Deutsche Telekom
T-Aktie enttäuscht die Anleger

Die Deutsche Telekom schließt seinen ersten großen Aktienrückkauf ab. Das Kaufprogramm war aber zu klein, um den Kurs zu beflügeln. Warum kauft die Telekom dennoch ihre Aktien zurück?
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Egal, was die Telekom auch macht, nichts scheint geeignet, den Kurs der Aktie zu stützen. Auch nicht das erste Aktien-Rückkaufprogramm in der Geschichte der Telekom. Gestern hat der Konzern das Programm abgeschlossen. Der deutsche Marktführer hat seit Ende September 40 Millionen eigene Aktien im Wert von rund 400 Millionen Euro zurückgekauft.

Solche Käufe dienen oft der Kurspflege, da das bestehende Angebot an Aktien auf dem Markt verknappt wird. Zudem steigt dadurch der Gewinn je Aktie – diese Kennziffer ist eine wichtige Größe für Investoren.

Bei der Deutschen Telekom dagegen passiert gar nichts. Die Aktie kostet derzeit knapp zehn Euro. Anfang November waren es noch 50 Cent mehr. Und das, obwohl der Dax in den vergangenen Monaten eine wahre Rallye hingelegt hat und derzeit bei rund 7000 Punkten steht.

Was also ist los in Bonn? „Das Rückkaufprogramm alleine konnte dem Kurs nicht auf die Sprünge helfen, weil es dafür viel zu klein war“, sagt Wolfgang Specht, Analyst bei der WestLB. Die 400 Millionen Euro entsprechen gerade einmal 0,9 Prozent des Grundkapitals der Telekom. Andere Unternehmen kaufen für fünf oder zehn Prozent ihres Kapitals eigene Papiere.

Dies gilt vor allem für Unternehmen aus reifen und wachstumsschwachen Branchen wie der Telekommunikation oder Versorgern. Da ihnen eigenes Wachstumspotential fehlt, müssen sie ihre Anleger mit anderen Instrumenten ködern.

Auch die Telekom will in den kommenden zwei Jahren nachlegen und weiter eigene Aktien kaufen, erklärte ein Sprecher gestern. Allerdings wird der Umfang pro Jahr wieder bei maximal 400 Millionen Euro liegen. Mehr geht nicht, weil die Telekom sich für die Jahre 2010 bis 2012 verpflichtet hat, jeweils insgesamt 3,4 Milliarden Euro für die Dividendenzahlung und Rückkäufe auszugeben. Gleichzeitig hat sie ihren Anlegern eine Dividende von mindestens 70 Cent je Aktie versprochen. Um diese Minimal-Ausschüttung zahlen zu können, dürfen die Rückkäufe 400 Millionen nicht übersteigen.

Das bedeutet: Auch die künftigen Rückkäufe werden der T-Aktie nicht helfen. Dann stellt sich aber die Frage, wieso die Telekom überhaupt zu diesem Mittel greift und ihre Anleger nicht einfach mit einer höheren Dividende an sich bindet – für 2009 zahlte der Konzern noch 78 Cent je Aktie. Offiziell erklärt die Telekom, die Käufe seien ein Bekenntnis zur T-Aktie und ein Zeichen dafür, dass der Konzern sie für „attraktiv bewertet“ hält. Es gibt aber auch eine inoffizielle Erklärung: Je weniger Aktien im Umlauf sind, desto weniger Bares muss die Telekom jährlich als Dividende auszahlen.

Grundlage für die Dividendenzahlung ist der Barmittelüberschuss (Free Cash Flow). Bereits für dieses Jahr hat Telekom-Chef René Obermann einen Free Cash Flow in Aussicht gestellt, der unter dem Niveau von 2009 liegt. Da kann es nicht schaden, vorsorglich die Zahl der dividendenpflichtigen Aktien zu reduzieren.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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