Die Krise in der Luft- und Raumfahrtindustrie macht dem amerikanischen Mischkonzern zu schaffen
Honeywell-Aktionäre haben ausgeträumt

Zu früh hatten sich die Investoren des US-Mischkonzerns Honeywell gefreut: In der Hoffnung auf eine Erholung der Wirtschaftslage war der Aktienkurs seit fast sechs Monaten kontinuierlich gestiegen – mit einem Plus von mehr als 40 % seit Anfang Anfang April erreichte die Honeywell-Aktie sogar ein neues Jahreshoch.

HOUSTON. Honeywell selbst bereitete den Träumen ein jähes Ende: Von einer Erholung könne noch keine Rede sein, erklärte Finanzchef David Anderson, „generell bewegen wir uns eher seitwärts“. Ein Hauptgrund für das Zaudern des Finanzchefs ist das Luftfahrtgeschäft, das bei Honeywell 40 % des Umsatzes ausmacht. Die Branche leidet noch immer unter der wirtschaftlichen Unsicherheit wegen des Irak-Krieg und wegen der gedämpften Reiselust nach der Atemwegserkrankung SARS.

„Der Rückgang bei der kommerziellen Luft- und Raumfahrt wird weit über dieses Jahr hinaus anhalten, und sein volles Ausmaß ist noch immer nicht abzusehen“, sagt Analyst Jeffrey Sprague von Salomon Smith Barney.

Nach Schätzungen von Honeywell sollte die Talsohle zwar erreicht sein. Doch der Konzern rechne damit, dass es noch mindestens zwei Jahre dauert, bis sich die Zahl der Bestellungen für neue Flugzeuge wieder normalisiere. Denn bevor die Airlines neue Maschinen bestellten, müssten die Bilanzen über sechs bis acht Quartale positiv ausfallen.

Robuster präsentiert sich hingegen die Rüstungssparte von Honeywell, vor allem wegen der umfangreichen Aufträge des US-Verteidigungsministeriums.

Deshalb hat der Markt mit den Abschlägen von rund 7 % auch zu heftig auf die Erklärung von Finanzchef Anderson reagiert, sagen Analysten. Auch haben „die Investoren die Nachrichten falsch interpretiert“, sagt Morgan-Stanley-Analyst Scott Davis. „Honeywells Erklärung war ausgewogen und verhältnismäßig optimistisch. Immerhin hat die Führungsspitze bestätigt, dass sich das Geschäft stabilisiert hat und die Talsohle durchschritten ist, das ist eine ganz neue Lage." Für Davis ist die Aktie daher immer noch der Favorit unter den US-Industriewerten.

Don MacDougall von JP Morgan bewertet die Zukunft für das im US-Leitindex Dow-Jones notierte Unternehmen ebenfalls verhalten optimistisch: „Die Mehrheit der Honeywell-Sparten ist solide und hält konkurrenzfähige Positionen auf attraktiven Märkten.“ MacDougalls Anlageempfehlung lautet Neutral und liegt damit auf einer Linie mit den meisten seiner Kollegen: 17 Analystenurteile über Honeywell verzeichnet der Finanzdienstleister Thomson Financial, von denen vier zum Kauf und 13 zum Halten raten.

Auftrieb verleihen könnte Honeywell der gigantische Stromausfall in den USA und Kanada im vergangenen Monat. Nachdem weite Teile im Nordosten des Landes tagelang im Dunkeln blieben, fordern Politiker den schnellen Ausbau des Stromversorgungsnetzes und den Bau neuer Kraftwerke. Als einer der führenden Lieferanten von Hochleistungsturbinen könnte Honeywell von einer Entscheidung profitieren. „Der Stromausfall vergrößert möglicherweise den Bedarf an einer breiten Palette von Produkten der Elektro-Industrie, wobei wir die größten Auswirkungen wahrscheinlich im kommenden Jahr sehen werden“, sagt Nick Heymann, Analyst bei Prudential Financial. „Langfristig könnte auch die Windkraft als alternative Energie für das Stromversorgungsnetz interessant werden.“

Trotz der jüngsten Höchststände birgt der aktuelle Aktienpreis nach Expertenmeinung eine gute Gelegenheit zum Einstieg. Nick Hey-mann rechnet damit, dass die Kurse in den nächsten sechs bis zwölf Monaten auf bis zu 42 $ steigen, was im Vergleich zum jetzigen Niveau ein Plus von rund 40 % bedeuten würde. Außerdem sei das Chance-Risiko-Verhältnis „ausgesprochen vorteilhaft“, sagt Scott Davis. Schließlich „hortet Honeywell Bargeld“, weiß Citigroup-Mann Jeffrey Sprague. „Ende des vergangenen Quartals waren es in etwa 2,6 Mrd. $. Wir rechnen damit, dass das Geld kurzfristig für Aktien-Rückkäufe oder eine Erhö-hung der Dividende ausgegeben wird."

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