Die Spanier schlucken ihre Internetfiliale und bringen die TV-Tochter Endemol an die Börse
Telefónica-Aktie ist bei Analysten wieder angesagt

Seit der größte spanische Telekomkonzern Telefónica angekündigt hat, dass er seine Internettochter Terra Networks von der Börse holen und wieder in den Gesamtkonzern eingliedern will, ist die Aktie ein regelrechter Hit bei den Analysten.

MADRID. Telefónica ist inzwischen rund 70 Milliarden Euro an der Börse wert und damit drittgrößtes Unternehmen seiner Branche weltweit. Im vergangenen Jahr gewann die Aktie von Telefónica rund 20 Prozent hinzu. Derzeit notiert das Papier bei 13,76 Euro, die meisten Analysten sehen den Zielkurs in den kommenden zwölf Monaten bei 15,3 Euro.

Die Telefónica-Aktie galt wegen der großzügigen Dividendenentwicklung bereits seit geraumer Zeit als attraktiv – in diesem Jahr sollen 0,50 Euro pro Wertpapier ausgezahlt werden, was derzeit einer Rendite von rund vier Prozent entsprechen würde. Die Geschäftsaussichten Telefónicas beurteilten viele Börsianer in den vergangenen Monaten jedoch eher kritisch. Seit Mitte Februar fiel der Aktienkurs dementsprechend von 14,5 Euro bis auf 13,6 Euro. Die Aktie stand bei vielen wegen der zu hohen Abhängigkeit vom heimischen Mobilfunkmarkt nur noch auf Halteposition. Der spanische Markt ist so gut wie gesättigt, beim Festnetz verliert der Ex-Monopolist immer mehr Marktanteile. Auch die jüngst veröffentlichten Geschäftszahlen für 2004, obwohl mit 2,8 Milliarden Euro ein Rekordergebnis, enttäuschten die Analysten. Sie hatten mit drei Milliarden Euro gerechnet.

Mit dem jüngst angekündigten Rückkauf der an der Börse gehandelten 23 Prozent von Terra hat sich die Stimmung jedoch wieder geändert – eine Strategie, die andere Branchenwettbewerber wie die französische France Télécom bereits seit langem verfolgen. Aus Sicht der Spanier ist diese Entscheidung eine Leidensbegrenzung. Die Terra-Aktie hat den typischen Verlauf eines Durchstarters der New Economy durchlebt: Am Anfang hatte die Terra-Aktie ihren Wert verhundertfacht und war dann nach einem brutalen Sturz am Ende nur noch vor sich hin gedümpelt, weil keiner mehr, das heiße Eisen anfassen wollte.

„Es macht auch einfach aus Kostengründen Sinn, dass die Internetgeschäfte wieder unter das Mutterdach ziehen,“ sagt Glen Chapman, Telekommunikations-Analyst des Madrider Broker Ibersecurities. Schließlich haben viele Bereiche der Telefonie wie der Breitbandzugang DSL direkt mit dem Internet zu tun. Hier könnten viele Synergien gefunden und damit Kosten gespart werden. Für die verbliebenen rund 300 000 Terra-Aktionäre sei die geplante Abwicklung zudem eine Möglichkeit, auf lange Sicht wieder einen Teil ihrer hohen Verluste reinzuholen. Vorausgesetzt sie lassen sich auf einen Aktien-Tausch ein. Sollten sie die Titel verkaufen, ist das Angebot von Telefónica nicht besonders interessant, da es kaum über dem aktuellen Terra-Kurs von rund 3,4 Euro liegt.

Neben der Fusion mit der eigenen Tochter dürfte der Kurs der Telefónica-Aktie in den kommenden Monaten auch durch den geplanten Börsengang von Endemol anziehen. Seit seinem Amtsantritt vor fast fünf Jahren will Präsident César Alierta die Mediensparte loswerden, der Börsengang des erfolgreichen holländischen TV-Produzenten ist nun der Anfang. Alierta sucht bereits seit Jahren nach einem Käufer für den Reality-Show-Spezialisten. Aber niemand war bisher gewillt, ihm den von seinem Vorgänger Juan Villalonga gezahlten Kaufpreis von 5,5 Milliarden Euro zu zahlen.

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