Deutscher Aktienmarkt
Indexprognosen werden vorsichtiger

Auch nach fast vier Jahren Kursanstieg sind Aktien attraktiv, aber die Impulse für die Hausse werden nach Meinung fundamentaler Analysten allmählich schwächer. In den bisher vorliegenden Prognosen für das kommende Börsenjahr schlagen die Banken relativ verhaltene Töne an.

FRANKFURT. „Der Aktienmarkt hat noch moderates Potenzial, aber die Risiken steigen“, sagt Wolfgang Sawazki, Geschäftsführer von Oppenheim Research. Die Indexprognosen der Aktienstrategen spiegeln die wachsende Vorsicht wieder. Für den Deutschen Aktienindex (Dax) etwa sehen vorsichtige Schätzungen nur noch einstellige Kursgewinne voraus (siehe Tabelle).

Für Zurückhaltung sorgen vor allem die eingetrübten Wachstumsaussichten in den USA. „Die Vereinigten Staaten werden 2007 nicht mehr die Konjunkturlokomotive sein“, sagt Holger Fahrinkrug, Leiter des Researchs der WestLB. Sorgen bereitet ihm vor allem der amerikanische Immobilienmarkt. Allerdings scheiden sich an der US-Konjunktur ein wenig die Geister. Andreas Utermann, Chef-Anlagestratege bei Allianz Global Investors, erwartet aus den USA positive Überraschungen. Dem Gefühl des US-Konsumenten, wegen der gesunkenen Hauspreise weniger reich zu sein, stehe gegenüber, dass der Konsument dank des gesunkenen Ölpreises deutlich mehr Geld in der Tasche hat, meint Utermann.

Optimistisch ist Utermann auch für die deutsche Konjunktur. Die Wirkung der Mehrwertsteuererhöhung werde überschätzt, sagt er – eine Meinung, die viele Analysten teilen. Im Schnitt erwarten sie für Deutschland für das nächste Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,5 bis zwei Prozent.

Höher dürfte die Gewinnsteigerungen der deutschen Unternehmen ausfallen, allerdings erwartet die WestLB hier erste Bremsspuren: „Das Potenzial, Gewinne durch Restrukturierungen zu erzielen lässt nach, gleichzeitig erwarten wir einen steigenden Lohndruck“, sagt Martin Gilles, der die Anlagestrategie der Düsseldorfer Landesbank leitet. Er rät Anlegern daher zu Aktien von Unternehmen mit nachhaltigem Gewinnwachstum auch in konjunkturellen Schwächephasen. Zu ihren Favoriten zählt die WestLB unter anderen die Titel von Linde, Dexia, Generali und DSM.

Nach Meinung von Matthias Jörss, Leiter der Aktienstrategie bei Sal. Oppenheim, wird der Einzeltitelauswahl im kommenden Jahr generell wieder mehr Bedeutung zukommen: „2007 wird kein Jahr, indem man schlicht mit den Indizes investieren kann, 2007 wird ein Jahr für aktives Stock-Picking.“ Potenzial sieht er vor allem in den Bereichen Technologie – allerdings nicht bei Chipherstellern –, Industrie und Versicherer.

Zu Versicherungsaktien raten auch die Experten der BHF-Bank, außerdem sehen sie Chancen bei Bau- und Rohstoffwerten. Aktienstratege Roland Ziegler begründet seinen Optimismus für die Börsen vor allem mit der nach wie vor hohen Liquidität und der deutlich größeren Attraktivität von Aktien gegenüber Renten. Gerade deutsche Titel hält er für günstig bewertet und sieht den Dax Ende 2007 bei 7 100 Punkten.

Allerdings gehen die Meinungen in Sachen Bewertung inzwischen auseinander: Während Postbank-Chefvolkswirt deutsche Aktien im Moment für „kaum teurer als in der Flaute 2003“ hält, finden die Experten der Bank Sal. Oppenheim sie auf Cash-Basis nicht mehr niedrig. Und auch bei der WestLB heißt es: „Die Bewertungslücke ist weitgehend geschlossen.“

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