Dosenpfand drückt den Umsatz
Katerstimmung bei Brauerei-Werten

Der Getränkekonzern Brau und Brunnen bleibt vorerst in der Hand der Hypo-Vereinsbank. Diese Nachricht sorgte bei den Papieren des Dortmunder Unternehmens für kräftige Verluste. Ein ähnliches Schicksal könnte auch den Holsten-Aktionären bevorstehen. Denn in dem Aktienkurs der Hamburger Brauerei sind die Spekulationen um einen Verkauf längst eingepreist.

DÜSSELDORF. Die rasanten Zuwächse der Brauwerte in den letzten Monaten seien ohnehin fast ausschließlich mit Übernahmephantasien zu begründen, erklärt Jochen Intelmann von der Hamburger Sparkasse. Das bestätige auch der Blick auf die Kurse. Seit Jahresanfang legten die Titel von Brau und Brunnen bis zu dem Einbruch vor zwei Tagen um gut 70 Prozent zu. Die Holsten-Aktie notiert zwar mit 35 Euro deutlich unter dem Jahreshoch von 50,20 Euro, ist aber immer noch beinahe doppelt so teuer wie vor einem Jahr. Erstaunlich, gerade da das Geschäft mit dem Gerstensaft immer schwieriger wird. „Fast die gesamte Branche klagt über Absatzeinbrüche“, sagt Intelmann.

Analysten mahnen daher auch bei Holsten zur Vorsichtig – obwohl sich eine Einigung zwischen dem Hauptaktionär Christian Eisenbeiss, der sich von seinen Anteilen trennen möchte, und den potenziellen Käufern abzeichnet. „Die Übernahmephantasien sind längst eingepreist“, meint Intelmann. Außerdem sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Ein plötzlicher Abbruch – ähnlich wie bei den Gesprächen über Brau und Brunnen – ist nicht auszuschließen.

Auch Jens Jung, Analyst bei Independent Research, sieht derzeit das Risiko überwiegen. „Die Aktie bleibt eine reine Wette“, meint der Finanzexperte. Sollte die Übernahme jedoch scheitern, könne der Kurs leicht wieder unter die 30-Euro-Marke fallen. Vor allem, da keine andere Brauerei stärker unter dem Dosenpfand leidet. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres gingen die Umsätze der Dortmunder um elf Prozent zurück, der Gewinn brach um die Hälfte ein.

Selbst wenn es zu einem Verkauf käme, sind nach Meinung der Analysten die Chancen begrenzt. Einen Preis von über 50 Euro, der nach letzten großen Akquisitionen in der Bierbranche für die Holsten-Papiere errechnet wurde, hält Intelmann für „kaum mehr vorstellbar“. Für Jung ist ein Wert um die 40 Euro realistisch. Von Brau und Brunnen raten beide Finanzexperten derzeit ab. „Der Abwärtstrend wird wohl erstmal anhalten, denn die Zeit der großen Spekulationen ist vorerst vorbei“, meint Jung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%