Deutsches Aktieninstitut
Institut will gegen schlechten Ruf der Aktien kämpfen

Viele Deutsche lassen von Aktien lieber die Finger. Mehr Information soll nach dem Willen der Politik das Vertrauen stärken. Die Chefin des Deutschen Aktieninstituts jedoch meint, das schieße bisweilen übers Ziel hinaus.
  • 10

Frankfurt/BerlinDie Chefin des Deutschen Aktieninstituts, Christine Bortenlänger, führt das schlechte Image der Aktie in Deutschland auch auf falsche politische Weichenstellungen zurück. Bei Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will sich Bortenlänger für ein Umdenken stark machen. „Wir wollen uns gemeinsam mit den Sparkassen bei Frau Aigner dafür einsetzen, dass der Wahnsinn mit den Produktinformationsblättern zurückgeführt wird“, sagte Bortenlänger der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt.

„Berater sollen wieder in die Lage versetzt werden, über die Aktie zu beraten. Das geht nicht, wenn für jede einzelne Aktie ein Produktinformationsblatt gefordert wird. Sinnvoller wäre ein Infoblatt für das Produkt Aktie“, sagte die langjährige Chefin der Münchner Börse, die seit 1. September geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Aktieninstituts (DAI) in Frankfurt ist. Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon hatte erklärt, er wolle sich für eine „gesunde, kluge Aktienkultur“ in Deutschland einsetzen.

Ein Sprecher des Ministeriums entgegnete: „Es ist ein Irrtum zu glauben, weniger Information führe zu mehr Vertrauen. Die Verbraucher haben einen Anspruch auf volle Transparenz. Deshalb ist es wichtig und richtig, dass es die Produktinformationen gibt.“

Seit gut einem Jahr sind die Beipackzettel Pflicht, die Funktionsweise, Risiken und Kosten von Finanzprodukten kompakt zusammenfassen. Nachbesserungsbedarf sieht auch Ministerium: Zu viele der Infoblätter seien nicht so verständlich und vergleichbar wie verlangt. In einem gemeinsamen Arbeitskreis wird nun nachgebessert.

Dass Aktien für viele Deutsche ein rotes Tuch und Börsen als Zockermärkte verschrien sind, erklärt Bortenlänger zudem mit fehlender Aufklärung über Finanzthemen: „Wir haben das in Deutschland nie richtig gelernt. Oft fehlt schon die Basis, wie man mit Geld umgeht. Ökonomische Bildung sollte in der Grundschule beginnen.“

Die 45-Jährige, die sich schon als Jugendliche für das Geschehen auf dem Börsenparkett begeistern ließ, wirbt: „Wer einen Siemens-Kühlschrank kauft, Apple-Produkte mag oder gerne BMW fährt, kann guten Gewissens auch Geld in solche Unternehmen investieren.“ Langfristig gesehen schlage die Aktie die meisten anderen Anlageformen: „Die Aktie ist in einer Niedrigzinsphase, wie wir sie aktuell erleben, das einzige Papier, das mindestens Vermögenserhalt und zusätzlich Rendite verspricht.“

Die Euro-Schuldenkrise trieb viele Anleger in Deutschland zurück in Aktien als Sachwerte: Im ersten Halbjahr 2012 steckten nach Zahlen des DAI durchschnittlich 10,2 Millionen Anleger Geld in Aktien und/ oder Aktienfonds. Das waren 1,9 Millionen mehr als ein Jahr zuvor und 1,5 Millionen mehr als Ende 2011. Ein stärkeres Plus gab es zuletzt im Jahr 2000, als die vermeintliche „Volksaktie“ Telekom die Massen lockte. Weit entfernt sind jedoch weiterhin sowohl die deutschen Aktionärszahlen zu Zeiten des Börsenbooms 2001 (fast 13 Millionen) als auch die Aktionärsquoten angelsächsischer Länder.

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutsches Aktieninstitut: Institut will gegen schlechten Ruf der Aktien kämpfen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mit der Verdoppelung der Steuern auf Dividenden durch Abschaffung des Halbwertverfahrens und Einführung zusätzlicher Abgeltungssteuer selbst auf Kursgewinne sowie dem Verbot der Verrechung mit Verlusten und dem Verbot der Absetzung von Aufwand (abgesehen von 50 Euro/Jahr die nicht mal für online Kosten langen) hat doch unser Kanzlerkandidat Steinbrück zusammen mit CDU-Koch das zarte deutsche Aktienkulturpflänzchen rabiat zertreten. Seitdem gilt in Deutschland für Privatleute und Wähler 100% Kursrisiko bei nur noch 70% Kurschance. Ganz anders sieht dies freilich für bestens bezahlende Bankzuhörerschaft aus, die von solcherlei unbilliger Steuer in Deutschland selbstverständlich befreit sind.
    Nein, Aktien als in Deutschland lebende Privatleute, das war einmal und kommt nicht zurück.

  • Ich bin seit vielen Jahren dabei und stelle fest, dass die Börse immer mehr zur Zockerbude verkommt. Man kann sich weder auf Fundamentaldaten noch auf Chartanalysen verlassen. Das hat folgende Gründe:

    (1) Die Börse wird mehr als sonst durch Einflüsse der Politik (indirekt) beeinflusst: Geldüberflutung durch EZB, FED, Ängste wegen Euro-Krise...

    (2) Durch den Hochfrequenzhandel werden Kurse in die eine oder andere Richtung gedrückt. Der ehrliche Aktienhändler hat dagegen keine Chance

    (3) Die Zahl der Investoren nimmt ab, die der Spekulanten zu. Durch Leerverkäufe verstärken sie Kursrückgange und lösen dadurch eine Abwärtsdynamik aus, die kaum noch zu stoppen ist. Man sieht das an Aktien, die entgegen dem allg. Trend monatelang im Abwärtstrend sind, obwohl es keine neuen negativen Nachrichten gibt.

  • Wie soll man als Privatanleger gegen die horrenden Kosten für Transaktionen und das High Frequency Algo-Trading ankommen.

    Da wird man immer Sparschaf sein, welches von den Pros geschoren wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%