Deutsche Bank

Im freien Fall

Den Kurssturz der Deutschen Bank scheint nichts aufzuhalten. Sie leidet wie die gesamte Branche unter dem tiefen  Misstrauen der Investoren. Aber die Frankfurter haben noch ein paar Probleme mehr als die Konkurrenz.
Update: 03.02.2016 - 18:13 Uhr

Finger weg von Bankaktien!

Die Zahlen sind dramatisch. Seit Anfang dieses Jahres hat die Aktie der Deutschen Bank 35 Prozent ihres Wertes verloren. In den vergangenen sechs Monaten hat sich die Marktkapitalisierung mehr als halbiert, und allein am Mittwoch ging es noch einmal um 6,02 Prozent abwärts. Nachdem der Kurs die Marke von 15 Euro nach unten durchbrochen hatte, war die Aktie wie schon so oft in diesem Jahr wieder einmal der Verlierer im Dax, und ist inzwischen so billig wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise nicht mehr. Zeitweise rutschte die Aktie gar unter den bislang schlechtesten Schlusswert seiner Geschichte, der zuvor am 23. Januar 2009 bei 14,68 Euro erreicht wurde. Nach dem Mittwochshandel an der Frankfurter Börse ist die Aktie gerade einmal sechs Cent teurer.

Der einzige Trost, der dem neuen Vorstandschef der Bank John Cryan im Moment bleibt, ist, dass alle großen europäischen Banken einen rabenschwarzen Start ins neue Jahr erwischt haben. Egal ob UBS, Credit Suisse oder Barclays, überall stehen seit Anfang Januar Kursverluste von über 20 Prozent zu Buche. Fondsmanager Helmut Hipper von Union Investment fürchtet, dass sich am Misstrauen der Investoren gegenüber den Banken so schnell nichts ändern wird: „Die Aussichten bleiben eher schwierig“ , sagt er. Nach der Finanzkrise hätten die Geldhäuser die alten Profitabilitätsniveaus nicht mehr erreicht, und „jetzt kommen Befürchtungen auf, dass man das Beste schon wieder gesehen hat“. Der Experte sieht vor allem drei Gründe für die hohen Kursverluste: Die Angst vor einer empfindlichen Konjunkturabkühlung, die chronische Niedrigzinsphase und die Folgewirkungen des Ölpreisverfalls.

Dazu kommen bei der Deutschen Bank dann noch die hausgemachten Probleme. Die wurden gestern in einer Analystenstudie der französischen Investmentbank Exane BNP Paribas noch einmal schonungslos angesprochen. Analyst Amit Goel hält eine weitere Kapitalerhöhung beim größten deutschen Geldinstitut für immer wahrscheinlicher.

Sollte der geplante Verkauf der Postbank im laufenden Jahr nicht gelingen, dürfte die Bank wegen der hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten und Umstrukturierungen 2016 rote Zahlen schreiben, warnt Goel. Er stufte die Aktien deshalb von „Neutral“ auf „Underperform“ herab und senkte das Kursziel von 25 auf 17 Euro.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan hatte erst vor wenigen Tagen auf der Jahrespressekonferenz des Geldhauses versichert, dass die Bank kein frisches Kapital brauche, falls sie nicht von unvorhergesehenen Katastrophen getroffen werde. Allerdings ist Goel nicht der einzige Analyst, der fürchtet, dass Cryan die Aktionäre noch einmal zur Kasse bitten muss, auch die Experten der Citigroup sehen die akute Gefahr einer Kapitalerhöhung, nachdem Cryan einen für 2015 einen Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro melden musste und auch für 2016 ein Minus nicht ausschließen konnte.

Ein mieses Jahr für Bankaktien

DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005140008
Börse
Xetra

+0,05 +0,34%
+15,38€
Chart von DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Bank
1 von 12

5,2 Milliarden Euro Ausgaben für juristische Auseinandersetzungen, 6,8 Milliarden Euro Verlust in der Bilanz – 2015 war wahrlich kein gutes Jahr für die Deutsche Bank. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate hat die Aktie an der Frankfurter Börse ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. Fragt sich, ob ein Ende des Falles in Sicht ist: 2016 soll der Höhepunkt des Umbaus sein, sagte Cryan. Zudem drohen weiter Rechtsrisiken, etwa im Russland-Skandal.

Die Deutsche Bank ist allerdings nicht die einzige Bank, deren Aktie herbe Verluste einstecken muss. Der Stoxx Europe 600 Banks, der die Aktien europäischer Banken abbildet, ist ebenfalls stark gefallen: in den vergangen 52 Wochen um ein Fünftel.

Kursverlust seit dem 28. Januar 2015: 35,69 Prozent

Alle Daten Stand 28.01.2016.

COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000CBK1001
Börse
Xetra

+0,02 +0,12%
+13,36€
Chart von COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.
Commerzbank
2 von 12

Für den größten deutschen Konkurrenten der Deutschen Bank, die Commerzbank, läuft es ähnlich schlecht. Zuletzt rieten Analysten zum Verkauf der Aktie, weil sie kein klares Aufwärtspotenzial gebe. Dieses könnte vielleicht gehoben werden, wenn es der Bank gelingt, einen Nachfolger zu präsentieren – sowohl für den noch bis Oktober 2016 amtierenden CEO Martin Blessing als auch für den Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller, der spätestens 2018 ausscheiden wird.

