Deutschlands größter Autovermieter bekommt Kosten in den Griff
Analysten sehen Sixt auf der Überholspur

In den vergangenen drei jahren ist Deutschlands größter Autovermieter, wenn es um nackte zahlen und Prognosen geht, immer verlässlicher geworden. Nun übertrifft Mehrheitseigentümer Erich Sixt sogar seine Prognosen. Hatte er für das erste Quartal mit einem schwachen Geschäftsverlauf gerechnet, so konnte er jetzt das beste Quartal der Firmengeschichte melden.

MÜNCHEN. Erich Sixt ist immer für einen kecken Spruch gut. Das gilt in ersterLinie für seine Werbekampagnen, deren Zielscheibe schon des öfteren Politiker jeder Couleur waren, ob nun Angela Merkel oder Oskar Lafontaine. Als Mehrheitseigentümer der Sixt AG, größter Autovermieter Deutschlands, ist der umtriebige Manager aber auch immer wieder für einen Hieb auf die Konkurrenten gut, wenn diese ihre Preise erhöhen. Sixt ist zu lange im Geschäft, um nicht ganz genau zu wissen, wo seine Schmerzgrenze bei den Preisen ist.

Geht es um sein Unternehmen und die nackten Zahlen und Prognosen, dann ist Sixt in den vergangenen drei Jahren jedenfalls immer verlässlicher geworden. Seit kurzem sorgt er sogar für positive Überraschungen, indem er seine Prognosen übertrifft wie etwa zu Anfang des Monats bei der Veröffentlichung der Zahlen für das ersten Quartal.

Es war das beste Quartal der Firmengeschichte. Wegen des strengen und langen Winters hatte Sixt mit einem schwachen Geschäftsverlauf gerechnet. Eis und Schnee drücken normalerweise aufs Geschäft. Nicht so in diesem Jahr. Im Kerngeschäft Autovermietung erzielte Sixt ein Umsatzplus von gut 14 Prozent. Der Vorsteuergewinn verdreifachte sich sogar.

Die Aktie machte einen gewaltigen Sprung nach oben. Seit Jahresbeginn hat sich der Aktienkurs um gut 40 Prozent erhöht. Gestern gab es noch einmal ein Plus von knapp zwei Prozent auf 18 Euro. Die Aktie wird zwar immer noch nicht von vielen Analysten beobachtet, doch die Zeiten, als keiner der Finanzexperten auf den Autovermieter schaute, sind längst vorbei.

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) setzte in der vergangenen Woche das Kursziel auf 20 Euro. „Sixt bewegt sich auf einer höheren Ergebnisebene“, stellt Christian Obst von der HVB fest. Das Controlling der Kosten pro Kunde und Auto und die Einsatzplanung seien optimiert worden, betont der Analyst. Auch Sal. Oppenheim bescheinigt Sixt eine schlanke und solide Struktur, so dass das Unternehmen von einem Anziehen des Marktes überproportional profitieren werde. „Sixt hat von der Erholung des Geschäftsreiseverkehrs im ersten Quartal profitiert“, bestätigen die Analysten von Sal. Oppenheim. Sie empfehlen die Aktie weiter zum Kauf, auch wenn die Dynamik in den nächsten Quartalen nachlassen werde.

Seinen Erfolg erklärt Sixt in seiner für ihn typischen, selbstbewussten Art: Sein Unternehmen sei einfach besser aufgestellt als der Rest der Branche. Die Konkurrenz sei zum Jahresbeginn garantiert nicht so stark gewachsen. Dass Sixt besser abgeschnitten hat als Konkurrenten wie etwa Europcar, lässt sich zwar nicht beweisen, weil die Marktzahlen fehlen. Offenbar jedoch bekommt er sein Geschäft immer besser in den Griff, wie auch die Analysten bestätigen. Der Auslastungsgrad der Flotte ist dank der neuen IT stetig gestiegen. Mit der neuen Technik kann Sixt auch den Einkauf besser steuern. Das alles senkt die Kosten.

Gleichzeitig ist es Sixt gelungen, mehr Kunden auf seine Internet-Seite zu locken. Bereits mehr als ein Viertel aller Mieter reservieren ihr Auto übers Netz. Auch das ist deutlich kostengünstiger als die traditionellen Buchungsformen Call-Center und Reisebüro.

Und noch etwas kommt Sixt zugute: Die großen deutschen Autohersteller sind derzeit dankbare Lieferanten. Die Münchener kaufen alleine bei Mercedes in diesem Jahr 20 000 Fahrzeuge, bei BMW sollen es mehr als 12 000 werden. Solche Mengen sichern günstige Konditionen. Sixts Unabhängigkeit von Autokonzernen zahlt sich aus. Mit dem Fuhrpark an Mercedes- und BMW-Fahrzeugen kann er sich höher positionieren.

Sixt hat aber auch noch andernorts Potenzial. Vor allem im Ausland gilt es weiter aufzuholen. In Ländern wie China steht Sixt erst am Beginn. Dort jedoch sind die Verhandlungen mit lokalen Partnern langwierig.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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