Einigung ist nicht abzusehen
Streik kostet nordische Papierkonzerne täglich Millionen

Ein Streik in den Papierwerken der großen finnischen Forstkonzerne UPM, M-Real und Stora Enso sorgt für Aufregung in der gesamten Branche. Finnland ist nach Kanada und vor Deutschland der weltweit zweitgrößte Papier- und Kartonagenexporteur.

HB STOCKHOLM. Der Konflikt, bei dem es um eine von den Arbeitgebern geforderte Verlängerung der Jahresarbeitszeit geht, kann nach Ansicht der HSH Nordbank im schlimmsten Fall zu einer Papierknappheit auf dem Weltmarkt führen.

In jedem Fall belastet der Streik den gesamten Sektor, zumal Sympathie-Aktionen in anderen Ländern nicht auszuschließen sind. Die finnischen Gewerkschaften haben in den vergangenen Wochen bereits mehrfach die Werke von UPM, M-Real und Stora Enso bestreikt, die Arbeitgeber drohen ihrerseits mit einer zweiwöchigen Aussperrung ab dem 18. Mai, sollten auch die Schlichtungsverhandlungen scheitern. Für die Papierindustrie kommt der Streik zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Durch Überkapazitäten und in der Folge niedrige Papierpreise haben die Großen der Branche mit ihren Ergebnissen für das erste Quartal des Jahres bereits enttäuscht. Die Aktienkurse der Branchenführer Stora Enso, UPM, aber auch von SCA aus Schweden, gaben Anlegern in den vergangenen Monaten wenig Anlass zur Freude.

„Der Streik kostet sehr viel Geld“, sagt Olof Grenmark, Forstanalyst bei Handelsbanken Capital Markets in Stockholm. Tatsächlich rechnet Stora Enso (bisher neun Streiktage) mit Einnahmeverlusten von täglich rund drei Mill. Euro, UPM (sieben Streiktage) geht sogar von fünf bis sechs Mill. Euro Verlust je Streiktag aus. „Der Konflikt hat deshalb vor allem einen negativen Einfluss auf das zweite Quartal“, sagt Grenmark.

Die nordeuropäische Forstindustrie hat im vergangenen Jahr besonders unter der konjunkturellen Flaute gelitten. Hinzu kam ein schwacher Dollar, gegen dessen lange Abwärtsfahrt auch die besten Absicherungsmechanismen versagen. Gleichzeitig hatten die großen Konzerne während der Hochkonjunktur vor fünf Jahren ihre Produktionskapazitäten ausgebaut, so dass heute bei schwächerer Nachfrage nach Papier Überkapazitäten auf dem Weltmarkt herrschen. „Es gibt Leute, die zynisch sagen, der Streik sei gut, weil durch ihn die Überkapazitäten abgebaut werden können und der Druck auf die Preise nachlässt“, sagt Grenmark, unterstreicht aber, dass er diese Meinung nicht teilt. Die Effekte des Konfliktes in der finnischen Papierindustrie seien nur kurzfristig.

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