Edag
Autoentwickler setzt Schlusspunkt hinter Börsengänge

Nach starken Kursschwankungen sah es zuletzt so aus, als ob 2015 niemand mehr an die Börse geht. Doch mit Edag will nun doch noch ein Unternehmen den Schritt wagen. Dabei braucht der Autoentwickler gar kein Kapital.

FrankfurtDer hessische Autoentwickler Edag setzt den Schlusspunkt unter den großen Börsengängen in diesem Jahr. Weder von Kursschwankungen an den Märkten, noch von Verschiebungen oder der schlechten Entwicklung vieler Aktien seit der Erstnotiz lässt sich das Unternehmen abschrecken und will Aktien im Volumen von bis zu 241,5 Millionen Euro platzieren. Das Unternehmen legte am Freitag die Preisspanne zwischen 19 bis 24 Euro fest, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Die Aktien können von Montag an bis zum 1. Dezember gezeichnet werden. Die Erstnotiz ist für den 2. Dezember im regulierten Markt an der Börse, dem Prime Standard, geplant. Der Konzern wird beim Börsengang mit bis zu 600 Millionen Euro bewertet.

Der Ingenieurdienstleister entwickelt mit 7600 Mitarbeitern im Auftrag von Auto- und Lkw-Herstellern sowie Zulieferern ganze Fahrzeugmodelle oder Komponenten und konzipiert zusätzlich den Produktionsablauf. Edag gehört zu den drei größten deutschen Outsourcing-Dienstleistern für die Autoentwicklung. Der Rivale Bertrandt ist bereits an der Börse notiert und wird dort mit gut 1,1 Milliarden Euro bewertet. Edag hat das erste fahrbare Auto in Originalgröße produziert, das aus dem Drucker kommt und aus einer Mischung aus Kunststoff und Metall besteht. Bezogen ist das Ganze mit einer Stoffaußenhaut von Jack Wolfskin, angetrieben wird es von einem Elektromotor. Der Prototyp hat auf dem Genfer Automobilsalon für so viel Aufsehen gesorgt, dass selbst der Verwaltungsratsvorsitzende von Edag, Thomas Eichelmann, einen Termin braucht, um ihn anschauen zu können.

Mit dem Börsengang von Edag verspricht das Jahr 2015 das beste Jahr für Börsengänge in Deutschland seit dem Boom-Jahr 2007 zu werden. Damals lag das Emissionsvolumen bei 7,85 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr haben trotz zeitweise großen Turbulenzen einschließlich der Hessen 14 Unternehmen ein Initial Public Offering oder IPO gewagt, wie es im Fachjargon heißt. Dabei wurden Aktien für über sieben Milliarden Euro verkauft. Zu den großen Emissionen zählte etwa die Bayer-Tochter Covestro mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro, auch wenn zunächst eine Milliarde mehr eingeplant war.

Der Versender von Lebensmittelboxen, Hello Fresh, wollte ursprünglich auch im Dezember noch den Schritt auf das Parkett wagen, verschob das IPO dann aber auf das nächste Jahr. Es wird in Bankenkreisen damit gerechnet, dass das Unternehmen erst wieder im März oder April einen neuen Vorstoß unternimmt, wenn die testierten Geschäftszahlen für das Gesamtjahr vorliegen. Früher im Jahr sind Neuemissionen selten. Das Volumen der Emission soll bei bis zu einer halben Milliarde Euro liegen.

Edag ist eine Beteiligung der Familienholding Aton, deren Geschäftsführer Eichelmann ist. Die Holding des Arztes, Investors und ehemaligen Eigentümers der Helios-Kliniken, Lutz Helmig, will mit dem Geld aus dem Börsengang die beiden Bereiche Mining und Medizintechnik stärken, die neben Edag stehen. Insgesamt verkauft Aton bis zu 40,25 Prozent des Aktienkapitals von Edag.
Edag selbst braucht zwar kein frisches Kapital. Das könnte sich aber ändern, wenn es im Markt für Ingenieurdienstleistungen zu einer Konsolidierung kommt. Dann will Edag in der Spitzengruppe mitmischen. Eichelmann drückt sich so aus: „Der Börsengang ist für Edag der richtige Schritt, um gemeinsam mit dem langfristig orientierten Anteilseigner Aton und den neuen Anteilseignern die erfolgreiche Wachstumsstrategie mit Nachdruck fortzusetzen.“ Das nötige Geld für eine Übernahme am Kapitalmarkt aufzunehmen, sollte Edag nach dem Börsengang nicht schwer fallen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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