Deutscher Online-Anbieter Tipp24 zunächst kaum gefragt
Viele Glücksspiel-Aktien enttäuschen die Investoren

Die Börseneuphorie um Online-Glücksspielfirmen hat gestern erneut einen Dämpfer erlitten. Das Online-Lotto-Unternehmen Tipp24 legte ein wenig glanzvolles Börsendebüt hin. Die Aktien rutschten zeitweise deutlich unter ihren Zuteilungspreis, erholten sich aber später.

HB/Bloomberg NEW YORK. Zum Handelsschluss lagen die Papiere sogar leicht im Plus, was Analysten aber angesichts der hohen Erwartungen als enttäuschend bezeichneten.

Generell ist nach Meinung von Experten der Höhenflug der Aktien von Internet-Glücksspielbetreibern vorbei. Bei den Investoren liegen die Nerven inzwischen blank. Sie machen sich Sorgen über die Wachstumsperspektiven und den Wettbewerbsdruck in der Branche. Der Merrill Lynch Internetgaming-Index ist 15 Prozent abgesackt, seit Party Gaming, das weltgrößte Online-Poker-Portal, am 6. September berichtete, sein Umsatzwachstum schwäche sich ab. Die Aktien des in Gibraltar beheimateten Unternehmens notieren derzeit unter dem Börseneinführungspreis vom 6. September.

Das gleiche gilt für die Wettbewerber Empire Online und 888 Holdings. Die Titel von Empire Online haben seit dem Börsendebüt im Juni 16 Prozent verloren und schlossen am Montag auf einem Rekordtief von 102 Pence. Der Börseneinführungspreis lag bei 175 Pence. Der weltgrößte Betreiber von Internet-Kasinos 888 hatte den Aktienkurs bei seinem Börsengang zwar am unteren Ende der Preisspanne angesetzt, trotzdem hat die Aktie seither ein Fünftel an Wert verloren.

Vor kurzem sah es noch ganz anders aus: Da standen die Investoren noch Schlange, um Aktien der Online-Glücksspielanbieter zu erwerben. Mittlerweile sind sie vorsichtiger geworden, nachdem immer mehr Gesellschaften aus der Branche den Sprung aufs Börsenparkett anpeilen und der Branche ein schwächeres Wachstum vorausgesagt wird. „Das ist ein Segment, in dem die Investoren sehr nervös werden“, sagt Jane Coffey, Leiterin weltweite Aktien bei Royal London Asset Management in London. „Es gibt nicht sehr viel Transparenz, woher die Erträge kommen.“

Mindestens zehn Internet-Glücksspielbetreiber, die alles Mögliche von Online-Poker bis Sportwetten im Angebot haben, sind seit April 2004 an die Börse gegangen, zeigen Bloomberg-Daten. Mindestens zwei weitere hegen noch Börsenpläne. Crystal Gaming, Betreiber von Online-Casinos in Südamerika und den USA, strebe bis Ende des Jahres ein IPO in Großbritannien an, erklärte Sprecherin Emma Kane. Betfair, das weltgrößte Internet-Wettportal, erwägt ebenfalls ein Börsendebüt.

Einige Investoren zeigen sich skeptisch, ob die Rechnung der Glücksspielbetreiber aufgeht. „Das Börsendebüt von 888 hat gezeigt, dass der Markt die zunehmende Flut dieser Börsenneulinge nicht mehr aufnehmen kann“, berichtet Andrew Crossley, Fondsmanager bei Invesco Ltd. in London. Mit dem „Zocken“ im Internet wurden im letzten Jahr Einnahmen von 8,2 Mrd. Dollar erzielt. Das sind drei Prozent des weltweiten Wettspielmarktes, der auf ein Volumen von 243 Mrd. Dollar kommt, berichtet die Analysegesellschaft Christiansen Capital Advisors. Doch die Wachstumsraten bei Online-Poker werden sich 2006 und 2007 auf 60 Prozent beziehungsweise 30 Prozent verlangsamen, nachdem sie sich dieses Jahr noch verdoppeln, erwartet Christiansen.

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