EDF-Aktie
Frankreichs Stromgigant nur noch zweitklassig

Harte Zeiten für Europas größtes Energieversorgungsunternehmen: Seit Jahresanfang verlor EDF mehr als 40 Prozent an Börsenwert, nun fliegt das Unternehmen aus dem französischen Leitindex CAC 40.

ParisEine Blamage für den größten Versorger Europas: Frankreichs Börse wirft EDF aus dem Leitindex CAC 40. Der wissenschaftliche Ausschuss von Euronext, der regelmäßig  jedes Vierteljahr die Zusammensetzung der wichtigsten Indizes überprüft, traf am Montagabend die Entscheidung. Sie ergibt sich aus der Anwendung der regulären Kriterien, deren wichtigste die Börsenkapitalisierung und das Handelsvolumen sind. EDF wird zum Verhängnis, dass der free float nur sehr gering ist, 84,5 Prozent der Aktien sind in den Händen des Staates. Da der Aktienkurs von EDF seit Anfang des Jahres um mehr als 41 Prozent gefallen ist, musste sich irgendwann die Falle schließen: Der Stromgigant wurde börsentechnisch zum Leichtgewicht – und muss nun zum 21. Dezember der auf Einkaufszentren spezialisierten Investmentgesellschaft Klépierre weichen.

Unangenehm für EDF ist, dass die Entscheidung mitten während der Klimakonferenz COP21 in Paris fällt. Denn die wollte der Versorger nutzen, um sich vor der Weltöffentlichkeit als Unternehmen dazustellen, das sich stark für erneuerbare Energien engagiert. Am vergangenen Donnerstag wurde der Bau eines neuen Windparks in den USA bekannt gegeben, am heutigen Dienstag teilte der Konzern mit, dass er einen dritten Windpark in Südafrika aufbaut. Damit wird die Kapazität seiner Windanlagen dort auf 100 Megawatt steigen, das ist immerhin ungefähr ein Zehntel eines modernen Atomkraftwerks.

Die Atomkraft und ihre komplexen Verästelungen in Frankreich aber sind es, die letzten Endes zum Rauswurf von EDF aus dem CAC 40 geführt haben. Seit dem Frühjahr drängte der Staat darauf, dass EDF einen großen Teil der Aktivitäten des faktisch von der Pleite bedrohten AKW- und Brennstoffherstellers Areva übernehmen solle.

EDF-Chef Jean-Bernard Lévy aber wollte sich dieses Problem nicht auch noch ans Bein binden, er hat bereits genug zu tun mit dem Desaster eines Reaktorneubaus in Flamanville an der Kanalküste. Der Staat aber ließ nicht nach, und so wurde im Juli eine erste Einigung erzielt. Im Oktober bestätigte Lévy, dass EDF „gegen Ende nächsten Jahres“ die Areva-Aktivitäten für den Reaktorbau für 2,7 Milliarden Euro übernehmen würde – Geld, das EDF dringend braucht für die anstehende Generalüberholung seines alternden Kraftwerksparks. Der wenig sanfte Druck des Staates auf EDF und die damit einhergehenden finanziellen Belastungen sind die wichtigste Erklärung für die Flucht vieler Anleger aus der Aktie und den sackenden Börsenkurs.

EDF reagierte am Dienstagvormittag mit einer Stellungnahme: Der relativ geringe Freefloat erkläre die Entscheidung von Euronext. „EDF bleibt aber ein Trumpf für die französische Volkswirtschaft.“ Ein Sprecher hob hervor, dass das Unternehmen im „Next 20“-Index sei, einer Art Pool, aus dem man wieder in den CAC 40 zurückkehren kann. Es gebe außerdem keine Zweifel an den finanziellen Zielen des Unternehmens.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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