Enttäuschung
Sündenbock für das Facebook-Desaster gesucht

Facebook und die Nasdaq haben vorgemacht, wie ein Börsengang nicht laufen sollte. Nun werden Schuldige gesucht: vom Facebook-Chef über die Banker, bis hin zu Investoren, denen die Euphorie das Hirn vernebelt hat.
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New YorkManche haben es natürlich schon vorher gewusst: Der Facebook-Börsengang musste einfach in die Binsen gehen. So wie der US-Komiker Andy Borowitz, der in seinem Blog am Tag vor dem historischen Ereignis einen imaginären „Brief von Mark Zuckerberg“ abdruckte: „Lieber potenzieller Investor! Seit Jahren hast Du Deine Zeit auf Facebook verschwendet. Jetzt kommt Deine Chance, auch noch Dein Geld darauf zu verschwenden.“

Borowitz' Scherze blieben manchem Investor im Halse stecken. Minus 11 Prozent war die Bilanz der Aktie nach gerade mal zwei Handelstagen. Und am Dienstag sackte das Papier bis zum Handelsschluss um über acht Prozent auf 31,12 Dollar ab. Die anfängliche Euphorie über die Möglichkeit, in das weltgrößte Online-Netzwerk zu investieren, ist bei etlichen Anlegern in Panik umgeschlagen: Nur schnell raus aus Facebook, bevor das Papier noch weiter fällt. Beim gegenwärtigen Kurs, so denken sich einige, ist noch viel Luft nach unten, aber kaum nach oben.

Doch wer trägt die Schuld an dem Desaster? Vor allem die Investmentbank Morgan Stanley bekommt es knüppeldick ab. Sie hat als sogenannter „Lead Underwriter“ die Gruppe der Finanzfirmen angeführt, die über Monate den Börsengang vorbereiteten und die Aktien an die Anleger verkauften. „Morgan Stanley hat zu viele Aktien ausgegeben, und die Preisfindung war unter aller Sau“, twitterte Jack Welch, der legendäre Ex-Chef des US-Konglomerats General Electric. „Sie tragen die Schuld am Facebook-Debakel.“

In der Tat wurde der Börsengang gleich mehrfach ausgeweitet: Ursprünglich sollten die Aktienverkäufe 5 Milliarden Dollar einbringen, daraus wurden 12 Milliarden Dollar und am Ende sogar 16 Milliarden Dollar. Für die Schar der Banker war die Verdreifachung des Volumens verlockend: Sie kassierten nach Informationen von US-Medien für ihre Arbeit einen Anteil von rund 1,1 Prozent der Einnahmen - bei der gigantischen Summe immerhin 176 Millionen Dollar.

Allerdings konnten die Banker den Börsengang nur deshalb so aufblähen, weil die Alteigentümer von Facebook zugestimmt haben. Vor allem Fonds und Finanzinvestoren, mit deren Geld das soziale Netzwerk in den vergangenen Jahren sein rasantes Wachstum finanziert hatte, verkauften am Ende viel mehr Aktien als ursprünglich geplant. Fast schien es, als ob die Devise lautete: Nur schnell raus, bevor der Hype abflaut.

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Eisernes Schweigen von Zuckerberg

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  • Ja, das könnte so ungefähr hinkommen.
    Daumenregel für den Start: Börsenwert = Umsatz mal zwei. Alles darüber hinaus sollte ein verdammt sicheres Geschäftsmodell mitbringen oder es halt als Blase versuchen...

  • facebug ist doch nur Schall und Rauch. War klar, dass die abrutschen wie eine Lawine.

  • Mein Wert pro Aktie liegt bei gut unter $ 3,-. Und eigentlich will ich auch nichts mehr von der Facebook-Aktie wissen. Wer sie kauft, muss selber wissen was er macht. Wo soll noch weiterer Wachtum herkommen? Wie soll der Pro-Kopf-Umsatz gesteigert werden? Bis heute habe ich auf Facebook keinen Cent reingesteckt und keine Werbung angeklickt. Zynga versucht sich auch von Facebook abzukoppeln.
    Ich kann einfach nicht nachvollziehen woher eine dermaßen hohe Bewertung für ein Netzwerk mit wenig Ertrag herkommt.
    In wirtschaftlich schlechten Zeiten, wird für so eine Aktie Milliarden ausgegeben und unterbewertete Weltunternehmen, die Produkte herstellen, verkaufen und echt Marken haben, zudem eine stabile Dividendenrendite vorweisen links liegen gelassen.
    Ich finde die Story interessant und bin sehr gespannt, wo die Aktie in 1, 5 und 10 Jahren steht. Vielleicht ärger ich mich, aber vielleicht erinnere ich mich auch nicht....

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