Deutlich weniger eingenommen
Infineon floppt mit Qimonda

Es sollte ein fulminanter Börsengang werden: Der Halbleiterkonzern Infineon wollte einen Milliardenbetrag mit dem Börsengang seiner Speicherchiptochter Qimonda in New York erzielen. Doch die Investoren haben nicht angebissen. Das bringt Infineons Finanzplanung vollkommen durcheinander, denn das Geld war schon verplant.

HB NEW YORK. Infineon habe 546 Mill. Dollar (427 Mill. Euro) eingenommen, teilte eine Konsortialbank am Dienstag mit. Infineon wollte mit dem Börsengang eigentlich gut 1 Mrd. Euro einnehmen. Das Angebot sei auf 42 Mill. so genannte American Depositary Share (ADS) reduziert worden; eigentlich sollten 63 Mill. Stücke an die Börse gebracht werden. Sie seien für 13 Dollar pro Stück verkauft worden, hieß es. Geplant war ein Preis zwischen 16 und 18 Dollar. Zusätzlich gewähre Infineon eine Mehrzuteilungsoption von 6,3 Mill. ADS; hier sollten es ursprünglich 9,45 Mill. Stück sein.

Das Geld fließt vollständig Qimonda zu, Infineon bleibt auf seinen Qimonda-Aktien zunächst sitzen. Ursprünglich war geplant, zwei Drittel des Geldes über eine Kapitalerhöhung an Qimonda fließen zu lassen und den Rest an Infineon. Mit dem Geld wollte der Mutterkonzern unter anderem sein Dresdner Werk modernisieren; alleine dafür waren 100 Mill. Euro vorgesehen. Ein weiterer Teil des Erlöses sollte dem Prospekt zufolge in Forschung und Entwicklung fließen. Die Reduzierung der Aktienzahl reißt damit ein Loch in die Finanzplanungen der Muttergesellschaft. Infineon-Chef Wolfgang Ziebart will sich nach dem Börsengang von Qimonda erklärtermaßen zügig von der Mehrheit an der Tochter trennen.

Konsortialführer des Börsengangs sind Credit Suisse, JPMorgan und Citigroup. Mit im Boot sind aber auch Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank und ABN Amro. Die Institute hatten vorwiegend institutionellen Investoren die Aktien angeboten. Qimonda-Chef Kin Wah Loh begründete den herabgesetzten Preis mit den derzeit schwierigen Bedingungen auf dem Kapitalmarkt. „Wir sind auf ein schwieriges Marktumfeld gestoßen, in dem seit dem 1. Juli fast die Hälfte aller geplanten Börsengänge in den USA zurückgezogen wurden“, sagte er.

Analysten hatten den angepeilten Erlös bereits bei der Veröffentlichung der Spanne als überzogen kritisiert. Qimonda wagt den Schritt auf das Börsenparkett auf dem Höhepunkt des durch starke Schwankungen charakterisierten Speicherchipzyklus. Im vergangenen Quartal verbuchte das Unternehmen ein Betriebsergebnis von 100 Mill. Euro. Viele Branchenkenner gehen allerdings davon aus, dass die Preise und die Nachfrage nach Speicherchips in den nächsten Monaten sinken werden.

„Sie sind hinsichtlich des Marktwachstums auf der falschen Seite der Kurve“, sagte US-Analyst Francis Gaskins von IPO Desktop. „Angesichts dessen, was auf dem Markt passiert, können sie froh sein, dass sie die Emission überhaupt über die Bühne bekommen.“

In Qimonda hatte Infineon das Geschäft mit Speicherchips gebündelt. Die Münchener setzen künftig ganz auf so genannte Logikchips, die Rechenaufgaben etwa in Handys übernehmen. Gerade die Speicherchips hatten im abgelaufenen Quartal aber am meisten Gewinn gemacht, während die Logikchips enttäuschten.

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