Die Analysten halten die Wachstumsgeschichte des Unternehmens aber für intakt
Funkwerk verunsichert Anleger

Nach deutlichen Abschlägen der Aktie der Funkwerk AG in den vergangenen Wochen hat sich der Kurs zuletzt leicht stabilisiert. Gestern Nachmittag notierten die Papiere des Technologie-Unternehmens aus Kölleda in Thüringen bei 25,60 Euro knapp ein Prozent im Plus.

HB DÜSSELDORF. Grund für den Kursrutsch im Oktober um ein Viertel auf rund 24 Euro war der verhaltene Ausblick, den das Unternehmen nach Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal für das gesamte Geschäftsjahr gegeben hatte. Funkwerk werde den ursprünglich angepeilten Umsatz von 270 Mill. Euro wegen einiger Projektverzögerungen deutlich verfehlen und in diesem Jahr voraussichtlich nur 243 Mill. Euro erwirtschaften, teilte der Vorstandsvorsitzende Hans Grundner mit. Die Prognose für das operative Ergebnis nahm er gleichzeitig von 23 Mill. Euro auf 18,5 Mill. Euro zurück.

Funkwerk ist in drei Geschäftsbereichen tätig: Kommunikationsanlagen für Fahrzeuge, Netzwerkkomponenten für Unternehmen sowie Leit- und Informationstechnik für Verkehr, Logistik und Industrie einschließlich Mobilfunk. Das Unternehmen arbeitet beispielsweise an der Installation eines Videoüberwachungssystems in U-Bahnstationen in Turin, wo 2006 die Olympischen Winterspiele stattfinden werden. Von dem Engagement erhofft sich Grundner „eine Initialzündung“, um die eigenen Produkte auf dem internationalen Markt bekannter zu machen.

Seit dem Börsengang vor fünf Jahren hat Funkwerk seine Umsätze versechsfacht, das Ergebnis vervierfacht und die Mitarbeiterzahl um 400 Prozent auf 1 240 Angestellte gesteigert. Im laufenden Jahr allerdings gerät die Entwicklung ins Stocken: Bereits im Sommer, nach Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal, hatte das Management das Jahresziel nach unten korrigiert. Die Ankündigung eines „nachhaltigen zweistelligen Wachstums“ im Jahr 2006 besänftigte die Anleger seinerzeit noch – der Kurs zog deutlich an.

Diesmal liegen die Dinge anders. Nach dem neuerlichen Rückzieher scheint das Anlegervertrauen fürs Erste gestört, wie die jüngste Kursentwicklung deutlich zeigt. Auch die Börsenumsätze der im Technologieindex TecDax notierten Aktiengesellschaft gingen nach der Gewinn- und Umsatzwarnung deutlich nach oben. Die durchschnittlichen Tagesumsätze verdoppelten sich in den vergangenen zwei Wochen auf rund 900 000 Euro.

Nach Meinung von Thomas Langer, Analyst bei der WestLB, ist die jüngste Entwicklung ein „Desaster“. Es werde viele Monate dauern, ehe das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Unternehmens wiederhergestellt sei. Die WestLB hat die Funkwerk-Aktie daher auf „untergewichten“ herabgestuft und das Kursziel von zuvor 30 Euro auf 25 Euro gesenkt.

Die Mehrzahl der Analysten indes geht weiter von einer stabilen Wachstumsgeschichte des Unternehmens aus Thüringen aus. Bloomberg-Informationen zufolge empfehlen fünf von acht Analysten nach wie vor den Kauf der Funkwerk-Aktie, zwei sagen „halten“, lediglich einer „verkaufen“.

Hermann Reith, Analyst bei der BHF-Bank, hält die Marktreaktion auf die Gewinnwarnung bei Funkwerk für deutlich übertrieben. Aus seiner Sicht ist die Gelegenheit zum Einstieg bei Funkwerk derzeit günstig, wenngleich die BHF-Bank das Kursziel für die Aktie von 40 Euro auf 34 Euro reduzierte. Unternehmen und Wettbewerbssituation seien stabil, sagt Reith. Das im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht verbesserte Ergebnis nach Zinsen und Steuern (Ebit) von 5,8 Mill. Euro zeige, dass die Thüringer auf einem guten Wege sind, das Versprechen von „der Rückkehr zur gewohnten Dynamik“ im kommenden Geschäftsjahr einzulösen. Allerdings hätte das Unternehmen die erwarteten Umsatzeinbußen auf Grund von Projektverzögerungen nicht ausreichend kommuniziert.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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