Deutsche Bank wieder gefragt
Kursfeuerwerk bei Bankaktien

Die Sorgen über einen möglichen Brexit schwinden an den europäischen Börsen. Anleger gehen wieder ins Risiko. Bankaktien legen kräftig zu, allen voran die Papiere der Deutschen Bank.

Wer derzeit seine Geldanlage regeln möchte, schaut am besten vorher mal im Wettbüro vorbei. Bei den britischen Buchmachern erhalten Anleger derzeit wohl den besten Eindruck, wohin die Kurse laufen. Der britische Anbieter Betfair schätzt die Wahrscheinlichkeit eines britischen EU-Verbleibs jetzt auf 74,6 Prozent, nach 60 bis 67 Prozent am Freitag.

Diese Einschätzung liegt im Trend. Die Wettbüros meldeten nach dem Attentat auf die Labour-Abgeordnete Jo Cox am Wochenende eine Wende: Im Schnitt sei die Zahl der der Brexit-Befürworter von 44 Prozent auf 31 Prozent gefallen. Auch der Trend bei Online- und Telefonbefragungen spreche derzeit klar für einen Verbleib, sagte ein Händler. Damit könnten Absicherungen etwas zurückgefahren werden und die Risikoscheu nehme ab.

„Wir sehen eine Bewegung hin zum Risiko nach den letzten Brexit-Umfragen”, sagt Niv Dagan von Peak Asset Management in Melbourne. „Es könnte eine kurzfristige Entwicklung sein, die Volatilität dürfte bis zur Wahl am Donnerstag hoch bleiben”.

Die Profiteure waren Bankaktien. Die Finanzinstitute wären am härtesten von einem möglichen Brexit betroffen. Tagessieger im Dax ist derzeit die Deutsche Bank, in der Spitze legte die Aktie mehr als sechs Prozent zu.
Erst am vergangenen Donnerstag markierten die Titel ein Allzeittief mit 12,78 Euro. Die Analysten von Warburg Research hatten in der vergangenen Woche noch das Kursziel für die Aktie um 40 Prozent auf 12,70 Euro gesenkt und erklärt, der Ausblick für die Einnahmen im zweiten Quartal sehe nicht gut aus. Im laufenden Jahr verloren die Papiere knapp 40 Prozent.

Unter den zehn größten Gewinnern im Euro Stoxx50 waren sieben Finanzwerte. UniCredit, BNP Paribas, Intesa Sanpaolo und ING gewannen bis zu fünf Prozent. Der europäische Bankenindex stieg um bis zu 4,8 Prozent auf den höchsten Stand seit zehn Tagen.

Ein Comeback feierten auch die Titel der Commerzbank, die in der Spitze 4,70 Prozent zulegen konnten. Seit Jahresanfang beträgt das Minus aber immer noch knapp 30 Prozent. Bankaktien litten in der vergangenen Woche besonders unter den Brexit-Sorgen und auch der freie Fall der Anleiherenditen im Zuge der Unsicherheiten an den Märkten hatte der Branche kräftig zugesetzt.

„Die Brexit-Ängste lassen etwas nach, und der Markt war ein bisschen überverkauft“, sagte Thorsten Engelmann, Händler bei der Equinet Bank in Frankfurt. „Selbst wenn es zu einem Brexit kommt, bedeuten die großen Verluste der letzten Tage, dass immer noch genügend Besorgnis eingepreist ist.“

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur
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