Die Nummer zwei am spanischen Strommarkt steigt in den Euro Stoxx 50 auf – Einigen Analysten ist der Wert zu defensiv
Iberdrola punktet als solider Versorger

Ein verregneter Winter, ein heißer Sommer – für Spaniens zweitgrößten Stromversorger Iberdrola S.A. läuft das Geschäft erfolgversprechend. Viel Regen bedeutet eine höhere Energiegewinnung aus Wasserkraft, der günstigsten Form der Stromerzeugung. Die sommerliche Hitze trieb andererseits den Stromverbrauch nach oben. Jetzt sticht der nächste Trumpf: ab kommenden Montag ist Iberdrola Mitglied im Kreis der 50 wichtigsten Börsenwerte des Euro-Raums, im Euro-Stoxx-50-Index.

MADRID. Damit ist dem Unternehmen, das die Hypo-Vereinsbank aus dem Index verdrängt, mehr internationale Aufmerksamkeit gewiss. Weil die Aktie in entsprechend ausgerichtete Fonds aufgenommen wird, erwartet eine Reihe von Analysten einen Kursanstieg. Rocío del Pozo vom Brokerhaus BI Capital in Madrid schätzt das Potenzial des Energieversorgers auf 18 % bis Ende des Jahres. „Iberdrola hat bessere Wachstumsaussichten, und die finanzielle Lage ist weniger angespannt als bei der Konkurrenz“, erklärt die Analystin. Für Anleger sei zudem die Dividendenpolitik attraktiv. Das Unternehmen will die Ausschüttung jährlich um 5 % steigern.

Andere Analysten sind weniger optimistisch. Immerhin hat Iberdrola an der Börse in Madrid seit Januar bereits 18 % zugelegt – das ist allerdings weniger als die Konkurrenz. Endesa, die Nummer eins der spanischen Energiebranche, liegt bei plus 32 %, Unión Fenosa, der Dritte im Bunde, bei 23 %. Paul Rogers von Merrill Lynch in London bevorzugt dennoch Endesa; bei der kleineren Konkurrenz ist für ihn „der faire Preis erreicht“. Victor Peira, Analyst bei Caja Madrid, sieht Iberdrola zwar auch in nächster Zukunft keinen großen Risiken ausgesetzt, da der Stromverbrauch in Spanien aufgrund der florierenden Wirtschaft überdurchschnittlich zunimmt. Mehr Profit für die Anleger vermutet er jedoch bei offensiveren Werten. Wie sein Kollege von Merrill Lynch bevorzugt Peira daher Endesa. Der Marktführer wage stärker als Iberdrola den Blick über den Atlantik. Investoren bewerten das wieder zunehmend positiv, denn, so meint Peira: „Die Risiken in Lateinamerika nehmen ab.“

Iberdrola ist vor allem auf den Heimatmarkt konzentriert. 90 % des Umsatzes erzielt das Unternehmen in Spanien. Analysten loben den Energiemix mit überdurchschnittlich viel Wasserkraft und erneuerbaren Energien sowie den Zugriff auf den spanischen Erdgasmarkt. Die Investitionen in Lateinamerika sind überschaubar: Mexiko trägt 6 % zum Umsatz bei, Brasilien 4 %. Iberdrola blieb daher von den wirtschaftlichen Problemen in Lateinamerika weitgehend verschont. Die Turbulenzen in Argentinien wa-ren gar kein Thema.

Offen bleibt, wie die Konzentrationswelle der spanischen Energiebranche weiter verläuft. Iberdrola selbst war in den letzten Jahren wiederholt als Übernahmekandidat gehandelt worden. Nach einem gescheiterten Fusionsversuch mit Endesa Anfang 2001 konnte Iberdrola in diesem Jahr einem feindlichen Übernahmeversuch von Spaniens größtem Gasversorger Gas Natural entgehen. Auch deutsche Namen wie Eon oder RWE werden immer wieder als Interessenten genannt. Vermutungen spanischer Analysten zufolge wird es allerdings vor den Parlamentswahlen in Spanien im März 2004 keine große Bewegung auf dem Markt geben. Iberdrola bekräftigte bereits, aus eigener Kraft zu einem Branchenführer in Europa aufsteigen zu können.

Der Einstieg eines ausländisches Konzerns wird in der Branche ohnehin bezweifelt: „Wer in der Welt kann sich das leisten?“, gibt Merill- Lynch-Analyst Rogers zu bedenken. Iberdrola ist an der Börse rund 13,5 Mrd. Euro wert. Das Unternehmen ist neben Endesa, dem Telekommunikationskonzern Telefónica, den Banken Santander Central Hispano (SCH) und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) und dem Mineralölkonzern Repsol der sechste spanische Konzern im Euro Stoxx 50.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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