Die Prognosen der Banken
Anleger haben Lust auf mehr

Geht es nach der Durchschnittsprognose der großen Bankhäuser, dann hat der Deutsche Aktienindex (Dax) sein Potenzial bereits ausgeschöpft. Auf gerade mal 6 014 Zähler taxieren die vom Handelsblatt befragten fünf größten Banken sowie das Sparkassen- und Volksbankenlager den Dax zum Jahresende. Gemessen am gestrigen Stand, wäre das ein Plus von einem viertel Prozent.

FRANKFURT. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Verantwortlich für die ernüchternde Prophezeiung sind mit der NordLB und der Hypo-Vereinsbank (HVB) zwei „Ausreißer“. Sie sehen den Dax bis Jahresende fallen, weil sie eine deutlich schlechtere Konjunktur im kommenden Jahr erwarten. Alle anderen Häuser rechnen mit weiter steigenden oder zumindest ebenso hohen Kursen wie gestern. „Übernahmen und Spekulationen darüber treiben seit Monaten den Markt“, sagt Christian Kahler von der DZ Bank. Beispiele sind die Deals in der Pharmabranche, der Einstieg von Beteiligungsgesellschaften wie Blackstone bei der Deutschen Telekom und der versuchte, aber gescheiterte Kauf des Reifenspezialisten Continental durch den US-Finanzinvestor Bain Capital. Die Transaktionen zeigen, welches Potenzial Investoren wittern.

Noch stärker aber überzeugen harte Zahlen und Fakten die Anleger. Denn anders als im Jahr 2000, als der Dax über 8 000 Punkte kletterte, decken diesmal steigende Firmengewinne die anziehenden Aktienkurse. Verglichen mit dem Boomjahr 2000 verdienen die Dax-Konzerne in diesem Jahr 70 Prozent mehr. Der Dax notiert aber um ein Viertel niedriger. Durchschnittlich bezahlen Anleger heute für eine Aktie aus dem Dax den zwölffachen Jahresgewinn des Unternehmens pro Anteilsschein. Üblich sind im Mittel der vergangenen vier Jahrzehnte Werte von 14 bis 15. Daran gemessen ist der Dax also trotz gestiegener Kurse immer noch um gut 15 Prozent unterbewertet.

Ähnlich ist das Bild in den USA. Im Dow Jones bezahlen Anleger Aktien mit dem dreizehneinhalbfachen Jahresgewinn der Unternehmen. Das ist so wenig wie zuletzt vor zehn Jahren. „Die Firmengewinne steigen schneller als die Kurse. Deshalb werden Aktien immer billiger“, sagt Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg. Konkret: Heute notiert der maßgebliche amerikanische S&P-500-Index 25 Prozent höher als 2001. Die darin enthaltenen Firmen verdienen aber inzwischen 85 Prozent mehr. Der lange als zu teuer gescholtene amerikanische Markt ist wieder attraktiv geworden.

Doch nicht nur die Bewertung, auch mangelnde Alternativen sprechen nach Ansicht von Experten für die Börse. So schütten die Dax-Konzerne immer mehr Geld an ihre Aktionäre aus. Im laufenden Jahr errechnete sich daraus eine durchschnittliche Rendite von 3,7 Prozent. Wer deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren kauft, bekommt ebenso viel.

Und welche Aktien versprechen vor dem Hintergrund der niedrigen Bewertung, aber sinkender Wachstumsperspektiven in Euro-Land und den USA im kommenden Jahr die größten Chancen? Defensive Branchen sind die Favoriten der Experten bis zum Jahresende. Besondere Chancen wittern sie vor allem bei den Versicherern, den Pharma- und Konsumgüterproduzenten sowie den Versorgern. Diese Einschätzung gilt sowohl für die großen Energiekonzerne wie Eon und RWE als auch für die kleineren Anbieter regenerativer Energien. „Beide Gruppen bleiben längerfristig interessant“, heißt es bei der Dresdner Bank.

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