Enttäuschendes Börsendebüt
Air Berlin gewinnt keine Höhe

Die Billigfluggesellschaft Air Berlin hat mit einem schwachen Börsenstart die Anleger enttäuscht. Die Aktie beendete den Handel noch unter ihrem Ausgabepreis. Auch die Banken konnten nicht stützen.

HB FRANKFURT. Nach heftigen Turbulenzen im Vorfeld des Kapitalmarktdebüts lag der erste Kurs im Prime Standard mit 12,65 Euro zwar um 5,4 Prozent über dem Ausgabekurs von 12 Euro. Im Verlauf des Tages allerdings wurden dieses Gewinne wieder geschmälert und der Aktiekurs rutschte unter den Ausgabepreis. Aus dem Handel ging die Aktie schließlich mit 11,25 Euro. Händler bezeichneten den Börsengang als „Bruchlandung“. „Gut ist, dass sie überhaupt gelandet sind“, sagte Stefan Chmielewski vom Brokerhaus Lang & Schwarz.

Analysten trauen dem Papier nicht viel zu. Das Umfeld für Luftfahrttitel ist „derzeit eine Herausforderung“, sagt Uwe Weinreich von der Hypo-Vereinsbank und verweist auf den hohen Öl- und Kerosinpreis und die daher eher schwachen Quartalszahlen europäischer Luftfahrtkonzerne.

Dass der Air-Berlin-Kurs auf der Stelle tritt oder sogar abrutscht, kann sich auch Frank Schallenberger, Leiter der Aktienstrategie bei der Landesbank Baden-Württemberg, vorstellen. Da die Aktie trotz des deutlich gesenkten Emissionskurses nur zweifach überzeichnet war, glaubt er nicht, dass Anleger den Titel nach dem Börsengang nun stärker nachfragen. Die Nachfrage nach Aktien des bislang größten Börsengangs des Jahres, Wacker Chemie, war hingegen achtzehnmal höher als das Angebot.

Mittelfristig sehen die Branchenexperten aber mehr Luft für den Aktienkurs. „Die Gewinndynamik für die Flugbranche wird zunehmen“, meint HVB-Mann Weinreich. Im Quartal dürften die Ergebnisse seiner Ansicht nach besser ausfallen.

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold zeigte sich erleichtert, dass der Sprung aufs Börsenparkett im zweiten Anlauf gelungen ist. „Ich bin sehr zufrieden. Jetzt können wir in die Zukunft gucken und wachsen“, sagte er. Trotz der geringeren Einnahmen aus dem Börsengang sei er zuversichtlich, die gesteckten Ziele zu erreichen. Air Berlin selbst fließen 235 Millionen Euro zu, abzüglich der Kosten bleiben noch etwa 195 Millionen Euro übrig. Hunold hatte sich ursprünglich Hoffnungen auf bis zu 400 Millionen Euro gemacht.

Air Berlin ist mit einem Platzierungsvolumen von bis zu 510 Millionen Euro hinter dem Chemiekonzern Wacker Chemie die bislang zweitgrößte Neuemission in diesem Jahr. Ursprünglich hatte der defizitäre Billigflieger bis zu 870 Millionen Euro an der Börse einsammeln wollen.

Der Börsengang von Air Berlin stand jedoch trotz einer kostspieligen Werbekampagne mit Fernsehmoderator Johannes B. Kerner unter keinem guten Stern und lockte nur zögerlich Investoren aus dem In- und Ausland an. Wegen der schleppenden Nachfrage hatte Air Berlin die Erstnotiz um mehrere Tage verschoben. Zudem wurde die Preisspanne auf 11,50 bis 14,50 Euro von 15 bis 17,50 Euro gesenkt und das Angebot an Aktien verknappt. Dennoch hielten sich vor allem Privatanleger zurück. Nur ein Zehntel der Aktien - und damit deutlich weniger als vom Unternehmen angepeilt - gingen an private Investoren.

Kritiker hatten Air Berlin vorgeworfen, dass Risiken wie steigende Treibstoffpreise und der harte Wettbewerb im europäischen Billigflugsektor in der ursprünglichen Angebotsspanne nicht genügend berücksichtigt worden seien. Mit dem frischen Kapital will Air Berlin vor allem die bereits bestellten 50 neuen Flugzeuge bezahlen. Hunold räumte ein, dass aufgrund des geringeren Erlöses möglicherweise Umstrukturierungen bei der Finanzierung nötig seien.

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