Einzelhändler
Kauflust der Chinesinnen stärkt Folli Follie

Analysten loben das griechische Unternehmen Folli Follie für seine Auslandsexpansion, ein Kursrückschlag lockt nun auch noch zum Einstieg.

ATHEN. Seit Jahren gehörte die Aktie des griechischen Schmuck- und Accessoire-Einzelhändlers Folli Follie zu den Favoriten der Analysten. Zuletzt hat das Papier den Anlegern aber wenig Freude bereitet: Seit Anfang Februar gab die Aktie über 30 Prozent nach. Aktuell notiert sie bei 17,50 Euro – und ist damit nach Meinung vieler Analysten wieder attraktiv. Das Wachstumspotenzial des Unternehmens, das vor allem in Asien expandiert, gilt als groß.

Das 1982 vom heutigen Vorstandschef Dimitris Koutsolioutsos und seiner Frau Ketty mit einem kleinen Laden in Athen gestartete Unternehmen unterhält heute mehr als 310 Verkaufsstellen in 22 Ländern. Kernprodukt ist Modeschmuck, auf den 64 Prozent des Umsatzes entfallen. Daneben spielen Uhren und Handtaschen im Sortiment eine immer größere Rolle.

Schon 1995 entdeckte Koutsolioutsos den japanischen Markt. 2005 machte Folli Follie bereits zwei Drittel des Gesamtumsatzes in Asien. Zum Gewinn trägt die Region wegen der höheren Margen überproportional bei. Wichtigster Einzelmarkt ist weiter Japan mit einem Umsatzanteil von 24 Prozent, „aber China wird in den nächsten Jahren am stärksten wachsen“, prognostiziert Vizepräsident George Koutsolioutsos, ein Sohn des Firmengründers.

Bis zum Olympia-Jahr 2008 will Folli Follie das Vertriebsnetz in China von heute 62 auf 150 eigene Shops ausbauen. „Eine berufstätige Chinesin, die monatlich umgerechnet etwa 500 bis 600 Dollar verdient, gibt im Schnitt 70 Prozent davon für den persönlichen Bedarf wie Kleidung, Schmuck und Körperpflege aus“, sagt Koutsolioutsos. In Mittelmeerländern wie Griechenland, Italien und Spanien seien es nur etwa 17 Prozent.

Um die Auslandsexpansion zu finanzieren, ging Folli Follie 1997 an die Börse. 50,05 Prozent der Aktien hält die Familie, die restlichen 49,95 Prozent liegen zu fast zwei Dritteln bei ausländischen institutionellen Anlegern.

Irritiert reagierten einige Analysten jüngst auf die Entscheidung des Unternehmens, für knapp 203 Mill. Euro weitere 24,67 Prozent am Einzelhändler Hellenic Duty Free Shops (HDFS) zu übernehmen, an dem Folli Follie bereits seit 1999 eine Minderheitsbeteiligung hielt. Die erhofften Synergien erschließen sich nicht allen Experten: Die Deutsche Bank stufte das Kursziel für Follie Follie im Juni gleich zwei Mal auf jetzt 16 Euro herab und empfiehlt den Verkauf der Aktie. Das brachte die Papiere zusätzlich unter Druck, nachdem der Kurs bereits Ende März wegen eines verfehlten Gewinnziels für 2005 auf Talfahrt gegangen war.

Griechenlands größtes Brokerhaus P&K sieht die Beteiligung an HDFS dagegen positiv und empfiehlt, Folli Follie „überzugewichten“. Auch Ralph Luther, der beim Bankhaus Berenberg den griechischen Markt beobachtet, hält Folli Follie für einen klaren Kauf: Mit einem KGV von neun auf Basis der für 2007 Gewinne und 7,5 für 2008 sei die Aktie „unerhört preiswert“. Die Prognosen des Managements, das für 2006 ein Gewinnwachstum von nur acht Prozent ansetzt, hält Luther außerdem für „sehr konservativ“.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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