Energiekonzern
Anleger werfen Eon-Aktien aus den Depots

Der Leidensweg der Eon-Aktionäre nimmt kein Ende. Nach der Ankündigung, die Atomreaktoren zu behalten, fällt das Papier auf ein neues 20-Jahrestief. Analysten reagieren unterschiedlich.

DüsseldorfMehrmals hofften Anleger in den vergangenen Jahren, dass der lang anhaltende Kursverfall der Eon-Aktie zum Stillstand kommt. Schließlich hat das Wertpapier einen massiven Kursverfall hinter sich – von 51 Euro im Jahr 2008 bis auf neue Tief von 9,07 Euro am heutigen Handelstag – ein Minus von mehr als vier Prozent allein heute. So tief wie heute notierte das Wertpapier vor mehr als 20 Jahren.

Es ist ein neuer Tiefschlag für die leidgeprüften Eon-Aktionäre, für die das Wort Hausse in den vergangenen Jahren nur ein Fremdwort war. In den vergangenen fünf Jahr hat der deutsche Leitindex mehr als 60 Prozent zugelegt, die Energieaktie hat hingegen 58 Prozent an Wert verloren.

Der Grund für das neue Tief am heutigen Donnerstag: Der Eon wird seine Kernernergie behalten und nicht wie geplant in die neue Gesellschaft Uniper einbringen. Als Reaktion hat die Investmentbank Equinet das Kursziel für Eon nach Details zur Aufspaltung von 14 auf 10 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf „Neutral“ belassen. Dadurch sinke die Attraktivität von Eon, während der Ausblick für Uniper schwach bleibe, schrieb Analyst Michael Schäfer in einer Studie vom heutigen Donnerstag. Sein reduziertes Kursziel berücksichtige die vom Konzern gemeldeten hohen Abschreibungen.

Ganz anders reagiert das US-Analysehaus Bernstein Research auf diese Ankündigung. Analyst Deepa Venkateswaran hat die Einstufung für Eon nach jüngsten Details zur Aufspaltung auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 16,40 Euro belassen. Da die Kernernergie nun doch bei Eon verbleibe, sinke das Risiko für die Anleger, schrieb Venkateswaran in einer Studie.

Auch nehme die Gefahr ab, dass die Abspaltung der neuen Gesellschaft Uniper nicht vollzogen werde. Denn durch diesen Schritt komme Eon möglichen politischen Bedenken zuvor, dass sich der Versorger aus der Verantwortung für seine Kernenergieaktivitäten stehlen wolle.

Das Unternehmen will die konventionelle Erzeugung (Gas, Kohle), den Energiehandel sowie das Öl- und Gasfördergeschäft unter dem Dach von Uniper (14 000 Beschäftigte) in Düsseldorf sammeln. Die neue Gesellschaft soll Anfang 2016 an den Start gehen. Dazu gehörte ursprünglich auch die Atomenergie, die nun aber der neuen Eon zugeschlagen wird. Kritiker hatten Eon vorgeworfen, mit Uniper eine Art „Bad Bank“ zu schaffen und sich aus der Verantwortung für die Altlasten des Kernenergiegeschäfts zu stehlen.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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