Die „Contrarian“-Strategie
Kaufen Sie Aktien, die keiner haben will

Sind Aktien derzeit teuer oder nicht? Diese Frage ist alles andere als leicht zu beantworten, so viel steht fest. Zum Glück gibt es aber die Analysten - den vermutlich besten Kontraindikator an der Börse.
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DüsseldorfDie größte Gefahr an der Börse ist, wenn alle sich einig sind, dass die Kurse steigen. Meistens kommt es dann anders. Umgekehrt ist oft die beste Zeit, zu kaufen, wenn niemand sonst Aktien haben will. Warren Buffett ist mit diesem Prinzip zum Milliardär geworden. Er ist ein klassischer „Contrarian“, der bewusst das Gegenteil dessen tut, was die Masse macht.

Die Logik dahinter: Wenn alle gekauft haben, dann gehen dem Markt die Käufer aus. Und wo keine Käufer sind, da gibt auch keine steigenden Kurse mehr. In diesem Moment – meist ist die Euphorie gerade am größten - kippt der Markt. Auf einmal kann es den Anlegern nicht schnell genug gehen, Aktien wieder loszuwerden. Sie verkaufen auf Teufel komm raus. Ein klassischer Schweinzyklus. Erst wenn die Kurse soweit gefallen sind, dass keiner mehr verkaufen will, endet der Kursrutsch. Das Spielchen beginnt von neuem – es ist so alt wie die Börse.

Die Ursachen liegen in der menschlichen Psyche. Der Mensch ist ein Herdentier, er folgt gerne seinen Artgenossen. Der Weg des geringsten Widerstandes – so scheint es. Sich bewusst dagegen zu stellen, erfordert Mut und Willensstärke; erst recht, wenn die Entwicklung zunächst noch gegen einen läuft.

In der Theorie klingt das alles ganz einfach, ein Blick auf die aktuelle Lage ergibt dagegen eher ein diffuses Bild. Der Deutsche Aktienindex hat in diesem Jahr um 20 Prozent zugelegt. Das allein macht manchen misstrauisch. Hat der Dax nach diesem Anstieg noch Luft? Gemessen an den Gewinnen der Unternehmen ist der Markt fair bewertet.

Und von überbordender Euphorie kann noch keine Rede sein. Die Investoren sind auf der Hut. Sie fürchten, dass die Schuldenkrise in Europa und den USA wieder zuschlagen wird. Die großen Versicherer etwa, die oft die Letzten sind, die noch einsteigen, interessieren sich bis jetzt kaum für Aktien. Das könnte sich ändern, wenn sie feststellen, dass festverzinsliche Papiere nicht mehr ausreichen, um auf Rendite zu kommen. Unter dem Strich spricht vieles dafür, dass der Dax seine Höchststände noch nicht gesehen hat, auch wenn ein guter Teil der Rally schon gelaufen ist.

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Die unbeliebtesten Aktien der Analysten

Kommentare zu " Die „Contrarian“-Strategie: Kaufen Sie Aktien, die keiner haben will"

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  • Am besten sind die langweiligsten Aktien. Firmen mit Geschäftsmodellen, die einfach und "langweilig" sind, die aber mordsmäßig Cash damit reinholen, Beispiel Fielmann. Analysten sind immer geil auf das, was gerade "hipp" ist, so wie Biotech Anfang des Jahrtausends. Hat man ja gesehen, was draus wurde. Für die, die es sich leisten könne, was zu riskieren und zu zocken, ok, aber nix für Ottonormal-Investor und seine Altersvorsorge.

  • Mag sein dass auch diesmal die Skeptiker falsch liegen,kurzfristig die Börsen weiter steigen,langfristig aber behielten sie diese Leute recht,das beweisst die Geschichte !

  • Kaufen Sie lieber Aktien, die (momentan) keiner haben will.
    Auf die Analysen der Analüsten gebe ich nicht viel.
    Ich finde einen guten Anhaltspunkt wann man Aktien kaufen oder verkaufen sollte die Aktivitäten der Insider (Manager von Unternehmen) großer Aktiengesellschaften. Die sehen schon frühzeitig durch Indikatoren im eigenen Unternehmen, wie die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung im eigenen Unternehmen und in der ganzen Branche inklusive Zulieferern läuft.
    Die verkaufen wenn der große Rest der Mitspieler noch auf Einkaufstour ist und steigen wieder ein wenn die Aktien billig sind und eine Verbesserung des Klimas am Horizont schimmert.
    Wer die besseren Informationen hat zieht den anderen das Geld aus der Tasche. Nein das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anders...
    Wer solche Aktientipps gibt leistet Beihilfe für diese Umverteilung.
    Wie wäre es mit eine Anleitung zum Lesen und (richtigen) interpretieren von Unternehmenszahlen. Da hätten die Leser des Handelsblattes mehr davon...

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