Der südafrikanische Rohstoffproduzent hat eine bemerkenswerte Rally hingelegt, die ihn in den DJ Stoxx 50 bringt
Anglo American gilt als zu teuer

Anglo American produziert für seine Aktionäre seit Monaten gute Nachrichten. Die in London gelisteten Aktien des zweitgrößten Rohstoff-Produzenten der Welt zogen seit Anfang Juli um gut 30 % auf knapp 1200 Pence an. Dank der hohen Marktkapitalisierung von mehr als 17,5 Mrd. Pfund (25 Mrd. €) steigt Anglo sogar ab dem 22. September in den Club der europäischen Blue Chips auf, in den Index DJ Stoxx-50.

LONDON. Auch im „wirklichen Leben“ geht es bei Anglo voran: Bei Vorlage der Halbjahreszahlen überraschte der Konzern die Analysten positiv. Trotz des Anstiegs des südafrikanischen Rand, der sich wegen vieler Produktionsstätten in Südafrika gleich in höheren Kosten niederschlägt, legte Anglo American beim (Netto-)Gewinn leicht zu. Dieser lag in den ersten sechs Monaten vor außergewöhnlichen Ereignissen und Goodwill bei 856 Mill. $. Der Umsatz der Südafrikaner mit Sitz in London stieg im ersten Halbjahr um mehr als ein Viertel auf gut 12 Mrd. $ (10,7 Mrd. €). Das positive Ergebnis kam vor allem durch die gute Entwicklung beim Diamantenproduzenten De Beers zu Stande, an dem Anglo 45 % hält

Südafrikas größter Konzern expandiert zudem nach Kräften. Etwa in Namibia, wo Anglo die Zinkmine Scorpion eröffnete, die einmal zu den Stätten mit den niedrigsten Produktionskosten gehören soll. Oder in Chile, wo die Gesellschaft die Kupfermine Disputada übernahm. Oder im Heimatmarkt Südafrika, wo die Wettbewerbsbehörde Anglo erst kürzlich eine Übernahme des Eisenerzförderer Kumba genehmigte, an dem Anglo schon jetzt mit 20 % beteiligt ist. Da passt es gut ins Bild, dass die Töchter gedeihen. Erst kürzlich ging die Fusion von Anglo Gold (51 % Anteil) mit dem Goldproduzenten Ashanti aus dem afrikanischen Ghana über die Bühne.

So viel Erfolg macht optimistisch: Vorstandschef Tony Trahar verschrieb seiner Firma ein 6 Mrd. $ schweres Expansionsprogramm, das vor allem die Jahresförderung der Tochter Anglo Platinum deutlich erhöhen soll. Das weitere Geld fließt zu Anglo Gold, in den Ausbau der Holz- und Papierverarbeitung an den jeweiligen Standorten sowie in eine neue Zementfabrik in Großbritannien.

Die Performance der Anglo-Aktien könnte also ihrem typischen Charakter einmal mehr gerecht werden. Titel aus dem Bergbau-Sektor gelten als frühzyklisch. Deutet sich ein konjunktureller Aufschwung an, legen die Papiere zu. Analysten warnen dennoch zur Vorsicht: Trotz positiver Nachrichten ist der Anstieg der vergangenen Monate gleichzeitig eines der größten Risiken für den Kurs. Denn die Aktie spiegelt momentan nach Ansicht von BNP Paribas-Analyst Charles Kernot die Aussicht auf eine schnelle Erholung der Weltwirtschaft wider. „Da ist viel Raum für Enttäuschungen“, sagt er, etwa wenn die Konjunktur nur schleppend anzieht. Kernot legt sein Kursziel deshalb deutlich unter dem aktuellen Wert fest, bei 1100 Pence. Ein anderer Analyst einer europäischen Bank schätzt den Kurs des Rohstoff-Produzenten mittlerweile als „vernünftig bewertet“ ein. Ihn sorgt allerdings die Frage, ob sich die Gold-, Platin und Diamantenpreise in Zukunft ebenso stark entwickeln wie in der Vergangenheit. Für Kernot spielt auch die südafrikanische Währung eine große Rolle. Ein zu starker Rand könnte Anglo American in größere Schwierigkeiten bringen als bisher.

Auch über den zukünftigen Expansionskurs der Gesellschaft zeigen sich die Beobachter vorsichtig: Es komme darauf an, dass das Management für Akquisitionen nicht zu viel bezahlt. Bei früheren Käufen – einem Anteil an der australischen Anaconda Nickel etwa oder der Übernahme der Mehrheit an Zambia Copper – habe das Management nach Meinung einiger Analysten kein allzu glückliches Händchen bewiesen. Die Skepsis ist jedoch nach Ansicht von Kernot übertrieben. „Das Management hat im Bereich Papier und Industrie-Mineralien gute Deals abgeliefert. Die Bilanz des Managements ist gemischt, wird aber schlechter beurteilt.“

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