ebenso wie bei Bet-on-sports, die auch von London aus operieren. Auch diese Firmen wachsen bislang unbehelligt von den Regulatoren. „Der ganze Hype kommt doch nur daher, dass die Firma groß genug für den Aktienindex Footsie ist“, sagt Analyst Wayne Brown von Altium Securities. Dennoch bleibt Skepsis: Der vor einer Woche gelistete Poker-Anbieter Empire Online liegt unter dem Ausgabepreis. Damit dürfte klar sein, dass Partygaming einstweilen nur für alte Eigentümer einem Royal Flush ähnelt.

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