Drastische Prognosesenkung
Aktie von Solar Millennium stürzt ab

Gute Nachrichten aus dem Solarsektor sind selten geworden. Doch kein Unternehmen schockt seine Anleger in letzter Zeit so verlässlich wie Solar Millennium. Heute kommt die nächste Hiobsbotschaft: Der Konzern streicht Umsatz- und Ergebnisprognose radikal zusammen. Die Aktie bricht ein.
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HB DÜSSELDORF. Eine drastisch gekürzte Umsatzprognose hat die Aktien von Solar Millennium auf Talfahrt geschickt. Die Papiere des in keinem großen Index notierten Solarunternehmens rutschten zum Handelsauftakt um 15 Prozent auf 15,80 Euro ab. Dabei hatte sich das Papier nach einem heftigen Rückschlag im September gerade erst wieder etwas berappelt. Im Handelsverlauf konnte sich die Aktie etwas erholen, lag gegen 10.30 Uhr bei 17,20 Euro aber nach wie vor gut sieben Prozent im Minus.

Doch mit der zweiten Prognosenkung binnen eines Monats dürfte Solar Millennium das Vertrauen der Anleger endgültig zerstört haben. Statt 350 Mio. Euro erwartet das Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr nur noch einen Umsatz von 150 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) werde voraussichtlich "neutral bis leicht negativ" ausfallen, hieß es.

Mitte September hatte Solar Millennium seine Ergebnisprognose wegen deutlicher Verluste im zweiten Quartal um 50 Prozent auf 30 Mio. Euro zusammengestrichen. Damals betonte das Unternehmen allerdings seine Umsatzprognose, weil in den kommenden Wochen wesentliche Geschäftsabschlüsse erfolgen sollten. Der Vorstand hatte allerdings damals bereits eingeschränkt, dass es zu deutlichen Abweichungen von der Prognose kommen könnte, falls es weitere Projektverzögerungen geben sollte.

Genau das ist jetzt eingetreten. Als Grund für den drastischen Schritt nannte der Vorstand am Mittwoch Verzögerungen beim Finanzierungsabschluss für geplante Solarkraftwerke in Kalifornien. "Das ist eine furchtbare Nachricht, insbesondere im Hinblick darauf, dass sie kürzlich ihre Prognose bestätigt hatten", sagte ein Händler des Brokerhauses Alpha in einer ersten Reaktion. Es könne der Beginn eines ernsthaften Kursrückganges bei den Aktien des Unternehmens sein.

Die Titel hatten zu Jahresbeginn noch rund 45 Euro gekostet. Doch seither hagelte es Hiobsbotschaften, das Unternehmen rutschte ins Chaos: Im März trat der als Hoffnungsträger gestartete Vorstandschef Utz Claassen nach nur 74 Tagen im Amt zurückgetreten. Das Intermezzo beschäftigt mittlerweile die Gerichte, unter anderem geht es um die Frage, ob Claassen eine millionenschwere Antrittsprämie zurückzahlen muss.

Das Unternehmen musste sich zudem mit Vorwürfen möglicher Bilanzierungsfehler in der Vergangenheit auseinandersetzen. Um die Zweifel an seinen Jahresabschlüssen auszuräumen, hatte Solar Millennium eine Sonderprüfung der Konzernabschlüsse veranlasst.

Analyst Sebastian Zank von der WestLB hatte erst vor einigen Wochen betont, es blieben weiterhin deutliche Risiken bei der Aktie und die kurzfristigen Aussichten seien eher düster.

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  • "gk", Sie sollten über einige vermeintliche Fakten neu nachdenken - denn sie stimmen nicht! ich beschränke mich hier und zu dieser Stunde auf das Thema Klima und CO2 - lesen Sie gern unsere Studie dazu ("Klimaretter"), die gibt's zum Download auf unserer Website.

    Klaus Ermecke
    KE Research
    Oberhaching

  • Ja, es ist schon sehr merkwürdig wie vermeintliche "Hiobsbotschaften" dargestellt werden. Was ist denn wirklich passiert - zum wiederholten eigentlich nichts. Der Auftrag ist da und wird eben kurz nach dem Stichtag verifiziert - na und?
    im übrigen wird Wind und Sonne (was hat diese bemerkung hier eigentlich verloren) längst als sehr effiziente Methode angesehen. Genau deswegen kaufen grosse Unternehmen fertige Parks ein. Solarhermie - um die es hier geht! wird in Californien eben nicht in der Art gefördert wie hier - sie ist effizient.

  • "Energiewirtschaftlich sind Windmühlen und Solaranlagen ohne Nutzen" Das gleiche konnte man Jahrzehntelang über Atomkraft und viele anderen heute selbstverständlichen und profitablen Technologien sagen. Andererseits sind gewisse Fakten sicher, zb die begrentzheit von Rohstoffen, die begrentzheit der folgenlosen CO2 Aufnahmefähigkeit der Atmostphäre, die Unmöglichkeit der sicheren Endlagerung, die begrentzheit nuklearer brennstoffe, und nichtzuletzt die begrentzheit der intelligenz und Weitsicht vieler Zeitgenossen

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