Entwicklung hängt vom Ölpreis ab
Dax-Ausblick: Dividenden gegen Hängepartie

Die Aussicht auf Milliarden-Dividenden deutscher Unternehmen könnte nach Ansicht von Aktienexperten im April die Hängepartie des Deutschen Aktienindex (Dax) beenden. Risiken sehen Börsianer in möglichen Gewinnwarnungen nach Ende des ersten Quartals und bei einem wieder steigenden Ölpreis.

HB DÜSSELDORF. „Mit der Hauptversammlung von Daimler-Chrysler rückt die Dividenden-Saison in den Vordergrund“, sagte Michael Köhler, Aktienstratege bei der LRP, am Freitag. Schließlich würden in den kommenden sechs Wochen allein die Dax-Werte zwölf Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten. „Selbst wenn nicht alles, sondern nur ein Teil in den Markt fließt, könnte das beim Dax insgesamt ein Anstoß sein“, sagte Köhler. Einige Börsianer warnen allerdings vor zu großem Optimismus. „In der ersten Woche des neuen Quartals gibt es immer das Risiko von Gewinnwarnungen. Da könnte es böse Überraschungen geben“, sagte Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Auch aus charttechnischer Sicht spricht Analysten zufolge zunächst viel für eine Fortsetzung der aktuellen Seitwärtsbewegung. Unterstützt sei der Dax bei 4.337 Punkten. Ein hartnäckiger Widerstand liege bei dem alten Aufwärtstrend der aktuell bei 4.372 Punkten verlaufe, so die Marktstrategen von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Erst ein nachhaltiger Sprung über diese Marke generiere neues Aufwärtspotenzial. Der nächste Widerstand sei dann bei 4.409 Zählern, dem Hoch vom 15. Februar, zu finden.

Vom Ölpreis abhängig

Der deutsche Leitindex steckt seit Wochen in einer Bandbreite zwischen 4300 und 4400 Punkten fest. In der abgelaufenen Woche legte das Börsenbarometer lediglich 0,6 Prozent auf 4371 Stellen zu. „Der Markt macht eine Hängepartie durch“, sagte Oliver Rupprecht, Aktienstratege bei der NordLB. Die 4400-Punkte-Marke werde der Dax nur sehen, wenn beispielsweise der Ölpreis deutlich falle. Trotz der zu Ende gehenden Heizperiode in den wichtigsten Industrieländern hält sich der Ölpreis nahe seinen Rekordständen bei knapp 56 Dollar je Barrel (159 Liter) US-Leichtöl. Zuletzt hatten Befürchtungen, die Raffinerien könnten den weltweit gestiegenen Benzinbedarf nicht mehr decken, einen Preisschub ausgelöst.

Nicht ganz so pessimistisch sind die Analysten der DZ Bank. Sie verweisen auf die attraktive Bewertung des Dax mit einem KGV von nur knapp über 10. Auf mittlere Sicht bis zur Jahresmitte sei ein Anstieg bis auf 4.500 Punkte möglich. Ein nachhaltiges Ende der Dollarschwäche sowie ein deutlicher Ölpreisrückgang könne sogar für ein Überschreiten dieser Marke sorgen, heißt es.

Quartalszahlenreigen beginnt

Nach dem Ende der Berichtssaison zum Geschäftsjahr 2004 in Deutschland beginnt nun der Quartalszahlenreigen der US-Firmen, den traditionell der Aluminium-Hersteller Alcoa am Mittwoch beginnt. In Deutschland steht bei den Unternehmen neben der Daimler-Chrysler-Hauptversammlung die Bilanzpressekonferenz des Finanzdienstleisters AWD auf der Agenda. Da die Geschäftszahlen für 2004 weitgehend bekannt sind, rechnen Analysten hier mit Aussagen zum laufenden Jahr.

Auf der Makroseite ist der Datenkalender eher dünn. Für Dienstag steht der US-Einkaufsmanagerindex des Nicht-Verarbeitenden Gewerbes für den Monat März auf dem Kalender. Der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht war mit nur 110.000 neu geschaffenen Stellen deutlich hinter den Erwartungen von 215.000 neuen Stellen zurückgeblieben. Damit habe die erwartete positive Entwicklung am Arbeitsmarkt in den USA einen Dämpfer bekommen. Die Stundenlöhne stiegen allerdings mit Plus 0,04 US-Dollar leicht mehr als prognostiziert, was die Angst vor Inflation weiter schüre, heißt es von Marktteilnehmern. Ob die US-Notenbank die Zinsen in der nächsten Zeit in Schritten um mehr als 25 Basispunkte anheben werde sei aber nun fraglich.

Auch von der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag erwarten Volkswirte keine Leitzinsänderung. Mit einer Erhöhung des historisch niedrigen Leitzinses von 2,00 Prozent wird nach wie vor erst für die zweite Jahreshälfte gerechnet. Nach der jüngsten Reuters-Umfrage prognostizieren 37 Volkswirte eine Anhebung ab Mitte des Jahres, 22 glauben an unveränderte Zinsen bis Ende des Jahres. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet werde auf der Pressekonferenz in der kommenden Woche vielleicht die verbale Vorbereitung eines Zinsschrittes weitertreiben, sagte Gregorio de Felice von der Banca Intesa in Mailand. „Die aktuelle Lage erfordert noch keine Zinserhöhung.“

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