Dividenden
Warum Apple und Co. so spendabel sind

Technologie-Unternehmen waren traditionell knauserig bei ihrer Dividende. Kurssteigerungen boten genug Anreize. Doch in diesem Jahr schütten die Konzerne wie Apple oder Intel so viel aus wie lange nicht. Nicht unbedingt ein gutes Zeichen.
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Düsseldorf, San FranciscoEin Unternehmen, das kräftig wächst, schüttet keine Dividenden aus. Schließlich wird jeder Cent für Investitionen gebraucht. So handhabte das die Technologiebranche jahrelang. Doch jetzt werden die Firmen plötzlich spendabel. Gilt damit auch der Umkehrschluss: Ein Unternehmen, das hohe Dividenden ausschüttet, wächst nicht mehr? Darauf deutet einiges hin.

Die US-Technologie-Unternehmen schütten so hohe Dividenden aus wie seit langem nicht mehr. Ihre durchschnittliche Dividendenrendite beträgt 1,21 Prozent. Damit hat sie erstmals seit mindestens 15 Jahren die Marke von einem Prozent überschritten, geht aus Daten von Bloomberg hervor. Angeführt von Apple und Cisco Systems haben die Technologie-Unternehmen im S&P 500 im vergangenen Quartal 10,8 Milliarden Dollar an Dividenden ausgeschüttet. Im Vergleichszeitraum 2010 waren es nur 5,1 Milliarden Dollar gewesen.

Auf die Frage, warum sich die Technologiegiganten so spendabel zeigen, gibt es zwei Antworten - eine gute und eine schlechte. Zum einen sitzen die Unternehmen auf viel Geld. Apple, Cisco, Dell und ihre Wettbewerber verfügen insgesamt über 590 Milliarden Dollar an Barreserven. Vor einem Jahr waren es noch 508,5 Milliarden Dollar, vor zwei Jahren gerade mal 436,5 Milliarden. Zum anderen aber wollen die Firmen ihre Anleger für das nachlassende Wachstum entschädigen.

Die Jahre des wilden Wachstums sind vorbei. Unternehmen, die einst als Start-ups angefangen haben, sind inzwischen etabliert und haben eine gewisse Größe erreicht. Manche sind zu echten Geldmaschinen geworden, was sich in hohen Mittelzuflüssen (Cash-Flows) widerspiegelt.

Experten schätzen diese Entwicklung auch als Zeichen wachsender Reife der Branche ein. „Die Unternehmen sind den Kinderschuhen entwachsen”, so Jennifer Koski, Finanzprofessorin an der University of Washington in Seattle. „Sie stehen innerhalb ihres Lebenszyklus auf einer höheren Entwicklungsstufe, sie sind profitabel und ihr Kapitalbedarf ist nicht mehr so hoch.”

Das beste Beispiel ist Apple. Steve Jobs, der legendäre Gründer und Ideengeber von Apple, rettete das Unternehmen im Jahr 1997 vor der Pleite. In den folgenden Jahren machte er aus Apple den größten Technologiekonzern der Welt. Die Aktionäre durften sich über gigantische Kursgewinne freuen. Doch von einer Dividende hielt Jobs nichts. Sie passte nicht zu seiner Philosophie, obwohl das Unternehmen auf Barreserven von mehr als 100 Milliarden Dollar saß.

Erst nach dem Tode Jobs änderte das Unternehmen seine Strategie. Der neue Chef, Tim Cook, kündigte im Frühjahr 2012 an, Apple werde nach 17 Jahren erstmals wieder eine Dividende zahlen. Zudem startete der Konzern den Rückkauf eigener Aktien. Das geschah nicht nur freiwillig. Investoren wie der Hedgefonds-Manager David Einhorn setzten Apple unter Druck. Er wollte einen guten Anteil von den Reserven abhaben, auch weil er sah, dass das Unternehmen wenig mit dem Geld anzufangen wusste. Die Innovationskraft früherer Jahre, als mit iPhone und iPad ganz neue Produktwelten geschaffen wurden, war Apple abhanden gekommen.

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  • Nun klar: Die gestreuten Behauptungen dass diese Konzerne auf hunderten Milliarden an cash sitzen war doch einen glatte Börsenlüge. Im Gegenteil, die Milliarden an Börsenkapital wurden längst in Sand gesetzt, verpulvert und sind weg. Nun müssen höhere Dividenden nur deswegen ausgeschüttet werden, weil die ach so reichen BörsenAGs bei einem möglichen Aktienabstoßes durch die Kleinanleger vor dem totalen Absturz stünden. Das Kartenhaus wird so noch etwas länger gestützt. Es wird dennoch zusammenbrechen.

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