Die Aktie des Telefondienstleisters leidet unter dem Weggang von Vorstandschef Marc Brucherseifer – Die Marktbedingungen werden härter
Begrenztes Kurspotenzial bei Drillisch

Der Telefondienstleister Drillisch hat nach Analystenansicht kurzfristig kaum Kurspotenzial. Zwar legte die Aktie nach der Bekanntgabe der Bilanz 2004 im Februar deutlich zu. Doch der angekündigte Weggang von Unternehmenschef Marc Brucherseifer lastet auf dem Kurs.

DÜSSELDORF. Das Maintaler Unternehmens verkauft unter seinem Namen Mobilfunkverträge der großen deutschen Netzbetreiber.

Noch hält die im Frankfurter Prime-Standard notierte Aktie das Niveau um vier Euro, auf das sie Ende Februar eine Unternehmensmitteilung mit den vorläufigen Zahlen für 2004 gebracht hat. Der Mobilfunk-Provider hatte darin sein Ziel bestätigt, den Anlegern für 2005 eine Dividende zahlen zu wollen. Das Gewinnwachstum auf 16,1 Millionen Euro lag innerhalb der Erwartungen von Analysten. Dennoch muss das Unternehmen neues Vertrauen aufbauen. Bisher sei der scheidende Chef Brucherseifer Stimme und Gesicht des Maintaler Unternehmens gewesen, sagt Sean Johnstone, WestLB-Analyst in London. Das übrige Management-Team müsse jetzt den Kontakt zu Analysten suchen. Bislang habe es wenig zu den Aussichten für 2005 gesagt. Wegen der unklaren Hintergründe des Führungswechsels hat die WestLB die Aktie von „neutral“ auf „unterdurchschnittlich“ herabgestuft.

Schon das Jahr 2004 war mit der Integration der übernommenen Victorvox vom Umbruch geprägt. Die Kostenorientierung ging zu Lasten des Mengenwachstums. Im dritten Quartal 2004 verlor Drillisch sogar Kunden. Das Unternehmen verweist darauf, es habe sich von umsatzschwachen Kunden getrennt. „2005 gehen wir davon aus, dass Drillisch wieder verstärkt in das Kundenwachstum investieren wird“, schreibt SES Research in einer Kurzanalyse. Diese Bemühungen könnten jedoch zu einem leichten Rückgang der Gewinnmarge führen.

Chancen hat Drillisch durch neue Produkte. So bietet das Unternehmen als erster Provider eine neue Art von Sprachnachricht, die ähnlich wie eine SMS funktioniert, für alle Handy-Netze an. „Diese Technik kann das Ergebnis sehr positiv beeinflussen“, sagt Matthias Schrade, Geschäftsführer von GSC Research. Insgesamt hält Schrade ein Kursziel von 4,50 Euro auf Jahresfrist für gerechtfertigt. Auf kurze Sicht sei der Kursanstieg der vergangenen Wochen jedoch zu rasant verlaufen. Ein Rückfall auf 3,50 bis 3,70 Euro sei daher zwischenzeitlich möglich, obwohl das derzeitige Niveau gemessen an den Unternehmensdaten nicht übertrieben sei.

Kaum absehbare Einflüsse auf den Kurs könnte eine mögliche Übernahme von Drillisch haben. Beobachter erwarten seit längerem, dass sich die Bereinigung des Provider-Markts fortsetzt. Ansatzpunkt für den Einstieg eines Konkurrenten könnte der Anteil des bisherigen Drillisch-Chefs Brucherseifer von 16,1 Prozent sein, meint Schrade. Auch WestLB-Analyst Johnstone rechnet mit einer weiteren Konsolidierung unter den deutschen Providern. Es sei jedoch fraglich, ob Drillisch dafür ein akttraktiver Partner sei. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass Drillisch gegenüber seinen Mitbewerbern am besten aufgestellt ist“, sagt der Analyst.

Der Markt für diejenigen Provider, die wie Drillisch auf das Geschäft mit Guthabenkarten (Prepaid) setzen, werde enger. So wolle etwa T-Mobile die Handys weniger subventionieren, Discounter wie Tchibo drängten auf den Markt. „Es wird schwerer für Drillisch“, sagt Johnstone. Die größeren Provider wie Debitel oder Mobilcom verfügten über mehr Marktmacht. Johnstones Kursziel liegt so nur bei drei Euro und damit deutlich unter dem aktuellen Niveau.

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