Deutsche Bank
Eine Aktie auf Achterbahnfahrt

Erstmals waren Papiere der Deutschen Bank am Freitag weniger als zehn Euro wert. Bankchef John Cryan war um Beruhigung bemüht. Am Nachmittag verhalf ein unbestätigtes Gerücht der Deutschen Bank zum Kurssprung.
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Düsseldorf/FrankfurtDie Leidensgeschichte der Deutschen Bank scheint kein Ende zu finden. Der Kurs ist am Freitag unter die kritische Marke von zehn Euro gestürzt – ein neues Allzeit-Tief für die Aktie, die in diesem Jahr bereits über die Hälfte an Wert verloren hat. Ausgelöst wurde der Kursrutsch durch die steigende Angst, dass Geschäftspartner das Vertrauen in die Deutsche Bank verlieren könnten. Einige Hedgefonds hatten nach den Turbulenzen der vergangenen Tage Kapital abgezogen.

In der Folge allerdings legte Deutschlands größtes Geldhaus eine einzige One-Man-Show aufs Börsenparkett. Mit einem Plus von siebeneinhalb Prozent war die Deutsche Bank mit Abstand Tagessieger im Dax. Die Papiere schlossen bei 11,70 Euro.

Ein unbestätigtes Gerücht verhalf dem Institut zu weiteren Kurssprüngen: Die Nachrichtenagentur AFP berichtete am Freitagnachmittag, dass die vom US-Justizministerium aufgrund von Trickserien auf dem US-Immobilienmarkt auferlegte Strafe von 14 Milliarden Dollar auf 5,4 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro) gesenkt wurde. Hierbei handelt es sich allerdings um Spekulationen. Eine Deutsche-Bank-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern.

Zu Handelsbeginn versuchte die Bank noch die angespannte Lage zu beruhigen. Vorstandschef John Cryan wandte sich am Morgen in einem Schreiben an seine Mitarbeiter: „Sie können in den Medien Spekulationen darüber lesen, dass uns einige wenige Hedgefonds-Kunden verlassen haben. Das sorgt zu Unrecht für weitere Unruhe. Wir sollten das einmal im Gesamtbild betrachten. Insgesamt hat die Deutsche Bank mehr als 20 Millionen Kunden.“ Weiter schreibt er: „Arbeiten Sie weiter wie bisher. Wir sind und bleiben eine starke Deutsche Bank.“

Die Bundesregierung lehnt einen Kommentar zur Lage nach wie vor ab. „Wir geben keinerlei Auskunft zu irgendwelchen Spekulationen über die Deutsche Bank“, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Freitagmittag. Auf die Frage, ob das Bundesfinanzministerium die Stabilität des deutschen Finanzsystems im Blick habe, sagte er, dies sei Aufgabe der zuständigen Aufsichtsbehörden. Eine Regierungssprecherin ergänzte, in einem Telefonat von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit US-Präsident Barack Obama sei die Bank kein Thema gewesen.

Der Vorsitzende des Hedgefonds-Geschäfts der Deutschen Bank, Barry Basuano, sagte dem Wirtschaftssender CNBC, dass es in jeder Woche Zu- und Abflüsse im Geschäft mit Hedgefonds gebe – diese Woche sei da keine Ausnahme.

Die deutliche Mehrheit der mehr als 200 Kunden, die Derivate über die Bank handeln, hat keine Veränderung vorgenommen. „Wir sind zuversichtlich, dass die meisten [unserer Kunden] Kenntnis haben von unserer stabilen Finanzposition, dem derzeitigen makroökonomischen Umfeld, dem Rechtsstreit in den USA und den Fortschritten, die wir mit unserer Strategie machen“, so ein Bank-Sprecher.

Einige Analysten halten die Reaktion der Märkte für übertrieben und sind um Beruhigung bemüht: Die Experten von Goldman Sachs verweisen auf die üppigen Liquiditätsreserven von 223 Milliarden Euro oder 20 Prozent der gesamten Bilanz. Die Schweizer Großbank Credit Suisse glaubt, dass die Investoren das Risiko überschätzen, dass Strafforderungen für dubiose Hypothekendeals in den USA die Bank finanziell überfordern könnten.

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Milliardenstrafe wiegt schwer

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  • "ein neues Allzeit-Tief für die Aktie" .... ob dies stimmt, hängt davon ab, wie man "Allzeit" und "die Aktie" definiert. Ich bin mir sicher, dass die Deutsche Bank in der Nachkriegszeit und die damaligen Anteile umgerechnet auf heutige (waren ja noch mit Nennwert 50 DM) deutlich niedriger als 10 Euro waren. Ob sich der Autor dessen bewusst ist?

  • Meiner Ansicht nach gilt das Motto "Too big to fail" nicht mehr.

    Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die ihren Höhepunkt 2008/2009 hatte, ist nie wirklich aufgearbeitet worden.

    Das Casino Royal ging fröhlich weiter, weil Realitätsverdränger (Politiker und Wirtschaftsführer) es so wollten.

    Die Realität wird diese Leute, leider aber auch uns "kleine Leute" schneller einholen als uns lieb sein kann.

    Wir sehen es ja jetzt schon: Commerzbank und Deutsche Bank entlassen Mitarbeiter in 1000er-Paketen.

    Es wird eine Phase langer Rezession wie in den 1930er Jahren folgen, denn weder Bernanke noch Draghi haben ein Konzept gegen die Krise.

    Vielleicht gibt es das auch gar nicht !!??

  • Ja, Ja alles fällt irgend wann auch der Herr Bader. Jetzt geht es aber um eine Bank,
    u.s.w. Desweiteren um eine versagende Aufsicht und warum das in den Staaten anders lief. Dort wurden massenhaft Banken geschlossen, die Pleite gehört dazu, denn dann wird Kapital vernichtet

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