Ende der Haltefrist
Weiteres Desaster für Facebook-Aktie

Die Facebook-Aktien geraten zum Handelsauftakt in New York kräftig unter Druck. Experten rechnen damit, dass der Kurs sogar noch weiter abrutscht. Wenn die Investoren die Nerven verlieren.
  • 10

New YorkEine Schwemme frisch handelbarer Facebook-Aktien hat den Kurs des weltgrößten Online-Netzwerks tief ins Minus gedrückt. Am Donnerstag sank der Wert des Papiers um über sechs Prozent. Am Morgen war eine erste Haltefrist ausgelaufen. Nach dem Börsengang im Mai dürfen nun zahlreiche Alteigentümer weitere Aktien unters Volk bringen.

Insgesamt könnten bis zu 271 Millionen zusätzliche Aktien auf den Markt drängen. Das ist eine beträchtliche Anzahl: Beim Börsengang selbst waren 421 Millionen Aktien zu 38 Dollar verkauft worden. Schon am zweiten Handelstag war der Kurs aber eingebrochen und markiert seitdem immer neue Tiefstände. Am Vortag hatte die Aktie vom niedrigen Niveau aus um vier Prozent zugelegt.
Interessant ist diese zweite Welle an Anteilsverkäufen vor allem deshalb, weil viele Alteigner im Verwaltungsrat von Facebook sitzen, dem höchsten Firmengremium. Sie haben damit Einblick in den Geschäftsverlauf und die Zukunftsplanungen des weltgrößten Sozialen Online-Netzwerks. Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg darf allerdings zunächst keine weiteren Aktien verkaufen.
Im Handelsverlauf fiel das Papier unter die markante Marke von 20 Dollar und nahm zwischenzeitlich sogar Kurs auf das bisherige Allzeittief von 19,69 Dollar. Das bedeutet, dass Anleger, die das Papier zum Ausgabekurs gekauft hatten, inzwischen fast die Hälfte ihres Einsatzes verloren haben.

Zuletzt hatte sich vor allem als Problem erwiesen, dass immer mehr Nutzer mit ihren Smartphones auf Facebook zugreifen - auf den kleinen Bildschirmen lässt sich aber kaum Werbung unterbringen. Anzeigen sind die Haupteinnahmequelle von Facebook. Von den 955 Millionen Nutzern kommunizieren inzwischen 543 Millionen mobil mit ihren Freunden und Bekannten auf Facebook.

Manche nennen sie die Geier der Finanzmärkte, weil sie bereits sieche Unternehmen dem Tod noch ein Stück näher bringen. Andere halten sie für unverzichtbar, da sie wie ein Korrektiv gegen Übertreibungen und Finanzblasen wirken: Leerverkäufer, die mit fallenden Kursen Geld verdienen.

Eine wachsende Zahl so genannter Short Seller kreist nun seit ein paar Wochen um ein prominentes Opfer: die Facebook-Aktie. Wenn am heutigen Donnerstag die erste Haltefrist für Früh-Investoren des Sozialen Netzwerks ausläuft, könnten Millionen Papiere auf den Markt geschwemmt werden. Und tatsächlich rutscht der Kurs der Facebook-Aktie zum Handelsauftakt an der Nasdaq um gut fünf Prozent auf 20 Dollar ab.

Der Kurs droht sogar weiter weiter abzurutschen, denn es könnte die große Stunde der Leerverkäufer schlagen. Ihr Prinzip: Sie leihen sich Aktien und verkaufen sie sofort. Am Rückgabetermin müssen sie die Papiere dann nachkaufen – und ist der Kurs wie erhofft gefallen, ist die Differenz der Gewinn. 

Die Short Seller haben sich zuletzt offenbar gut eingedeckt: 97 Millionen Facebook-Aktien sind betroffen, meldet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf den Datenanbieter Markit, mehr als bei anderen Unternehmen im Vergleichsindex S&P 500. Im Vormonat waren es noch 63 Millionen. „Eine gute Position“, sagte ein Portfolio-Manager des Hedgefonds Connective Capital Management dem Blatt, „wenn man die Bewertung mit anderen Unternehmen wie Google und Apple vergleicht“. 

Werden die Untergangs-Propheten Recht behalten, wird der Kurs der Facebook-Aktie noch weiter einbrechen? Immerhin hat das Papier seit dem verkorksten Börsengang im Mai zum Ausgabepreis von 38 Dollar inzwischen fast die Hälfte an Wert verloren.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ende der Haltefrist: Weiteres Desaster für Facebook-Aktie"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++ Bitte achten Sie auf unsere Netiquette:

    „Nicht persönlich werden

    Ihre Kommentare sollten sich auf den jeweiligen Artikel oder das diskutierte Thema und niemals auf den dahinter stehenden Autor beziehen. Persönliche Angriffe gegen andere Nutzer oder soziale Gruppen, Beleidigungen und Diskriminierungen zum Beispiel aufgrund von Religion, Nationalität, sexueller Orientierung, Alter oder Geschlecht sind ausdrücklich nicht gestattet. Gleiches gilt für Verleumdungen sowie geschäfts- und rufschädigende Äußerungen sowie für die Veröffentlichung persönlicher und personenbezogener Daten Dritter. Bitte überlegen Sie zudem gut, welche Ihrer eigenen Daten Sie frei zugänglich ins Internet stellen.“
    (http://www.handelsblatt.com/impressum/netiquette/)

  • Ich wäre den Handelsblatt verbunden, wenn es die ersten vier Buchstaben des Namens dieser Firma endlich 'mal richtig buchstabieren würde.

    Es heißt: a-r-s-e-book.

    +++++

    Das Konzept besteht darin, Exemplaren der Gattung homo sapiens, denen der Übergang in die moderne Zivilisation schwer fällt, die elektronische Version eines steinzeitlichen Dorfes ohne jegliche Privatsphäre zur Verfügung zu stellen.

  • Unfug. Jeder Privatanleger kann über EUWAX, Scoach etc. Hebelzertifikte/Knock-outs/Short Mini Futures kaufen. In diesem Fall bspw. WKN CZ0L4L. Damit hätten Sie seit heute morgen gut 30% Gewinn vor Steuern gemacht. Aber bitte nicht beschweren, wenn der Kurs steigt und Ihr Einsatz vollständig verloren ist!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%