Deutsche Bank und Citigroup Konsortialführer
Vneshtorgbank steuert Börsengang an

Die staatliche russische Vneshtorgbank will im nächsten Jahr Aktien im Volumen von zwei Mrd. Dollar platzieren. Das wäre der bislang größte russische Börsengang (IPO). Konsortialführer werden Deutsche Bank und Citigroup sein.

HB/Bloomberg MOSKAU. Noch wartet die zweitgrößte Bank Russlands auf die staatliche Genehmigung. Mit dem IPO will sich die Bank gegen die ausländische Konkurrenz behaupten und ihr Filialnetz erweitern. Die Bank möchte ihren Marktanteil im Einlagengeschäft von aktuell 2,6 Prozent auf rund zehn Prozent bis 2009 ausweiten. Andrej Kostin, Vorstandschef der Vneshtorgbank, will am Dienstag mit Citigroup-Chairman Sanford Weill und Vorstandschef Charles Prince in New York zusammentreffen, um über die Platzierung von zehn bis 20 Prozent der Bank zu beraten.

Russland verhandelt derzeit über den Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO, und ein Beitritt würde mehr ausländische Konkurrenz erlauben, sagte Kostin. „Wenn ich mir die Bankenbranche in Mittel- und Osteuropa anschaue, sind die einheimischen Institute verschwunden“, sagte er. „Die Mehrzahl ist von großen europäischen Banken aufgekauft worden.“ In Polen kontrollierten ausländische Banken rund 60 Prozent des Bankensystems, angeführt von der HVB Group und Unicredito Italiano. Auch für das russische Institut gibt es Interesse: Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Osteuropabank), einer der größten Investoren in Osteuropa, verhandelt seit mindestens vier Jahren mit der russischen Regierung über eine Beteiligung an Vneshtorgbank.

Im Gefolge der russischen Finanzkrise 1998 brachen die meisten privaten russischen Banken zusammen. Das löste eine Abwanderung der Sparer zur staatlichen Sparkasse OAO Sberbank aus, die inzwischen rund 63 Prozent der russischen Einlagen verwaltet. Zahlreiche Russen transferierten auch Gelder ins Ausland oder hielten ihre Ersparnisse bar in Dollar.

Der Erfolg des Vneshtorgbank-IPOs hänge davon ab, ob die Bank weiter Kunden im Einlagengeschäft gewinnen und ihr Privatkundengeschäft ausbauen kann, sagt Branchenanalyst Andrew Keeley von Renaissance Capital in Moskau. In der letzten Woche ernannte Vneshtorgbank den ehemaligen russischen Finanzminister Michail Sadornow zum Vorstandschef der Privatkundensparte VTB 24. Diese Bank, die offiziell am 1. August startet, werde sich auf Privatkunden und kleine Geschäftsleute konzentrieren und auch Hypotheken- und Verbraucherkredite anbieten, sagt Kostin.

„Vneshtorgbank will ganz offenbar der Sberbank Konkurrenz machen“, kommentiert Eric Kraus, geschäftsführender Direktor und Chefstratege bei der Investmentbank Sovlink LLC in Moskau. „Wer sein Konto bei einer ausländischen Bank hat, wird nicht zu VTB wechseln, aber für Sberbank könnte das eine ernste Konkurrenz werden.“ Im letzten Jahr hatte Vneshtorgbank den Privatkundenbereich durch den Kauf der insolventen Guta Bank erweitert.

Bei der Genehmigung des IPO dürften auch Bedenken der Regierung über die Position der Vneshtorgbank als Kreditgeber für die russische Rüstungsindustrie eine Rolle spielen, erläutert Keeley. „Vneshtorgbank hat viele strategische Investoren und Unternehmen unter ihren Kunden“, sagt er. „Wenn ihre Identität offengelegt werden muss, gibt es ein Problem.“

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