Einschätzungen der Analysten schwanken mit den Ölprognosen – Chancen durch Zukäufe in Russland und Libyen
Italienische Eni ist bei Experten beliebt

Der italienische Energieversorger Eni hat mit seinen jüngsten Quartalszahlen die Erwartungen der Finanzmärkte weit übertroffen. Der Aktie des weltweit sechstgrößten Ölkonzerns hat dies allerdings bisher nur wenig genutzt.

DÜSSELDORF. Zum Wochenende stand der Wert unter Druck; belastend wirkte sich vor allem der Rückgang der Rohölpreise aus. Die Analysten-Meinungen gehen für Eni weit auseinander, mehrheitlich wird jedoch zum Kauf der Aktie geraten.

Im dritten Quartal hatte Eni seinen Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 75 Prozent auf 1,67 Mrd. Euro gesteigert. Analysten hatten für den italienischen Konzern, der sich noch zu 30 Prozent in Händen des Staates befindet, überwiegend nur einen Reingewinn von 1,3 bis 1,35 Mrd. Euro vorhergesagt. Als Treiber für das Ergebniswachstum hatte Vorstandschef Vittorio Mincato den hohen Ölpreis, bessere Margen der Raffinerien und die insgesamt gesteigerte Produktion von Rohöl und Erdgas verwiesen. Diese glichen auch die Belastungen durch den steigenden Euro-Kurs aus.

In den vergangenen Monaten sind die Rohölpreise nahezu täglich auf neue Höchststände gestiegen. Den Preisanstieg hatten angesichts geringer freier Förderkapazitäten Versorgungsängste ausgelöst. Diese Sorgen erhielten stets zusätzliche Nahrung. Dazu zählten die verringerte Produktion am Golf von Mexiko in Folge von Wirbelstürmen ebenso wie die instabile Lage im Irak und in Nigeria. Doch auch die nach wie vor ungelöste Situation bei der russischen Gesellschaft Yukos hatte mehr als einmal einen Preisschub ausgelöst.

Der Preis für das europäische Brentöl war vor diesem Hintergrund in der Spitze auf rund 52 Dollar je Barrel gestiegen. Inzwischen sind die Notierungen deutlich gefallen. Am Freitag kostete Brentöl weniger als 42 Dollar.

Dieser Preisrückgang weckt bei Dennis Nacken, Ölanalyst bei Helaba Trust, einige Skepsis für die Eni-Aktie. „An den Rohölmärkten ist die Trendumkehr bereits eingeleitet“, davon sei auch die Aktie des italienischen Konzerns betroffen. Nacken hat errechnet, dass ein Ölpreisrückgang von einem Dollar bei Eni zu einer Verringerung des Nettogewinns um rund 160 Mill. Euro führt. Im Vergleich zu den Aktien anderer Ölgesellschaften sei Eni zudem stark im Versorgerbereich tätig und damit eher defensiv aufgestellt. Zudem erwartet der Helaba-Experte am liberalisierten Gasmarkt in Italien weitere Margenrückgänge. „Der Druck wird bleiben, mit den Tarifen weiter herunterzugehen“, sagt Nacken, der für die Aktie „kein Potenzial“ sieht und anders als viele seiner Kollegen zum Verkauf rät.

Folgt man Katja Blanke von der Landesbank Rheinland (LRP), sind die Sorgen mit Blick auf die fallenden Rohölnotierungen hingegen übertrieben. Zuletzt habe Eni mit Rohölpreisen von durchschnittlich 38 Dollar je Barrel kalkuliert. Die LRP-Analystin lobt darüber hinaus den „sehr positiven Ausblick“ des italienischen Konzerns; die enttäuschenden Marktreaktionen sind für sie nicht nachvollziebar. Blanke hält Eni-Aktien für unterbewertet und bestätigte nach den Quartalszahlen ihre Aktieneinstufung mit „marketperformer“ (durchschnittlich mit dem Markt). Das Kursziel setzt sie bis Ende 2005 auf 21 Euro fest.

Zusätzliche Phantasie bietet laut Blanke, dass Eni durch Zukäufe wachsen will. Mitte Oktober hatte der Konzern ehrgeizige Expansionspläne in Russland und Libyen bestätigt. Doch an der Börse hatte die Aktie daraufhin ihren steilen Kursanstieg seit Anfang September erst einmal gestoppt. Die LRP-Expertin würde ein Russland-Engagement grundsätzlich positiv sehen. „Dort liegt die Zukunft für Ölwerte“, sagt Blanke. Nacken von der Helaba ist dagegen vorsichtiger. „Es besteht die Gefahr, dass überteuert zugekauft wird“, sagt er.

Sehr optimistisch sind die Analysten der Société Générale (SG) für die Eni-Aktie eingestellt. „Auf dem Öl-Sektor bleibt Eni unsere bevorzugte Aktie“, unterstreicht Jean-Philippe Lavenir. Laut SG bietet Eni die besten Renditechancen der Branche. Und auch mit Blick auf die Produktion sehen die SG-Experten bei den Italienern das größte Wachstumspotenzial.

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