Deutsche Bank Aktie
Der Mann, der drei Milliarden Euro wert ist

Er ist der Mann der Stunde: Der designierte Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan. Anleger sind über den Machtwechsel so beglückt, dass sie bei der Aktie zugreifen. Cryan treibt den Wert des Unternehmens deutlich.
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FrankfurtBitter aber wahr, keine Meldung aus der Ära von Anshu Jain, hat die Investoren in so einen spontanen Freudentaumel versetzt wie die Nachricht, dass der Co-Chef der Deutschen Bank seinen Rücktritt erklärt hat. Im Parketthandel am Montagmorgen schoss die Aktie bereits sieben Prozent in die Höhe. Im elektronischen Handel, der um neun Uhr startete, setzt sich die Kursrally fort. Dort steht die Aktie nun bei 29,70 Euro, ein Plus von 7,62 Prozent. Damit stieg der Marktwert des größten deutschen Kreditinstituts in ein paar Minuten um satte drei Milliarden Euro.

Viele Investoren setzen darauf, dass der designierte Vorstand John Cryan bei der Senkungen von Kosten mehr Erfolg hat als seine Vorgänger. „Schon bei UBS hat Cryan einen starken Fokus auf Kosten gelegt“, betonten die Analysten von Morgan Stanley am Montag. „Wir glauben, dass die Deutsche Bank an einem Wendepunkt steht“, erklärten die Experten von Citi. Der neue Vorstandschef sei hoch angesehen und könne es schaffen, die eingeschlagene Strategie besser umzusetzen und höhere Gewinne zu erzielen.

„Meiner Meinung nach ist das eine sehr große Chance für die Deutsche Bank, mit einem einzigen Schlag alle Diskussionen und Probleme zu beenden“, bringt Martin Stürner von der PEH Wertpapier AG die Stimmung auf den Punkt. „Wir als Vermögensverwalter halten Aktien der Deutschen Bank. Die Bank hat Potenzial, und die Aktie ist unterbewertet, handelt unter Buchwert. Wir denken über Zukäufe am Montag nach“, so Stürner.

Jain und sein Co-Kapitän Jürgen Fitschen hatten am Sonntag ihren Rücktritt erklärt, nachdem das Vertrauen in die Führungsspitze in den letzten Wochen erheblich gelitten hat. Unter Druck geriet das Duo vor allem nach der jüngsten Hauptversammlung, als die Aktionäre das schlechteste Vertrauenszeugnis in der Geschichte der Bank ausstellten. Nur 61 Prozent hatten die beiden Vorstandsvorsitzenden entlastet.

Der Aufsichtsrat unter Führung von Paul Achleitner kürte daraufhin John Cryan – den  mächtigsten Mann der Kapitalseite des Kontrollgremiums und Achleitner-Vertrauten – als Jains Nachfolger. Fitschen soll ihm noch ein Jahr zur Seite stehen, um einen geregelten Übergang zu gewährleisten. Jain erhält für denselben Zeitraum einen Beratervertrag.

Die Investoren reagieren erfreut auf den Personalwechsel. „Das zeigt, dass die Aktionärsdemokratie in solchen Extremfällen doch funktioniert“, sagte Hans Hirt, Manager der britischen Fondsgesellschaft Hermes EOS, dem Handelsblatt. Hermes, die auch als Aktionärsberater tätig sind, hatte der Vorstandsspitze auf der Hauptversammlung im vergangenen Monat das Vertrauen entzogen und damit entscheidend zu der Aktionärsrevolte beigetragen. Auch die Wahl von Cryan wird goutiert. „Da es schwierig wurde, jemanden von außen zu holen, könnte das die beste Lösung sein und gut bei den Investoren ankommen.“ Doch die Euphorie der Investoren könnte schon bald von der Realität eingeholt werden.

Denn mit dem Personalwechsel an der Spitze ist die Bank noch lange nicht all ihre Probleme los. „Es geht weniger um Köpfe als um die Geschäftsmodelle“, sagt  Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch. Die aktuellen Geschäftsmodelle der meisten europäischen Großbanken seien langfristig nicht tragfähig. So kämpft auch die Deutsche Bank mit ihrer Profitabilität. 87 Cent musste sie 2014 aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Als Ziel hat sie sich 65 Cent gesetzt.

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  • So eine Bank zu repräsentieren, erfordert wohl doch mehr Komepetenz, als die beiden Offiziere es gezeigt haben.

    Mal sehen, ob jetzt wieder ein Captain das Schiff lenkt.

    Aber mirt einer gewissen Freude stelle ich doch fest, sdass die tragen Säulen des IS.-USA Machtmonopols (GELD und Information in Verruf kommen. Frühzer hoch geschätzt, heute immer mehr verhasst.

    Ich freue mich, dass CERN derzeit das Internet erfunden hat.

  • Selten so einen dummen Spruch gehört...
    Jedem war doch klar, dass ein Wechsel an der Spitze der DBK an der Börse einen "erleicherungs" Sprung nach oben macht... Hätte anstelle John Cryan --- Donald Duck oder besser Dagobert Duck---gestanden, wäre das gleiche passiert...Die Deutsche Bank ist weder aus dem Schneider noch in stabilem Fahrwasser... Der Absturz der Bank ist vorprogrammiert...Also der 3 Mrd. Sprung der Aktien ist schnell wieder mit einem Minus vorne und was ist dann der Mann wert? Wer glaubt den im Ernst, dass sich mit dem Engländer Investmentbanker in der Unternehmenskultur was ändert? Vor allem mit Strippenzeher und Aufsichtsratboss Achtleitner wird sich die rasante Talfahrt und Geldvernichtungsmaschine DBK fortsetzen...Aktienkur 2007 136 heute 30, sprich aus 100.000 € Aktien wurden nur noch 22.000 €, sprich 78.000 € oder 78 % wurden verbrannt...!!!

  • Wer so naiv ist und glaubt, mit Herrn Cryan würde "der Bankier" als Gentleman wieder kommen, dem kann nicht geholfen werden.
    Ein brutaler Investmentbaker mit internationalen, insbesonders asiatischen, Lorbeeren gekrönt, wird die deutsche und internationale Bankenwelt nicht ändern, höchstens ein paar tausende Arbeitsstellen weg rationalisieren.
    Darauf trinken sicherlich einige mehrere Champagnerflaschen. Wohl bekommt`s!!

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