Kursverlust seit dem 28. Januar 2015: 31,5 Prozent

Alle Daten Stand 28.01.2016.

GOLDMAN SACHS GROUP INC., THE REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US38141G1040
Börse
Xetra

0,00 0,00%
+207,00€
Chart von GOLDMAN SACHS GROUP INC., THE REGISTERED SHARES DL -,01
Goldman Sachs
3 von 12

Ende 2015 wurde die Investmentbank Goldman Sachs dann doch noch von den Rechtsstreitigkeiten eingeholt. Ein Vergleich wegen vermeintlichen Hypotheken-Betrugs kostete die Bank fünf Milliarden Dollar. Außerdem lief es im Anleihehandel zuletzt so schlecht wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Die Konsequenz: Der Nettogewinn im vierten Quartal 2015 brach um 72 Prozent ein.

Kursverlust seit dem 28. Januar 2015: 9,24 Prozent

Alle Daten Stand 28.01.2016.

MORGAN STANLEY REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US6174464486
Börse
Xetra

+1,00 +2,20%
+46,60€
Chart von MORGAN STANLEY REGISTERED SHARES DL -,01
Morgan Stanley
4 von 12

Die US-amerikanische Investmentbank Morgan Stanley wies für das Jahr 2015 prächtig gestiegen Gewinne aus. Ihr Vorteil im Vergleich etwa zu anderen Großbanken: Sie mussten keine Rechnungen aus teuren Rechtsstreitigkeiten begleichen. Das half der Aktie der Bank trotzdem nicht auf die Sprünge. In den vergangenen zwölf Monaten steht ein dickes Minus zu Buche.

Kursverlust seit dem 28. Januar 2015: 25,5 Prozent

Alle Daten Stand 28.01.2016.

HSBC HOLDINGS PLC REGISTERED SHARES DL -,50

WKN
ISIN
GB0005405286
Börse
Xetra

-0,01 -0,07%
+8,90€
Chart von HSBC HOLDINGS PLC REGISTERED SHARES DL -,50
HSBC
5 von 12

Auf ein maues Jahr blickt auch die britische Großbank HSBC zurück. Für etliche Mitarbeiter dürfte die Zukunftsperspektive nicht besser sein: Wegen diverser Altlasten und Strafzahlungen verkündete CEO Stuart Gulliver 2015 ein drastisches Sparprogramm. Bis zu 50.000 Stellen sollen bis 2017 wegfallen. Das entspricht etwa einem Fünftel der Mitarbeiter.

Kursverlust seit dem 28. Januar 2015: 26,9 Prozent

Alle Daten Stand 28.01.2016.

BANCO SANTANDER S.A. ACCIONES NOM. EO 0,50

WKN
ISIN
ES0113900J37
Börse
Xetra

+0,09 +1,50%
+5,97€
Chart von BANCO SANTANDER S.A. ACCIONES NOM. EO 0,50
Banco Santander
6 von 12

Strenge Auflagen für europäische Banken zur Eigenkapitalquote und hunderte Millionen Entschädigungen für britische Kunden hemmen die spanische Universalbank Santander. Im letzten Quartal des Jahres 2015 hat es den Gewinn der Bank fast aufgezehrt. Es blieben nur 25 Millionen Euro Gewinn übrig – ein Jahr zuvor waren es noch 1,46 Milliarden.

Kursverlust seit dem 28. Januar 2015: 33,87 Prozent

Alle Daten Stand 28.01.2016.

BARCLAYS PLC REGISTERED SHARES LS 0,25

WKN
ISIN
GB0031348658
Börse
Xetra

+0,05 +2,18%
+2,33€
Chart von BARCLAYS PLC REGISTERED SHARES LS 0,25
Barclays
7 von 12

Der Börsenwert von Barclays ist in den vergangenen zwölf Monaten um ein Viertel eingebrochen. So hat sich die britische Großbank das sicher nicht vorgestellt. Doch auch sie steht wie die anderen Finanzinstituten vor den Herausforderungen strengerer Auflagen durch die Bankenaufsicht. Barclays hat sich selbst ein strenges Sparprogramm auferlegt, bei dem bis 2017 30.000 Stellen gestrichen werden sollen.

Kursverlust seit dem 28. Januar 2015: 24,68 Prozent

Alle Daten Stand 28.01.2016.

Zur mangelnden Attraktivität der Deutschen-Bank-Aktie trägt auch bei, dass Cryan die Dividende für 2015 und 2016 bereits gestrichen hat. Exane-Analyst Goel fürchtet sogar, dass die Bank erst 2018 wieder Geld an die Aktionäre ausschütten wird.

Inzwischen schlagen die Risiken der Deutschen Bank auch auf den Anleihemarkt durch. Am Markt für Credit Default Swaps (CDS), mit denen sich die Investoren gegen den Ausfall von Anleihen absichern können, sind die Risikoprämien für das Frankfurter Geldhaus, seit Mitte  Januar um rund 60 Prozent gestiegen. Auf diesem Risikoniveau wurden die CDS zuletzt Mitte 2012 gehandelt.

Investoren, die sich für fünf Jahre gegen Kreditausfälle bei der Deutschen Bank absichern wollen, müssen dafür inzwischen 1,6 Prozent der zu versichernden Summe als Prämie zahlen. Zu Beginn des neuen Jahres war es nur ein Prozent.

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