Emissionsgeschäft
Liquidität treibt Firmen an die Börse

Großinvestoren mit viel Geld halten nach interessanten neuen Aktien Ausschau und treiben das Geschäft mit Börsengängen (IPO) in Deutschland an. Besonders Hedge-Fonds spielen im Emissionsgeschäft eine immer bedeutendere Rolle.

Das ist der Tenor des „Frankfurter Gesprächs“ des Handelsblatts, bei dem namhafte Vertreter von Investmentbanken und Investoren diskutierten. Dabei spielt es keine Rolle, dass gerade deutschen Aktienfonds zuletzt weniger Mittel zugeflossen sind. „Das beeinflusst die Aktivität deutscher Fonds bei Thema IPO nicht“, sagte der Chef der Aktienanlage der Dekabank, Victor Moftakhar. Die hohen Dividendenausschüttungen kompensierten die Zurückhaltung der Anleger.

Im laufenden Jahr dürfte damit das Gesamtvolumen aller Emissionen erstmals seit dem Jahr 2000 wieder in den zweistelligen Milliardenbereich steigen, wenn auch das Rekordniveau aus dieser Zeit mit 32 Mrd. Euro in weiter Ferne bleibt.

Eine immer bedeutendere Rolle spielen im Emissionsgeschäft die Hedge-Fonds. „Hedge-Fonds können bei Neuemissionen mittlerweile eine signifikanten Anteil von 30 bis 40 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen“, sagt das Vorstandsmitglied bei Morgan Stanley in Frankfurt, Dirk Notheis. Das Vorurteil vieler Firmen, dass es Hedge-Fonds nur um den schnellen Euro gehe, sei längst überholt. „Viele Hedge-Fonds bleiben lange in Aktien von Börsenneulingen investiert und sind aktive Investoren“, berichtet Notheis. Wer erfolgreich an die Börse wolle, der müsse mit den Hedge-Fonds sprechen. Diese Meinung setzt sich auch mehr und mehr bei den Unternehmen durch: „Das Management von Börsenkandidaten ist oftmals von Hedge-Fonds begeisterter als von herkömmlichen Fondsgesellschaften“, sagt der Ko-Leiter deutsche Aktienemissionen bei der Deutschen Bank, Josef Ritter.

Bewusst sind sich alle Investoren, dass die Bewertungen der Börsenkandidaten nicht mehr so attraktiv sind, wie sie das noch im vergangenen Jahr waren. „Den Preis für Börsenneulinge bestimmen derzeit nicht die deutschen, sondern die angelsächsischen Investoren“, bringt es das Vorstandsmitglied der UBS in Frankfurt, Stefan Winter, auf den Punkt.

Dass das dem Interesse der Investoren keinen Abbruch tut, liegt vor allem am hervorragenden Ruf deutscher Aktien im Ausland. „Gerade angelsächsische Investoren interessieren sich derzeit sehr für den deutschen Markt“, beobachtet Dekabank-Fachmann Moftakhar. Dort hätten die Anleger ein optimistischeres Bild der konjunkturellen Lage in Deutschland, findet er. Einheimische Investoren sind da eher vorsichtiger. Weil sie den Markt dennoch noch nicht als überteuert betrachten, greifen sie weiter zu. Drei Gründe gibt es laut Moftakhar dafür: „Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Lage gesund, die Bewertungen sind günstig bis neutral, und die Bilanzen der Unternehmen sind intakt.“

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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