Drang an die Börse
Turbulenzen motivieren IPO-Kandidaten

Die jüngsten Turbulenzen an der Börse sowie das enttäuschende Debüt von Air Berlin scheinen IPO-Kandidaten nicht abzuschrecken. Im Gegenteil: Der Zustrom von Unternehmen an die Börse setzt sich fort. Allein im Juni werden mindestens vier Börsengänge im Volumen von mehr als 100 Millionen Euro erwartet.

HB FRANKFURT. „Vorausgesetzt die Aktienmärkte stabilisieren sich wieder, könnte ich mir bis zur Sommerpause bis zu zehn IPOs vorstellen“, sagte Martin Hörstel, der bei der Deutschen Bank das Geschäft mit Börsengängen mit verantwortet. Die Angst vor steigenden Zinsen hat Anleger rund um den Globus an den vergangenen Tagen zu Verkäufen veranlasst und die Börsen auf Talfahrt geschickt. Sollten sich die Märkte nicht wieder fangen, „dann wird es sicherlich schwer, Unternehmen an die Börse zu bringen“, räumte Hörstel ein.

Nach Einschätzung von Mark Pohlmann, der bei der Schweizer Großbank UBS die Verantwortung für Börsengänge in Deutschland innehat, müsste sich die Talfahrt an den Aktienbörsen schon beschleunigen, um den Nachschub an Börsenkandidaten versiegen zu lassen. „Genügend Liquidität auf Seiten der institutionellen Anleger ist vorhanden, um Börsenneulinge mit Emissionsvolumen jenseits der 100 Millionen Euro gut aufzunehmen.“ Fondsmanager Thomas Radinger von Activest sieht das Klima für Neuemissionen weiterhin gut. „Die Kurskorrektur hilft, wieder zu vernünftigen Preisvorstellungen zu kommen“, sagte er.

Als heiße Kandidaten für eine Börsennotiz im Juni gelten der der Kranhersteller Demag Cranes und der Stahlhändler Klöckner & Co. (KlöCo). Die Aspiranten dürften jeweils rund 500 Millionen Euro über den Kapitalmarkt einsammeln und damit zu den größten Neuemissionen des Jahres zählen. Auch der Baumaschinenhersteller Wacker Construction und der Tiefbau-Spezialist Bauer stehen in den Startlöchern. Auch hier erwarten Experten Emissionsvolumina im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. In dieser Größenordnung könnte auch die Emission der Pfalz-Flugzeugwerke (PFW) liegen. Allerdings müsste der Flugzeugzulieferer Finanzkreisen zufolge ziemlich aufs Tempo drücken, will er noch im Juni den Sprung auf das Börsenparkett schaffen. Auf dem Kurszettel erscheinen dürfte im ersten Halbjahr aber wohl die Nanotechnologiefirma ItN Nanovation.

Die Investoren sind freilich nicht gewillt, jede Preisvorstellung eines Börsenaspiranten auch anzunehmen. Dies hatte die Billigfluggesellschaft Air Berlin erfahren müssen. „Air Berlin hat gezeigt, dass die Anleger kritischer geworden sind und nicht jede Preisspanne akzeptieren“, sagt Fondsmanager Stefan Groskreutz von Nordinvest. Den holprigen Börsengang von Deutschlands zweitgrößter Airline sieht Hörstel aber nicht als Belastung für andere Börsenkandidaten. „Das Börsenklima hat sich nicht verschlechtert, nur weil die Aktie von Air Berlin nicht wieder den Ausgabepreis erreicht hat.“ Die Fluggesellschaft hatte trotz einer teuren Werbekampagne mit dem Fernsehmoderator Johannes B. Kerner nur schleppend Investoren gewonnen und musste die Preisspanne für ihre Aktien senken. Mit 9,81 Euro liegen die Papiere zwei Wochen nach dem Börsendebüt 18 Prozent unter dem Zuteilungspreis von zwölf Euro.

Aber nicht nur Air Berlin hat die Anleger enttäuscht. Die Aktien des Anbieters von Multimedia-Software Magix notieren rund 43 Prozent unter dem Zuteilungspreis. Deutliche Kursgewinne haben hingegen die Titel des Chemieriesen Wacker Chemie, mit einem Emissionsvolumen von 1,2 Milliarden Euro der bislang größte Börsengang in diesem Jahr, verbucht: knapp elf Prozent stehen zu Buche. Auch die Aktien von Patrizia Immobilien legten seit ihrem Debüt Ende März fast 13 Prozent zu. „Qualität wird nach wie vor gekauft“, sagt Pohlmann.

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