Einzelhandels-Aktien haben bereits deutlich zugelegt – Nun muss das vierte Quartal die Erwartungen bestätigen
Analysten hoffen auf Weihnachtsgeschäft

Die Aktien der drei großen deutschen Einzelhandelskonzerne Karstadt- Quelle, Metro und Douglas haben im Jahr 2003 trotz Umsatzeinbußen hervorragend abgeschnitten. Die Einschätzung von Analysten bezüglich der Entwicklung der Aktien fallen indes unterschiedlich aus.

DÜSSELDORF. Pünktlich zum Start in das wichtige Weihnachtsquartal hagelt es erst einmal Hiobsbotschaften: Der Umsatz der deutschen Einzelhändler ist im August um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Dies meldete am 1. Oktober das Statistische Bundesamt. Am gleichen Tag prognostizierte der Hauptverband des Einzelhandels (HDE) für das gesamte Jahr ein Umsatzminus von einem Prozent.

Die Aktien der drei großen deutschen Einzelhandelskonzerne Karstadt- Quelle, Metro und Douglas haben im Jahr 2003 dennoch hervorragend abgeschnitten. Während der Dax seit Jahresbeginn um 17 Prozent zulegen konnte, gewann der Branchenindex Prime Retail für deutsche Einzelhandelswerte im gleichen Zeitraum 38 Prozent.

„Große Filialisten wie Douglas und Metro profitieren gerade in der Krise vom Trend zur Verdrängung und Konzentration auf gute Innenstadtlagen“, analysiert Jürgen Elfers von Commerzbank Securities die Lage. So haben die Hälfte aller Geschäfte in guten Innenstadtlagen ihre Umsätze dank der längeren Öffnungszeiten am Samstag gesteigert, in ländlichen Gebieten hingegen nur neun Prozent. Das stimmt die großen Drei optimistisch für das wichtige Weihnachtsgeschäft an den Adventssamstagen. „Und das Tempo der Konsolidierung nimmt zu“, sagt Elfers. Zudem könnte die nächste Stufe der Steuerreform den Konsumenten im kommenden Jahr gut sechs Mrd. Euro mehr in der Tasche lassen.

Hoffen auf Weihnachten hat für Aktionäre der Douglas Holding Tradition: Im vierten Quartal erwirtschaftet der Konzern mit seinen geschenkorientierten Segmenten Parfümerie (Douglas), Schmuck (Christ) und Büchern (Thalia) seinen gesamten Jahresüberschuss. In den ersten drei Quartalen fährt Douglas fast immer Verluste ein. Nach der jüngsten Kursrally mehren sich kritische Stimmen. „Wir haben die Aktie von „Kaufen“ auf „Neutral“ herabgestuft, „weil sie einerseits schon stark gestiegen ist und andererseits die Steuerreform doch noch verzögert werden könnte“, sagt UBS-Analyst Stefan Hofacker. Optimistischer ist Markus Bär von Commerzbank Securities, der zum Kauf rät. „Douglas ist eine der interessanten Aktien, um auf einen Aufschwung zu setzen“, sagt Bär. Das von ihm für 2004 erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 sei „moderat“.

Der Metro-Konzern hingegen besetzt mit seinen Cash&Carry-Großmärkten für Kunden mit Händlerscheinen und mit seinen Elektronikmärkten (Saturn, Mediamarkt) Segmente des Einzelhandels, die auch in der Konjunkturkrise mit Wachstumsraten glänzen. Der größte deutsche Handelskonzern erzielt über die Hälfte seines Umsatzes im Ausland und will vor allem in den wachstumsstarken Märkten in Osteuropa und Asien expandieren. Seit dem Tiefstkurs im März mit 16 Euro legte Metro eine Verdopplung auf das Börsenparkett.

„Metro muss nun die starke Entwicklung des Aktienkurs durch ebenso starke Zahlen untermauern“, sagt Barbara Ambrus, Analystin der Landesbank Baden-Württemberg. „Entscheidend für die Entwicklung ist die Expansionspolitik des Konzerns im Ausland“, sagt Analyst Sascha Tinnefeld von der WGZ-Bank. Er rät zum Akkumulieren, denn „die Expansion der Bereiche Cash & Carry sowie der Elektronikmärkte verläuft weiterhin erfolgreich.“ Im Schnitt rechnen die Analysten für das laufende Geschäftsjahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 und für 2004 von 19.

Stärker am Weihnachtsgeschäft als Metro hängt Karstadt-Quelle. Der Konzern erzielt drei Viertel des Umsatzes in Deutschland und erhielt mit einem fulminanten Kursanstieg von 10 Euro im März auf inzwischen 23 Euro einen Vertrauensvorschuss. Zuletzt belasteten schwache Ergebnisse von Thomas Cook, dem Joint Venture mit Lufthansa, den Konzern. Eine Lösung für die Verlustbringer wie die kleineren Warenhäuser des Konzerns steht jedoch noch aus. „KarstadtQuelle wird vom Aufschwung profitieren. Dennoch verliert der Konzern gegenüber spezialisierten Einzelhändlern weiter an Boden. Auch die Profitabilität ist im Vergleich zu den Wettbewerbern schwach“, urteilt Commerzbank-Analyst Bär. Zehn von zwanzig Analysten raten zum Verkauf, sie erwarten für 2004 im Schnitt ein KGV von 17.

Versüßen können sich Aktionäre das Warten auf Weihnachtsgeschäft und Aufschwung mit ansehnlichen Ausschüttungen. Für Metro und Karstadt- Quelle ergibt sich für das laufende Jahr eine Dividendenrendite von 3,1 Prozent, während die Douglas sogar mit 3,7 Prozent rentiert.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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