Derivate
Eusipa kritisiert EU-Pläne für Anlegerinfos

Eusipa, der Europa-Verband für Derivate, ist besorgt über die EU-Pläne für einheitliche Anlegerinfos. Die Produktinformationen könne zu lang und unübersichtlich werden, so die Kritik. Auch drohten Schadensersatzklagen.
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FrankfurtDer europäische Derivate-Dachverband Eusipa hat die EU-Vorschläge für einheitliche Anlegerinformationen kritisiert. „Wir sind besorgt darüber, dass die vorgeschlagene Regulierung über die ursprüngliche Absicht hinausschießt“, sagte Thomas Wulf, Generalsekretär der European Structured Investment Products Association (Eusipa), am Montag. In der Form, wie die EU-Kommission sie beschrieben habe, könnten die Produktinformationen zu lang und unübersichtlich werden. Zudem bestehe die Gefahr ungerechtfertigter Schadenersatzklagen.

Mit ihrer Kritik bezieht sich die Eusipa auf einen Vorschlag der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlamentes vom 3. Juli 2012. Darin hatten die beiden Gremien beschrieben, wie sie sich die künftigen Key Investor Documents - kurz KIDs - vorstellen.

Diese Informationsblätter sollen Anleger in der EU in aller Kürze über Chancen und Risiken von Finanzprodukten informieren und damit Fehlinvestitionen vermeiden. EU-weit gibt es solche einheitlichen Dokumente bislang nur für Investmentfonds, und zwar seit Anfang Juli 2012. Nun soll die Idee auf andere Finanzprodukte für Privatanleger erweitert werden. Das Konzept ähnelt dem der Produktinformationsblätter („Beipackzettel“), die es auf deutscher Ebene seit Juli 2011 für verschiedene Finanzprodukte gibt.

Die Eusipa zeigt sich besorgt darüber, dass die KIDs nach den Vorstellungen von EU-Kommission und -Parlament zu kompliziert und mit Informationen überladen würden. Beispielsweise haben die EU-Gremien vorgeschlagen, dass die KIDs auch auf ökologische, ethische und soziale Aspekte der Produkte eingehen sollen. Die Eusipa verweist darauf, dass verschiedene nationale Derivateverbände schon seit einiger Zeit entsprechende Muster-Dokumente veröffentlichten, allen voran der Deutsche Derivate Verband (DDV). An diesen bereits existierenden Dokumenten solle sich die EU bei den KIDs orientieren.

Zudem wollen EU-Kommission und Parlament erreichen, dass die Beweislast bei Gerichtsverfahren wegen falscher Anlageberatung von den Anlegern auf die Anbieter übergeht, wie die Vorschläge vom 3. Juli zeigen. Demnach müssten bei Zertifikaten künftig die Emittenten beweisen, dass ihre KIDs nach den geltenden EU-Vorschriften verfasst wurden.

Der Anleger müsste lediglich klarmachen, dass ihm aufgrund der Informationen im KID ein Verlust entstanden ist. Dies könne dazu führen, dass Anleger ungerechtfertigter Weise Gerichtsprozesse anstrengen, teilte die Eusipa mit. Zudem bürde eine solche Regelung den Produktanbietern eine ungerechte Last auf.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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