Energiewende
Stromaktien, nein Danke!

Die Energieriesen RWE und Eon haben kein Konzept für die Energiewende. Von der nächsten Bundesregierung dürfen sie keine Unterstützung erwarten. Die meisten Analysten raten zum Verkauf der Aktien.
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DüsseldorfSelbst gestalten, statt gestaltet werden. Das sollte das Motto eines jeden guten Unternehmenslenkers sein. Die Stromkonzerne RWE und Eon haben den Zeitpunkt verpasst, den eigenen Umbau selbst zu gestalten in die Hand zu nehmen. Sie haben bis heute keine Antwort auf die Energiewende gefunden. Den Preis dafür bezahlen Aktionäre und Mitarbeiter.

„Es gibt keinen Zweifel daran, dass uns schwere Zeiten bevorstehen“, räumte RWE-Vorstandschef Peter Terium am vergangenen Donnerstag ein. Damit dürfte er Recht behalten.

Eine letzte Hoffnung ist mit der Bundestagswahl am vergangenen Sonntag gestorben: Von der nächsten Regierung, wie auch immer diese aussehen wird, wird es keine Unterstützung geben. Mit dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag haben die großen Stromkonzerne einen wichtigen Verbündeten verloren. Die Liberalen hatten sich lange gegen die Energiewende gewehrt. Nach der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima im März 2011 stimmte die FDP dem Atomausstieg nur widerwillig zu.

Ganz anders dürfte es in einer Großen Koalition aus Union und SPD laufen, erst Recht in einer schwarz-grünen Koalition. SPD und Grüne sind die Erfinder des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), mit dem die Ökoenergie seit 2000 subventioniert wird. Es ist zwar sehr wahrscheinlich, dass das EEG künftig reformiert wird; allerdings nicht so, wie von den Großen in der Branche erhofft. Eine Regierung unter Beteiligung von SPD oder Grünen wird die Privilegien der erneuerbaren Energien kaum beschneiden.

Das EEG hat den Strommarkt in den vergangenen Jahren massiv verändert. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien wird inzwischen mehr als genug Strom erzeugt, gleichzeitig geht die Nachfrage der Industrie zurück. Dadurch sind die Großhandelspreise erheblich gesunken. Die Verbraucher merken davon zwar nichts, da die Differenz zwischen Börsenpreis und den garantierten Abnahmepreisen für Ökostrom durch die Ökostrom-Umlage ausgeglichen wird. Die Stromkonzerne merken die sinkenden Preise aber sehr wohl. Die Kernkraft- und Kohlekraftwerke müssen sie im Zuge der Energiewende entweder vom Netz nehmen oder sie sind kaum noch profitabel zu betreiben. Allein RWE hat Schulden in Höhe von 35 Milliarden Euro angehäuft.

Der Niedergang der Energieriesen lässt sich unverkennbar am Börsenkurs ablesen. Auf dem Höhepunkt, im Sommer 2007, kostete eine Aktie von RWE fast 100 Euro, ein Anteilsschein von Eon rund 50 Euro. Dann kam der Absturz. Den vorläufigen Tiefpunkt erreichte RWE in diesem Jahr bei einem Kurs von rund 20 Euro, Eon fiel bis auf 13,50 Euro.

„Wir machen uns große Sorgen angesichts des Kurses und der Dividende“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer. Früher seien Versorgeraktien wie RWE ein wahres „Witwen- und Waisenpapier“ gewesen. Es galt das Motto: „Wenn etwas sicher ist, dann sind es die Renditen der Versorger.“

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  • ".......kein Konzept für die Energiewende."

    WER hat denn ein KONZEPT ??? LOBBYverseucht !!!

    Ein Bereich, wo der Beweis vorliegt, für Kompetenzleere!

    Die VERURSACHER Rot/Grün sind verantwortlich, für die unnötige hektische Zeitfolge und miserable Vorgehensweise !

    Deutschland hatte diesen Zeitdruck nicht nötig !

    Wir ( D ) werden von unseren Nachbarn & Co. bereits belächelt, versteh ich auch !

  • Ich habe absolut kein Mitleid mit den sozialistisch regierten Kommunen. Sozialisten und Ökosozialisten wollten dies doch so! Hurra

  • Man sieht aber auch, was nicht möglich ist. Das Jahr hat 8760h, davon können an 850h Solarenergie und an 1800h Windenergie an Land geerntet werden (Offshore vielleicht, vielleicht 4500h). Speicherung ist sinnvoll nicht möglich, auch nicht mit EE-erzeugtem Wasserstoff. Der müßte ja in just den Gaskraftwerken verwertet werden, die schon mit dem weitaus billigeren Erdgas nicht klar kommen. Insofern ist richtig, dass nur derjenige einspeisen dürfen sollte, der damit auch ein Mindestmass an Grundlastfähigkeit garantieren kann s.h. den Beitrag von 'zarakthuul'. Der Betrieb der Speicher und Ersatzkraftwerke kann natürlich nicht die Aufgabe der Netzagentur sein, weil damit die wettbewerbsgetriebene Suche nach der wirtschaftlichsten Lösung verhindert wird.

    Unsere Industriekultur konnte nur deshalb so erfogreich sein, weil seit James Watt Energie tageszeit- und witterungsunabhängig zur Verfügung gestellt werden konnte. Intensive Windenergienutzung gab es ja auch schon zu seiner Zeit - die Niederlande wurden mit Windmühlen geschaffen. Eine Industriekultur in unserem Verständnis ergab sich daraus nicht. Die Aufgabe der Grundlastfähigkeit würde mithin den Rücksturz in vorindustrielle Zeiten bedeuten, Deutschland würde Dritte-Welt-Land.

    E.ON, RWE und die anderen Grundversorger haben daher eine wichtige Aufgabe, die nicht durch ein ungeeignetes EEG unterminiert werden darf.

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