Kursrutsch Deutsche-Bank-Aktie fällt unter zehn Euro

Erstmals waren Papiere der Deutschen Bank am Freitag weniger als zehn Euro wert. Bankchef John Cryan war um Beruhigung bemüht. Am Nachmittag verhalf ein unbestätigtes Gerücht der Deutschen Bank zum Kurssprung.
Update: 30.09.2016 - 17:51 Uhr 34 Kommentare
Anleger verlieren das Vertrauen in die Deutsche Bank. Quelle: dpa
Deutsche-Bank-Aktie

Anleger verlieren das Vertrauen in die Deutsche Bank.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/FrankfurtDie Leidensgeschichte der Deutschen Bank scheint kein Ende zu finden. Der Kurs ist am Freitag unter die kritische Marke von zehn Euro gestürzt – ein neues Allzeit-Tief für die Aktie, die in diesem Jahr bereits über die Hälfte an Wert verloren hat. Ausgelöst wurde der Kursrutsch durch die steigende Angst, dass Geschäftspartner das Vertrauen in die Deutsche Bank verlieren könnten. Einige Hedgefonds hatten nach den Turbulenzen der vergangenen Tage Kapital abgezogen.

In der Folge allerdings legte Deutschlands größtes Geldhaus eine einzige One-Man-Show aufs Börsenparkett. Mit einem Plus von siebeneinhalb Prozent war die Deutsche Bank mit Abstand Tagessieger im Dax. Die Papiere schlossen bei 11,70 Euro.

Ein unbestätigtes Gerücht verhalf dem Institut zu weiteren Kurssprüngen: Die Nachrichtenagentur AFP berichtete am Freitagnachmittag, dass die vom US-Justizministerium aufgrund von Trickserien auf dem US-Immobilienmarkt auferlegte Strafe von 14 Milliarden Dollar auf 5,4 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro) gesenkt wurde. Hierbei handelt es sich allerdings um Spekulationen. Eine Deutsche-Bank-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern.

Misstrauen wächst - Ex-Branchenprimus fällt unter 10 €

Zu Handelsbeginn versuchte die Bank noch die angespannte Lage zu beruhigen. Vorstandschef John Cryan wandte sich am Morgen in einem Schreiben an seine Mitarbeiter: „Sie können in den Medien Spekulationen darüber lesen, dass uns einige wenige Hedgefonds-Kunden verlassen haben. Das sorgt zu Unrecht für weitere Unruhe. Wir sollten das einmal im Gesamtbild betrachten. Insgesamt hat die Deutsche Bank mehr als 20 Millionen Kunden.“ Weiter schreibt er: „Arbeiten Sie weiter wie bisher. Wir sind und bleiben eine starke Deutsche Bank.“

Die Bundesregierung lehnt einen Kommentar zur Lage nach wie vor ab. „Wir geben keinerlei Auskunft zu irgendwelchen Spekulationen über die Deutsche Bank“, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Freitagmittag. Auf die Frage, ob das Bundesfinanzministerium die Stabilität des deutschen Finanzsystems im Blick habe, sagte er, dies sei Aufgabe der zuständigen Aufsichtsbehörden. Eine Regierungssprecherin ergänzte, in einem Telefonat von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit US-Präsident Barack Obama sei die Bank kein Thema gewesen.

Der Vorsitzende des Hedgefonds-Geschäfts der Deutschen Bank, Barry Basuano, sagte dem Wirtschaftssender CNBC, dass es in jeder Woche Zu- und Abflüsse im Geschäft mit Hedgefonds gebe – diese Woche sei da keine Ausnahme.

Die deutliche Mehrheit der mehr als 200 Kunden, die Derivate über die Bank handeln, hat keine Veränderung vorgenommen. „Wir sind zuversichtlich, dass die meisten [unserer Kunden] Kenntnis haben von unserer stabilen Finanzposition, dem derzeitigen makroökonomischen Umfeld, dem Rechtsstreit in den USA und den Fortschritten, die wir mit unserer Strategie machen“, so ein Bank-Sprecher.

Einige Analysten halten die Reaktion der Märkte für übertrieben und sind um Beruhigung bemüht: Die Experten von Goldman Sachs verweisen auf die üppigen Liquiditätsreserven von 223 Milliarden Euro oder 20 Prozent der gesamten Bilanz. Die Schweizer Großbank Credit Suisse glaubt, dass die Investoren das Risiko überschätzen, dass Strafforderungen für dubiose Hypothekendeals in den USA die Bank finanziell überfordern könnten.

Milliardenstrafe wiegt schwer
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Deutsche Bank - Eine Aktie auf Achterbahnfahrt

34 Kommentare zu "Deutsche Bank: Eine Aktie auf Achterbahnfahrt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "ein neues Allzeit-Tief für die Aktie" .... ob dies stimmt, hängt davon ab, wie man "Allzeit" und "die Aktie" definiert. Ich bin mir sicher, dass die Deutsche Bank in der Nachkriegszeit und die damaligen Anteile umgerechnet auf heutige (waren ja noch mit Nennwert 50 DM) deutlich niedriger als 10 Euro waren. Ob sich der Autor dessen bewusst ist?

