Die Zeitungsgruppe Tribune sucht neue Kapitalgeber
US-Presse steht unter Druck

Die gegenseitige Liebe zwischen Aktienmarkt und Zeitungsverlagen ist nicht besonders groß. Jetzt lässt der wachsende Druck unzufriedener Aktionäre die US-Zeitungskonzerne an den Abschied vom Börsenparkett denken und ihr Glück bei anderen Geldgebern – Private-Equity-Investoren – suchen.

SAN FRANCISCO. Bis Jahresende entscheidet die Tribune-Gruppe, zu der neben 25 Fernsehsendern und der Baseball-Mannschaft Chicago Cubs bedeutende Zeitungen wie die Los Angeles Times und die Chicago Tribune gehören, ob und wie sie außerhalb des Börsenparketts fortbestehen kann. Sie erwägt den Verkauf einzelner Geschäftsfelder oder des gesamten Konzerns an einen Investor. Hierauf drängt ein unzufriedener Großaktionär, die Chandler-Familie.

Das Anzeigengeschäft und die Leserzahlen sind rückläufig. Daher laufen Zeitungs-Aktienkurse dem Markt hinterher. Während die Aktien im S&P-500-Index über die vergangenen zwei Jahre im Durchschnitt fast 20 Prozent zulegten, verloren Zeitungs-Aktien wie Tribune, Gannett, New York Times, Dow Jones und Washington Post zwischen 20 und 40 Prozent. Zwar erhoffen sich die Verlage jetzt durch Kooperation mit Google und Yahoo neue Impulse für das Anzeigengeschäft. Doch der Markt bleibt skeptisch.

„Zeitungsaktien sind mit dem 8,5fachen ihres Ergebnisses bereits höher bewertet, als wir angesichts unserer pessimistischen Wachstumsprognosen erwarten würden“, urteilt Paul Ginocchio, Zeitungs-Analyst bei Deutsche Bank Securities in New York.

Ungeachtet der trüben Aussichten fahren die US-Zeitungsverlage aber zurzeit solide Umsätze ein und erwirtschaften Umsatzrenditen von bis zu 20 Prozent. Genau hierfür interessieren sich Private-Equity-Firmen. Denn die zuverlässigen Geldzuflüsse ermöglichen kreditfinanzierte Übernahmen.

Eine Enttäuschung aus Aktionärssicht war im Frühjahr der Abschied der Zeitungsgruppe Knight-Ridder, die auf Druck eines Aktionärs, des Fondsmanagers Bruce Shermann von Private Capital Management, von der Börse verschwand. Schon damals zeigten Private-Equity-Firmen Interesse. Zwar kaufte am Ende ein strategischer Investor, der Wettbewerber McClatchy, die Zeitungsgruppe. Er verkaufte aber elf Knight-Ridder-Blätter umgehend weiter an private Investoren. Die Käufer waren regionale Magnaten, die sich als Investment-Trophäe die Zeitung ihres Wohnortes kaufen. Dieser Gedanke gefällt auch dem früheren General-Electric-Chef Jack Welch, der mit seinem Lokalblatt, dem Boston Globe liebäugelt. Der Globe gehört zur New-York-Times-Gruppe, die ihrerseits in die Kritik institutioneller Investoren geraten ist, und für die der Globe zum Verlustbringer zu werden droht.

Auch für die zum Tribune-Tafelsilber gehörende Los Angeles Times interessieren sich private Käufer wie der Filmunternehmer David Geffen. Und zwei kalifornische Milliardäre –der Supermarkt-Magnat Ron Burkle und der Immobilienunternehmer Eli Broad – machten gleich für die gesamte Tribune-Gruppe ein Angebot.

Trotz des generellen Interesses ist zu befürchten, dass die Rechnung der Tribune-Großaktionäre, der Chandler-Familie, nicht aufgeht. Diese hatte den Verkauf von Geschäftsbereichen oder gar des ganzen Konzerns gefordert, weil ihrer Meinung nach das Unternehmen in Einzelteilen mehr wert sei als im Ganzen. 42 bis 44 Dollar wären die Tribune-Aktien ihrer Analyse zufolge nach einer Aufteilung des Konzerns wert. Doch mehrere Wall-Street-Analysten kommen zu dem Ergebnis, dass ein Verkauf - egal ob in Einzelteilen oder im Ganzen – kaum mehr einbringen dürfte als den aktuelle Aktienkurs von rund 32 Dollar. Nur wenig höher sieht zum Beispiel die Merrill-Lynch-Analystin Lauren Rich Fine den fairen Wert des Unternehmens.

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