Die Banken haben den Rettungsplan für den Postbank-IPO vor Wochen entwickelt
Krisensitzung im Tower

"Der Markt ist das einzig zuverlässige Mittel zur Ermittlung von Preisen“. Zwei Wochen hat Postchef Klaus Zumwinkel für diese Erkenntnis gebraucht. Und als er sie am Sonntag auf der Not-Pressekonferenz zum verschobenen Börsengang der Postbank ausspricht, wirkt sein Lächeln reichlich verkniffen.

FRANKFURT/M. In den vergangenen 14 Tagen hat ihm der Markt in Form von über 100 Großinvestoren aus aller Welt klar gemacht, dass die Aktien seiner Finanztochter nicht mehr als 30 Euro wert sind. Zumwinkel wollte mindestens 31,50 Euro haben, auch gegen den Rat der wichtigsten Investmentbanker.

Als sich der Zahlenmensch Zumwinkel und die Chefberater von Deutscher Bank und Morgan Stanley am Freitag Abend um 19.00 Uhr im Bonner Posttower zusammensetzen, ist endgültig klar, dass der Postchef zu hoch gepokert hat. Seit einer Stunde sind die Bücher für den Mammutbörsengang geschlossen und das große Wunder ist ausgeblieben, es gibt keine Orders in letzter Sekunde, auf die Zumwinkel so sehr gehofft hat. Georg Hansel von der Deutschen Bank und Hans-Jörg Schüttler von Morgan Stanley dürfte das kaum überrascht haben, schließlich haben die großen Fonds auf der Roadshow durch Europa und die USA immer klar gesagt: „29 Euro ja, 31,50 Euro nein.“ Doch die Banker haben einen Plan B in der Hinterhand und den brauchen sie auch. Schließlich kann sich die Deutsche Bank nach ihrer Pannenserie ein Scheitern noch weniger leisten als Zumwinkel.

Die rettende Idee war den Bankern bereits vor drei Wochen, während der so genannten Vorvermarktung gekommen, als zum ersten Mal klar wurde, dass es für die Postbank eng werden könnte. Warum nicht weniger Aktien für weniger Geld und dafür zusätzlich eine Wandelanleihe an den Markt bringen? So hatte es gerade auch der US-Konzern General Electric bei der Platzierung seiner Versicherungstochter gemacht. Die Notlösung hat den Charme, dass Zumwinkel sein Gesicht wahren kann, denn dank der Wandelanleihe bekommt er trotzdem die 2,6 Mrd. Euro, die er für 49 Prozent seiner Finanztochter mindestens haben möchte. „Ansonsten hätte Zumwinkel den Börsengang abgesagt, darauf war er vorbereitet“, sagt ein Vertrauter. Bis Mitternacht dauert die freitägliche Krisensitzung im Posttower, und erst am nächsten Vormittag wird der Kompromiss endgültig festgezurrt. „Wir sind schließlich nicht der Reparaturbetrieb für den Finanzplatz Deutschland“, sagt Zumwinkel trotzig am Sonntag auf der Pressekonferenz. Aber am Ende ist er doch froh, dass ihm keiner „Totengräber des deutschen Kapitalmarkts“ hinterherrufen kann.

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