  • Meiner Ansicht nach gilt das Motto "Too big to fail" nicht mehr.

    Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die ihren Höhepunkt 2008/2009 hatte, ist nie wirklich aufgearbeitet worden.

    Das Casino Royal ging fröhlich weiter, weil Realitätsverdränger (Politiker und Wirtschaftsführer) es so wollten.

    Die Realität wird diese Leute, leider aber auch uns "kleine Leute" schneller einholen als uns lieb sein kann.

    Wir sehen es ja jetzt schon: Commerzbank und Deutsche Bank entlassen Mitarbeiter in 1000er-Paketen.

    Es wird eine Phase langer Rezession wie in den 1930er Jahren folgen, denn weder Bernanke noch Draghi haben ein Konzept gegen die Krise.

    Vielleicht gibt es das auch gar nicht !!??

  • Ja, Ja alles fällt irgend wann auch der Herr Bader. Jetzt geht es aber um eine Bank,
    u.s.w. Desweiteren um eine versagende Aufsicht und warum das in den Staaten anders lief. Dort wurden massenhaft Banken geschlossen, die Pleite gehört dazu, denn dann wird Kapital vernichtet

  • Roland Baader: "Schlußendlich werden sie alle fallen, weil das gesamte System marode ist"

    https://www.youtube.com/watch?v=i8tcqRBn3D4

  • Adieu - es war nicht schön mit Dir !!

    Als Cryan vor Monaten über Solidität der Bank sprach, war das der Tipp für die "oberen Freund" ihr Geld so schnell wie möglich aus der Bank abzuziehen und ihre evtl. Aktien noch zu einem "guten" Kurs zu verkaufen. Der dumme Sparer und Kleinanleger hat es bis jetzt nicht verstanden - aber er wird verstehen.

    Diese Woche hat Cryan geliefert !!

    Ich glaube nicht, dass die Bank den Tag der Deutschen Einheit noch oft erleben wird.

    Die Bank wird fallen, Kunden und Aktionäre werden zahlen, Staat wird dann retten, Merkel wird die Wahl verlieren und Cryan & Co. werden sich zuprosten und lachen, dass andere die Zeche zahlen !!!

    Na, dann Prost !!

  • >> Die deutliche Mehrheit der mehr als 200 Kunden, die Derivate über die Bank handeln >>

    Dieses Handeln mit den TOXISCHEN DERIVATEN wird diesem Hause mit den Dilettantischen Chefs das Genick brechen !

    http://www.zerohedge.com/news/2014-04-28/elephant-room-deutsche-banks-75-trillion-derivatives-20-times-greater-german-gdp

  • @ ALLE:
    Nein, nein, nein. Ursache nicht erkannt, Thema verfehlt!
    Hätte man damals mit einer Rettung von Lehman die Krise vermeiden können?

    "Auf keinen Fall verhindern. Der Fall von Lehman Brothers war nicht die Ursache der Krise oder auch nicht eine Ursache der Krise, sondern ein Symptom - eines von vielen Symptomen. Und wenn man eine Bank gerettet hätte, hätte das überhaupt nichts an dessen Tatsache geändert, dass das Gesamtsystem marode ist, und dass es gar nicht darauf ankommt, wer zuerst fällt und wer als nächster oder letzter fällt. SCHLUSSENDLICH WERDEN SIE ALLE FALLEN, weil das gesamte System marode ist und nicht überlebensfähig." (Roland Baader, 1940- 2012)
    https://www.youtube.com/watch?v=i8tcqRBn3D4

  • Herr Hofmann
    Diese Bank betrügt und bekommt daher Strafen, somit wird Eigenkapital vernichtet.
    Herr v. Horn
    Es ist Sache der Bankenaufsicht die Bank von solchen Leuten zu schützen und eine normale Kapitalerhöhung sozialisiert gar nichts.

  • Alte jüdische Weißheit:
    Wenn die Leute glauben ,du hast Geld ,wirst du immer Geld haben .Wenn die Leute glauben du hast kein Geld ,kannst du noch so viel Geld haben ,irgendwann hast du keins mehr

  • @Baron v. Fink

    Vorschlag: sämtliche Boni und Aktienoptionspläne für Management und Belegschaft streichen und der Kurs erholt sich wieder. Es ist auch im Jahre 2016 a.d. ein Treppenwitz der Geschichte nach 2008, daß Staatshilfen im Raum stehen und gleichzeitig weiter fleissig Boni verteilt werden. DAS ist das langjährige, historische Problem der DB: Gewinne werden privatisiert und Verluste über Kapitalerhöhungen sozialisiert. Nur: das wird so nicht mehr funktionieren. Get real!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%